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Epigramm (griechisch epigramma: Inschrift, Aufschrift), Bezeichnung für einen pointierten, häufig witzigen, in Versform verfassten Kurztext oft spöttischen oder erotischen Inhalts. In der griechischen Antike waren Epigramme Inschriften auf Gebäuden, Geschenken, Grabmälern oder Standbildern. Lateinische Autoren wie Catull und Juvenal verfassten Epigramme. Vor allem der römische Dichter Martial entwickelte das Epigramm zu einer kurzen Satire in Gedichtform mit einer überraschenden Wendung oder einer treffenden Pointe am Schluss. Zu den Meistern des englischen Epigramms zählen die Schriftsteller Robert Herrick und Alexander Pope, der im 18. Jahrhundert die literarische Gattung des epigrammatischen Couplets zur Vollendung brachte. Voltaire und Nicolas Boileau-Despréaux schufen Epigramme in französischer Sprache. Im deutschen Frühbarock wussten Autoren wie Andreas Gryphius, Paul Fleming, Friedrich von Logau und der Mystiker Angelus Silesius (Geistreiche Sinn- und Schlussreime, 1657) die literarische Kleinform zu nutzen. Die Aufklärung des 18. Jahrhunderts stellte das Epigramm in den Dienst von Kirchen- und Gesellschaftskritik. Gotthold Ephraim Lessing verfasste 1771 seine Zerstreuten Anmerkungen über das Epigramm, dessen Gedankengänge Johann Gottfried von Herder in Anmerkungen zum griechischen Epigramm 1786 in Frage stellte. Johann Wolfgang von Goethes Venezianische Epigramme (1796) orientieren sich an Herder ebenso wie an Martial. Im Alter fügte Goethe der Epigrammkunst den Westöstlichen Diwan und die Zahmen Xenien hinzu. Im 19. Jahrhundert erwiesen sich Franz Grillparzer und Friedrich Hebbel als Meister des Epigramms. In der Literatur des auf Erneuerung der literarischen Form drängenden 20. Jahrhunderts sind Epigramme eher selten. Doch erinnern viele Arbeiten von Stefan George, Karl Kraus oder Bertolt Brecht (Kriegsfibel, 1955) an deren Tradition.