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| 2. | Dramen |
Aischylos werden etwa 90 Dramen zugeschrieben. Seine Tragödien wurden erstmals im Jahr 499 v. Chr. aufgeführt, und zwar als Trilogien, d. h. zyklische Einheiten von jeweils drei Tragödien mit einem gemeinsamen Thema, denen ein Satyrspiel (burleske Parodie auf die vorangegangene Aufführung mit dem Chor der Satyrn) als vierter Teil folgte. So wurden die Trilogien – eine für das attische Drama neue Inszenierungspraxis – zur Tetralogie erweitert. Die Titel von 79 Dramen sind bekannt, erhalten sind jedoch nur sieben. Eines der frühen erhaltenen Dramen mit dem Titel Hiketides (Die Schutzflehenden) weist wenig Handlung auf, zeichnet sich jedoch durch zahlreiche sehr schöne Chorgesänge aus und gilt als erstes Stück der Danaidentrilogie über die Heirat der 50 Töchter des Danaos. Zu dieser Trilogie gehören außerdem die Stücke Aigyptioi (Die Aigyptossöhne) und Danaides (Die Danaiden) sowie das Satyrspiel Amymone. Persai (Die Perser) wurde 472 v. Chr. als Teil der Trilogie Phineus, Persai, Glaukos Potnieus mit dem Satyrspiel Prometheus Pyrkaeus aufgeführt und ist eine historische Tragödie über die Schlacht von Salamis, deren Handlung in Persien, am Hof der Mutter König Xerxes I., angesiedelt ist.
Hepta epi Thebas (Sieben gegen Theben) wurde beim Tragikerwettkampf 467 v. Chr. aufgeführt. Dieser Tragödie liegt eine thebanische Sage zugrunde, der zufolge Eteokles und Polyneikes, die zwei Söhne des Ödipus, um den Thron von Theben konkurrierten (siehe Sieben gegen Theben). Das Drama ist das dritte Stück der Trilogie, zu der noch Laios und Oidipus sowie das abschließende Satyrspiel Sphinx zählen. Prometheus desmotes (Der gefesselte Prometheus, Datierung unsicher) schildert die Bestrafung des Herausforderers Prometheus durch Zeus. Vermutlich handelt es sich bei diesem Werk um das erste Stück einer prometheischen Trilogie, zu der auch Prometheus lyomenos (Die Befreiung des Prometheus) und Prometheus Pyrphoros (Prometheus der Feuerträger) gerechnet werden.
Die letzten drei Stücke – Agamemnon, Choephoroi (Die Opfernden am Grab) und Eumenides (Die Eumeniden), aufgeführt 458 v. Chr. –, bilden die Trilogie Oresteia (Orestie), die Geschichte des Orestes. In der Tragödie Agamemnon, die zu den bedeutendsten Dramen der Weltliteratur zählt, wird König Agamemnon bei seiner Heimkehr aus Troja hinterrücks von seiner treulosen Gattin Klytämnestra ermordet. Im zweiten Stück kehrt Orestes, der Sohn Agamemnons, nach Argos zurück und rächt seinen Vater, indem er seine Mutter und deren Geliebten, Aigisthos, tötet. Die Erinnyen (Rachegöttinnen) verfolgen den Muttermörder. In der Tragödie Eumenides wird Orestes von den Erinnyen gehetzt, bis er – auf Fürsprache Athenes, der Göttin der Weisheit – durch den altgriechischen Gerichtshof Areopag von seiner Blutschuld freigesprochen wird.
Aischylos hat entscheidend zur Entwicklung der Tragödie beigetragen. Durch die Einführung eines zweiten (später auch eines dritten) Schauspielers schuf er die Grundlage für den dramatischen Dialog. Auch baute er die Handlung des attischen Dramas aus und ließ den Chor näher zum Geschehen rücken. Darüber hinaus befasste er sich intensiv mit der Inszenierung seiner Stücke und führte erstmals Elemente wie Kostüme und Bühnenbild in die Aufführungspraxis ein. Dabei wurden die Themen seines Werkes – Mythos, Religion sowie menschliche Verfehlung, Verblendung und Leidenschaft – in einer erhabenen, stark poetisierenden Sprache umgesetzt, die für nachfolgende Generationen verbindlich wurde. Die Trilogie Oresteia, sein einzig vollständig erhaltenes Werk, veranschaulicht Aischylos Auffassung von Recht und Gnade sowie seinen Glauben an einen göttlichen Willen, mit dem die Menschheit durch Leiden zur Weisheit gelangt.