| Ethik | Artikelansicht | ||||
| Klicken Sie im Menü Datei auf Drucken, um die Informationen zu drucken. | |||||
| 1. | Einleitung |
Ethik (auch Moralphilosophie; griechisch ethos: Gewohnheit, Herkommen, Sitte, Brauch), philosophische Disziplin, die sich mit dem Handeln des Menschen beschäftigt, insbesondere im Hinblick auf dessen wertorientierte Zielsetzung und Rechtfertigung.
Die Grundfragen der Ethik beschäftigen sich mit den Richtlinien, an denen sich menschliches Handeln ausrichten soll; die philosophische Ethik erhebt daher Forderungen, die zu befolgen moralisch richtiges Handeln zur Folge hat und die nicht zu befolgen als „unmoralisches” Verhalten verurteilt wird. Daher stellt sie notwendig Fragen nach dem „richtigen Leben” des Einzelnen wie der Gesellschaft: nach dem individuellen gelungenen oder guten Leben, nach dem letztgültigen Ziel jeden Handelns, also nach dem Guten als der Richtschnur rechten, vernünftigen Lebens und Handelns, sowie nach den Prinzipien des guten sozialen Zusammenlebens der Menschen. Diese Zielsetzung rückt die Ethik in die Nähe der Politischen Philosophie.
Die philosophische Ethik versucht, Handlungsprinzipien aufzustellen, an denen sie ihre Aussagen methodisch und inhaltlich ausrichtet und die die Geltung moralischer Sollenssätze, Gebote und Verbote, rechtfertigen können. Von Kants drei Hauptfragen der Philosophie, „1. Was kann ich wissen? 2. Was soll ich tun? 3. Was darf ich hoffen?”, behandelt Ethik die zweite. Von der herkömmlichen und alltäglichen Moral unterscheidet sie sich dabei dadurch, dass sie ausdrücklich vermeidet, sich an anerkannten Autoritäten, Konventionen oder Traditionen zu orientieren. Vielmehr besteht sie auf der Berufung auf ein durch Vernunft erkennbares und daher für jeden Vernunftbegabten einsehbares oberstes Prinzip. Sie fragt nach einem „Höchsten Gut” (lateinisch summum bonum), aus dem sich die konkreten Sollenssätze herleiten. Ziel dieser Überlegungen ist es zumeist, eine Verbesserung, einen Fortschritt des menschlichen (Zusammen-)Lebens zu gewährleisten, indem sie Maximen formuliert, die allgemeingültig und vernünftig sein sollen.
Da menschliches Handeln nicht allein biologisch (durch Instinkt), historisch (durch „Geschichtsgesetze”), sozial (infolge gesellschaftlicher Verhältnisse) oder kulturell-religiös (durch eine metaphysische Instanz) determiniert ist, sondern aus der Freiheit erwächst, zu der der Mensch befähigt ist (und die nicht mit Willensfreiheit gleichgesetzt werden darf), bedarf es sehr intensiver Reflexion und besonders verantwortlicher Orientierung. So wie das wesentliche Kennzeichen der Philosophie die Offenheit des Fragens ist, bemüht sich auch die philosophische Ethik, ohne Berufung auf andere Instanzen als die menschliche Vernunft auszukommen und ist daher kognitiv, d. h. reflexiv ausgerichtet und akzeptiert als Begründung nichts „Unhinterfragbares”. Das unterscheidet sie z. B. von der theologischen Ethik oder Moraltheologie, die sich auf den Moralkodex des in der Kirche institutionalisierten Glaubens stützt und als Theologie statt der Argumentation das Dogma von der Offenbarung Gottes privilegiert. Philosophie versucht, sich auf Wissen zu gründen statt auf Glauben, auf Aufklärung statt auf Offenbarung, auf Diskussion statt auf Gehorsam.
Moralische Entscheidungen im philosophischen Sinne können daher nicht intuitiv getroffen werden, sondern bedürfen eines bestimmten Wissens, das den Horizont einer solchen Frage deutlich macht. Beispiel für eine ethische Grundlagendiskussion ist die Frage nach der Manipulation an Föten im Interesse der Genetik und Medizin oder die Tötung bei der Abtreibung. Eine bewertende Diskussion darüber, ob dies erlaubt sein soll, setzt die Entscheidung der wissenschaftlichen Problematik voraus, was Leben ist und wann es beginnt, sowie die Beantwortung der Frage, warum wir eine solche Diskussion führen, wenn es um die menschliche Gattung geht, der Mensch sich aber undiskutiert das Recht nimmt, über Leben und Tod von Individuen anderer Gattungen zu entscheiden.
So wie die philosophische Ethik jeden Monismus und jede inhaltliche Einseitigkeit ablehnt, so lehnt sie auch seinen Gegensatz ab, den Relativismus, der die Notwendigkeit unterschiedlicher und damit auch beliebiger Moralsysteme betont. Ebenso negiert sie den Skeptizismus, der bestreitet, dass ein gemeinsames, allgemeingültiges höchstes Gut erkannt werden oder gar existieren kann. Weitere Gegenpositionen zu jeder kognitiv ausgerichteten Ethik sind Emotivismus, Positivismus und Dezisionismus.