| Ethik | Artikelansicht | ||||
| Klicken Sie im Menü Datei auf Drucken, um die Informationen zu drucken. | |||||
| 2. | Denkansätze |
Obwohl alle philosophischen Ethiken auf die menschliche Vernunft setzen und von ihr ihren Ausgang nehmen, finden sich unterschiedliche Denkrichtungen und Schulen. Da die Ethik sich zwangsläufig, wenn sie nicht im Relativismus enden will, auf ein höchstes Gut beziehen muss, muss sie sich an einem wie auch immer gearteten Absoluten orientieren. Nach den Auffassungen über dieses Absolute und nach der Art der Bindung an dieses heben sich die verschiedenen Schulen der Ethik voneinander ab.
| 1. | Gesinnungs- und Verantwortungsethik |
Eine grundlegende Unterscheidung ist die zwischen Gesinnungsethik und Verantwortungsethik. Für ein gesinnungsethisches Konzept stehen das handelnde Subjekt und die Frage nach seinem handlungslenkenden Motiv, seinem Interesse, im Vordergrund. Hier heiligt der Zweck zwar nicht die Mittel, entscheidend für die Moralhaftigkeit der Handlung ist jedoch die Absicht des Handelnden: Gilt der Beweggrund der Handlung als gut, so gilt das Gleiche für die Handlung selbst, auch wenn ihre Folgen nicht gewünscht werden können oder selber als unmoralisch verurteilt werden müssen, z. B. die „Lüge” eines Arztes gegenüber seinem Patienten, was dessen unheilbare Krankheit und Zukunftsprognose angeht. Der Arzt lügt oder beschwichtigt in diesem Beispiel nicht aus Bösartigkeit, sondern aus Fürsorge für den Patienten, also aus einem an sich guten Motiv, das aber fatale Folgen zeitigen kann.
Auf diese Folgen der Tat konzentriert sich die Verantwortungsethik: Ihr gelten die vom Subjekt und seinem Handeln bewirkten Folgen als Maßstab der moralischen Beurteilung (im Beispiel: die möglicherweise verhängnisvollen Folgen einer „Lüge” des Arztes und der Respekt gegenüber der Person des Kranken erfordern hier die Ehrlichkeit gegenüber dem Patienten). Idealiter vorausgesetzt ist bei diesen beiden Ansätzen der Ethik jedoch die möglichst weitgehende Autonomie des Subjekts: Der (un-)moralisch Handelnde wird dabei zumeist als sich seiner selbst bewusster Urheber der Tat angesehen, der alle Unwägbarkeiten (z. B. ihm unbewusste Triebregungen, Notlagen, Zeitdruck, mangelnde Entscheidungsfähigkeit, fehlende Reflexion auf die Moral des Handelns überhaupt usw.) souverän durch seine Vernunft bewältigt – ein Idealtypus des rationalen Handelns, der im Alltag selten vorzufinden ist.
| 2. | Empirische, normative und Meta-Ethik |
Methodisch und von ihrem leitenden Erkenntnisinteresse her lassen sich drei Grundformen der philosophischen Ethik unterscheiden: empirische, normative und Meta-Ethik. Die empirische Ethik stellt keine Prinzipien, Gesetze, Regeln oder Normen auf, sondern begnügt sich damit, die vielfältigen Ausprägungen von Moralität und Sittlichkeit zu beschreiben und zu erklären; sie wird aufgrund ihres beschreibenden Ansatzes daher auch deskriptive Ethik genannt.
Mit der sprachlichen Form, der Methode und der Funktion der Ethik befasst sich die Meta-Ethik, die die kulturellen Grundlagen der Moralität thematisiert. Hierzu zählt z. B die von George Edward Moore und Ludwig Wittgenstein beeinflusste sprachanalytische Ethik, die ihre Aufgabe in der Klärung der Art und Weise sieht, in der moralische Ausdrücke Verwendung finden und in denen moralische Argumentation möglich ist.
Die normative Ethik hingegen ist Ethik im landläufigen Sinne: Sie zielt ab auf die Entwicklung, Entfaltung und Begründung allgemein verbindlicher Aussagen in Gestalt von Prinzipien, Gesetzen, Regeln und Normen. Gesinnungs- und Verantwortungsethik fallen beide in diese Kategorie. Innerhalb der normativen Ethik findet sich die Unterscheidung zwischen formaler Ethik, die nach dem Nachweis von Prinzipien sucht, aufgrund derer eine Handlung bewertet werden kann, und materialer Werteethik, die sich an bestimmten Wertinhalten orientiert. Eine weitere Abgrenzung innerhalb der normativen Ethik ist die zwischen utilitaristischer Ethik, bei der vor allem individuelle wie soziale pragmatische Gründe als Legitimation moralischen Handelns ins Feld geführt werden, und deontologischer Ethik (griechisch deón: Pflicht), der allein Pragmatismus als Rechtfertigung nicht genügt und die auf die Pflicht zum guten und gerechten Handeln setzt, auch wenn dies zum Nachteil des Handelnden sein sollte.