| Neuseeland | Artikelansicht | ||||
| Klicken Sie im Menü Datei auf Drucken, um die Informationen zu drucken. | |||||
| 7. | Geschichte |
Der holländische Seefahrer Abel Janszoon Tasman erreichte 1642 als erster Europäer die Südinsel und gab ihr den Namen Staten Landt. Später wurden die Inseln nach der niederländischen Provinz Zeeland in Nieuw Zeeland umbenannt. 1769/70 erkundete der britische Seefahrer und Entdecker James Cook ganz Neuseeland, stellte dabei fest, dass es sich um zwei Inseln handelt, und beanspruchte diese für Großbritannien.
| 1. | Die Maori |
Die Inseln Neuseelands wurden gegen Ende des 1. Jahrtausends von den Maori besiedelt, einem Volk, das aus Ostpolynesien, wahrscheinlich von den Cook-Inseln oder Tahiti, stammte. Laut der Überlieferung der Maori war Kupe der Entdecker des Landes. Er gab ihm den Namen Aotearoa („Land der langen weißen Wolke“). Die ersten Einwanderer siedelten hauptsächlich in den wärmeren Küstengebieten der Nordinsel, ihre Nachkommen breiteten sich jedoch bald über beide Inseln aus. Bei der Ankunft Cooks lebten schätzungsweise 125 000 Maori auf den Inseln.
| 2. | Unter britischer Herrschaft |
Im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert kamen europäische (vorwiegend britische) Missionare und Walfänger ins Land und gründeten Siedlungen und Handelsniederlassungen, vor allem an der Bay of Islands auf der Nordinsel. Die systematische Einwanderung begann um 1839; organisiert wurde sie von der von Edward Gibbon Wakefield 1837 in London gegründeten New Zealand Company. Binnen zehn Jahren stieg die Anzahl der europäischen Siedler in Neuseeland von etwa 2 000 auf mehr als das Zehnfache.
Um den britischen Anspruch auf Neuseeland zu sichern, entsandte Großbritannien William Hobson als Konsul nach Neuseeland, der mit den Maori-Häuptlingen die Modalitäten der britischen Inbesitznahme Neuseelands aushandeln sollte. Im Vertrag von Waitangi, der schließlich am 6. Februar 1840 von den Vertretern Großbritanniens und den Maori unterzeichnet wurde, unterstellten die Maori ihr Land der britischen Krone; als Gegenleistung erhielten die Maori die britische Staatsbürgerschaft, und die britische Krone sicherte ihnen den Schutz ihrer Besitzungen zu. Am 21. Mai 1840 proklamierte Hobson auf der Grundlage des Vertrags die britische Souveränität über die Nordinsel; die Südinsel nahm Großbritannien aufgrund der Erstentdeckung durch Cook, ohne Vertrag mit der Maori-Bevölkerung, in Besitz. 1841 wurde Neuseeland britische Kronkolonie; Hauptstadt war zunächst Auckland, ab 1865 dann Wellington.
In den Jahrzehnten nach Abschluss des Waitangi-Vertrags wurde die Besiedlung rasch vorangetrieben: 1851 lebten bereits etwa 26 000 britische Siedler in Neuseeland. Konflikte zwischen den britischen Siedlern, die sich widerrechtlich Maori-Land aneigneten, und den Maori mündeten auf der Nordinsel in die Neuseeländischen Kriege (1845 bis 1848 und 1860 bis 1872), in deren Verlauf die Maori erheblich dezimiert wurden. In der Folgezeit verfolgten die Kolonialbehörden eine gemäßigtere Politik, die schließlich zu einem beständigen Frieden zwischen den Kolonisten und der Maori-Bevölkerung führte.
Auch auf der Südinsel, die von den Kämpfen unberührt blieb und auf der nur wenige Maori lebten, schritt die Besiedlung stetig voran. 1848 entstanden zwei neue Siedlungen: Otago (heute Dunedin) und Canterbury (heute Christchurch). Die Entdeckung von Gold in Otago 1861 lockte eine neue Einwandererwelle ins Land und führte zu einem bemerkenswerten wirtschaftlichen Aufschwung. Schafzucht und Goldgewinnung waren die Haupteinnahmequellen des Landes. Die Einführung von Kühlschiffen in den achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts ermöglichte es Neuseeland, Frischfleisch zu exportieren – ein weiterer Anreiz für die Besiedlung und den Ausbau der Landwirtschaft.
1852 erhielt Neuseeland eine eigene Verfassung, 1856 entstand ein Parlament, und es wurde eine Zentralregierung eingesetzt. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts führten abwechselnd liberale und konservative Gruppierungen die Regierung. Von 1891 bis 1912 regierte die Liberal Party, die mit ihren weit reichenden Sozial-, Land- und Wirtschaftsreformen die Grundlagen für das moderne Neuseeland legte.
| 3. | Das 20. Jahrhundert bis zum Ende des 2. Weltkrieges |
1907 wurde Neuseeland offiziell Dominion im britischen Commonwealth. 1912 kam die konservative Reform Party an die Macht. Während des 1. Weltkrieges, an dem auch etwa 125 000 neuseeländische Soldaten auf Seiten der Entente teilnahmen, war eine Koalition aus Reform Party und Liberal Party an der Regierung. Zu Beginn des Krieges hatte Neuseeland die deutsche Kolonie Westsamoa besetzt; 1920 erhielt Neuseeland das Mandat des Völkerbundes über Westsamoa, das es bis 1962 verwaltete, seit 1946 als Treuhandgebiet der Vereinten Nationen.
Zu Beginn der zwanziger Jahre sah sich Neuseeland infolge des deutlichen Exportrückgangs mit einer Wirtschaftskrise konfrontiert, und ab Ende der zwanziger Jahre bekam Neuseeland auch die Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise drastisch zu spüren. Die Maßnahmen der liberalen und Reformregierungen gegen die Wirtschaftskrisen gingen großteils zu Lasten der Arbeitnehmer, was eine Reihe von Unruhen und Streiks provozierte und 1935 schließlich zum klaren Wahlsieg der Labour Party (LP) führte. Die bei den Wahlen unterlegenen Parteien schlossen sich 1936 zur New Zealand National Party (NP) zusammen. Die neue Regierung unter der Führung von Michael Joseph Savage verstaatlichte Teile der Wirtschaft und leitete umfassende soziale Reformen ein, durch die Neuseeland sukzessive in einen Sozialstaat umgewandelt wurde. 1931 hatte Neuseeland durch das Westminster-Statut die Unabhängigkeit innerhalb des Commonwealth erhalten.
Zu Beginn des 2. Weltkrieges (1939-1945) verhängte die Regierung Savage Lohn- und Preiskontrollen und bemühte sich um wirtschaftliche Stabilität. Neuseeländische Truppen wurden unter britischem Kommando in Italien, Griechenland, Zypern und Nordafrika sowie unter amerikanischer Führung im Pazifik eingesetzt. Etwa 11 600 neuseeländische Soldaten fielen, 15 700 wurden verwundet.
| 4. | Neuseeland seit Mitte des 20. Jahrhunderts |
Aus den Wahlen von 1949 ging die National Party als Siegerin hervor und löste die Labour Party in der Regierungsverantwortung ab. Innenpolitisch setzte die NP in etwa den von der Labour-Regierung vorgegebenen Kurs fort; außenpolitisch orientierte sich Neuseeland nun eng an den USA. 1950 beteiligte sich Neuseeland am Colombo-Plan für Südostasien, 1951 schloss es – unter dem Eindruck der japanischen Bedrohung während des 2. Weltkrieges – den ANZUS-Pakt mit Australien und den USA, und 1954 gehörte es zu den Mitbegründern des Verteidigungs- und Sicherheitspaktes SEATO. Im Rahmen dieses Bündnisses und als UN-Mitglied nahm Neuseeland am Korea- und am Vietnamkrieg teil, und in der Folgezeit stellte Neuseeland auch immer wieder Truppen für UN-Friedensmissionen.
1957 kam erneut die Labour Party an die Macht. Während ihrer Regierung setzte eine neuerliche Wirtschaftskrise ein, die zum Teil aus dem Rückgang des Exportvolumens resultierte und die gesamten sechziger Jahre prägen sollte. 1960 gewann wieder die National Party die Wahlen und stellte nun bis 1972 mit Keith J. Holyoake als Premierminister die Regierung.
Anfang 1972 trat Holyoake zurück. Bei den Wahlen im November desselben Jahres kehrte die Labour Party unter der Führung von Norman Eric Kirk an die Regierung zurück; den Wahlsieg verdankte Labour u. a. der fortschreitenden wirtschaftlichen Rezession. 1973 verständigten sich Kirk und der australische Premierminister Gough Whitlam auf eine Vertiefung der wirtschaftlichen Zusammenarbeit zwischen den beiden Ländern. Dies war auch eine Reaktion auf den im selben Jahr vollzogenen Beitritt Großbritanniens zur Europäischen Gemeinschaft, der negative Auswirkungen auf die Wirtschaftsbeziehungen zwischen Großbritannien und den Commonwealth-Staaten hatte. Ebenfalls 1973 nahm Neuseeland diplomatische Beziehungen zur Volksrepublik China auf.
Nach Kirks Tod 1974 trat Wallace Edward Rowling seine Nachfolge an. 1975 kam erneut die National Party unter Robert Muldoon an die Macht; 1978 und 1981 wurde sie mit knapper Mehrheit als Regierungspartei bestätigt. Ihren Versuchen, die Probleme der neuseeländischen Wirtschaft in den Griff zu bekommen, war wenig Erfolg beschieden. Die Wahlen von 1984 erbrachten erneut einen Regierungswechsel: Die Labour Party unter David Lange erlangte die Mehrheit im Parlament zurück. Lange leitete eine Reihe tief greifender Wirtschaftsreformen ein; u. a. wurden Handelsschranken und staatliche Kontrollen abgebaut. Trotz vieler unpopulärer Maßnahmen ging die Labour Party aus den Wahlen von 1987 erneut als Siegerin hervor. 1989 trat Lange aus gesundheitlichen Gründen zurück und wurde durch Geoffrey Palmer ersetzt. Im September 1990 zwangen parteiinterne Konflikte und die sinkende Popularität der Regierung Palmer zum Rücktritt; er wurde durch Michael Moore abgelöst.
Außenpolitisch war die Labour-Regierung der achtziger Jahre von einer stärkeren Annäherung an die Nachbarstaaten in Ozeanien und Südostasien sowie von zunehmenden Spannungen mit den USA geprägt. Ab 1984 sperrte die Regierung Lange im Rahmen seiner neuen antinuklearen Politik die neuseeländischen Häfen für kernwaffenbestückte Kriegsschiffe, so auch für US-amerikanische; die USA brachen daraufhin ihre militärischen Beziehungen zu Neuseeland ab und schlossen das Land aus dem ANZUS-Pakt aus (1994 kehrte Neuseeland in den Pakt zurück). 1987 erklärte sich Neuseeland zur „nuklearfreien Zone“. Die Beziehungen zu Frankreich erlebten nach der Versenkung des Greenpeace-Schiffes Rainbow Warrior durch den französischen Geheimdienst in neuseeländischen Hoheitsgewässern einen Tiefpunkt. Die Rainbow Warrior hatte gegen die andauernden französischen Nukleartests im Pazifik demonstriert; die neuseeländische Regierung hatte bereits seit den siebziger Jahren immer wieder Protest gegen diese Tests eingelegt.
1990 wurde die Labour Party wieder von der National Party unter der Führung von James Bolger aus der Regierungsverantwortung verdrängt. Die Regierung Bolger trieb die Konsolidierung der Wirtschaft weiter voran, indem sie die Privatisierung staatlicher Unternehmen forcierte und Einsparungen am sozialen System vornahm. 1992 stimmten die Neuseeländer in einem Referendum für die Änderung des Wahlsystems zugunsten eines Verhältniswahlsystems, durch das die kleineren Parteien gestärkt werden sollten.
Eines der zentralen Themen der Nachkriegszeit, insbesondere seit den siebziger Jahren, waren die Rechte der Maori. Schon seit den sechziger Jahren traten die Maori zunehmend mit der Forderung nach größerer Beteiligung in Politik und Gesellschaft, nach Erhalt ihrer Kunst und Kultur, aber vor allem auch nach der Rückgabe von Land in die Öffentlichkeit. 1975 wurde der Waitangi-Ausschuss eingerichtet, der die Ansprüche der Maori auf Land untersuchen sollte, das sie durch und seit dem Waitangi-Vertrag verloren hatten. 1987 stellte ein richtungsweisender Gerichtsentscheid fest, dass der Waitangi-Vertrag insbesondere in Landfragen vor aller anderer Gesetzgebung Vorrang habe. Am 22. Mai 1995 unterzeichneten Bolger und Dame Arkinui Te Atairangikaahu, Königin der Tainui, des größten Maori-Stammes, ein Abkommen, durch das den Tainui knapp 16 000 Hektar Land aus Staatsbesitz zurückerstattet wurden; zudem leistete Neuseeland eine Entschädigungszahlung und entschuldigte sich formell bei den Maori für von den britischen Einwanderern zugefügtes Unrecht. Im folgenden Jahr wurde ein weiterer Maori-Stamm, die Whakatohea, für beschlagnahmtes Land finanziell entschädigt.
Aus den erstmals nach dem neuen Wahlrecht durchgeführten Wahlen 1996 ging die National Party mit 44 von 120 Sitzen zwar wieder als stärkste Fraktion hervor, hatte nun aber ihre absolute Mehrheit eingebüßt und musste eine Koalition mit der populistischen New Zealand First Party (NZFP) eingehen. Im Dezember 1997 trat Bolger, infolge der Wahlniederlage innerhalb der eigenen Partei zunehmend unter Druck geraten, zurück; seine Nachfolgerin im Amt des Premierministers wurde Jenny Shipley. Zur Stabilisierung der Wirtschaft setzte sie Bolgers Privatisierungskurs und den Abbau von Sozialleistungen unbeirrt fort. Über einer Privatisierungsfrage zerbrach im August 1998 die NP/NZFP-Koalition: Die NZFP lehnte den von der NP betriebenen Verkauf des Staatsanteils am Flughafen von Wellington an ein ausländisches Konsortium strikt ab. Nach dem Bruch der Koalition regierte die NP mit Shipley an der Spitze als Minderheitsregierung weiter.
Die Wahlen vom November 1999 brachten wieder die Labour Party an die Regierung: Die LP gewann 49 der 120 Sitze und bildete eine Koalition mit der linksgerichteten Alliance Party; Premierministerin wurde Helen Clark. Bei den vorgezogenen Wahlen vom Juli 2002 erlangte die LP 52 Mandate und baute damit ihre Position als stärkste politische Kraft aus, während die NP von 39 Mandaten 1999 auf nur noch 27 Sitze abrutschte. Da dem bisherigen Labour-Koalitionspartner der Wiedereinzug ins Parlament nicht gelungen war, bildete Helen Clark eine Minderheitsregierung. In Abkehr von der Politik ihrer konservativen Vorgängerregierungen legte Clark wieder mehr Gewicht auf den sozialen Sektor, insbesondere die Gesundheits- und die Bildungspolitik, während Neuseeland zugleich ein kontinuierliches Wirtschaftwachstum zu verzeichnen hatte, das sogar trotz zunehmender Zuwanderung einen Arbeitskräftemangel zur Folge hatte. Trotz dieser positiven Entwicklung verlor die Labour Party bei den Parlamentswahlen im September 2005 gegenüber 2002 zwei Mandate und stellte nur noch 50 Abgeordnete, während sich die National Party um 21 auf 48 Sitze verbessern konnte. In der Folge vereinbarte Clark entgegen den Erwartungen mit drei kleinen konservativen Parteien – NZFP, Progressives und United Future – eine Regierungszusammenarbeit; zusammen verfügten die vier Regierungsparteien über 61 der insgesamt 121 Parlamentssitze.