Neuseeland
Klicken Sie im Menü Datei auf Drucken, um die Informationen zu drucken.
Neuseeland
2. Land

Die Landschaft Neuseelands wird geprägt durch Verwerfungslinien, die das Land in einzelne Bruchschollen teilen. Die Bewegung dieser Bruchschollen brachte vor etwa 26 Millionen Jahren die Gebirge hervor, die die Südinsel beherrschen und im Zentrum der Nordinsel für anhaltenden Vulkanismus sorgen. Beide Hauptinseln werden durch Gebirge in zwei Hälften geteilt: die Südinsel durch die Neuseeländischen Südalpen und die Nordinsel von niedrigeren Gebirgszügen. Fast drei Viertel der Südinsel und etwa ein Viertel der Nordinsel sind gebirgig. Der Mount Cook (in der Maori-Sprache Aoraki, „Wolkendurchdringer”) in den Neuseeländischen Südalpen ist mit 3 754 Metern der höchste Berg des Landes.

1. Physische Geographie

Neuseeland wird von zahlreichen Flüssen durchzogen. Die meisten sind kurz, schnell fließend und nur über kurze Entfernungen schiffbar. Nur auf der Südinsel konnten sich ausgedehnte Schwemmlandebenen ausbilden – die Canterbury Plains östlich der Neuseeländischen Südalpen. Es gibt viele Wasserfälle und Stromschnellen. Die Sutherland Falls, die auf der Südinsel aus einem Tal in der Nähe des Milford Sound 580 Meter in die Tiefe stürzen, sind die fünfthöchsten Wasserfälle der Welt. In dieser Region gibt es viele Kraterseen wie den Tauposee (606 Quadratkilometer), Neuseelands größten See. Die Küste Neuseelands ist, einschließlich der Buchten, Fjorde, Meerbusen und Sunde, fast 7 000 Kilometer lang. Die Küstenlinie der Nordinsel ist stark gegliedert, insbesondere auf der Halbinsel nördlich von Auckland. Die Südinsel besitzt wenige natürliche Buchten, außer im Südwesten, wo die Küste durch Fjorde und Sunde stark gegliedert ist.

2. Die Nordinsel

Auf der etwa 114 690 Quadratkilometer großen Nordinsel lebt der Großteil der neuseeländischen Bevölkerung. In der Mitte der Insel liegt eine vulkanische Hochebene, die sich steil vom südlichen Ufer des Tauposees erhebt. Dies ist ein Gebiet mit aktivem Vulkanismus, der sich immer wieder in kleineren Erdstößen äußert. In der Hochebene gibt es drei aktive Vulkane: den Mount Ruapehu (2 797 Meter), die höchste Erhebung der Insel, den Mount Ngauruhoe und den Mount Tongariro. Geysire und heiße Quellen treten u. a. im Nationalpark Tongariro auf. Östlich und südlich der Hochebene verlaufen Gebirgszüge vom East Cape zur Cook-Straße. Im Osten schließen sich Küstenebenen an, im Westen ein Hügelland, in dem Viehwirtschaft und Schafzucht betrieben werden. Westlich der vulkanischen Hochebene prägt Bergland die Taranaki-Region. Der Mount Taranaki (englisch Egmont) ist ein erloschener Vulkan im Westen der Insel (siehe Nationalpark Mount Egmont).

Der Waikato, mit 425 Kilometern Neuseelands längster Fluss, entwässert den Tauposee in nördlicher Richtung und mündet im Westen in die Tasmansee. Er fließt durch eine der wirtschaftlich bedeutendsten Regionen des Landes, in deren Zentrum die Stadt Auckland liegt. Auckland selbst breitet sich auf einer schmalen Landenge aus, die an manchen Stellen nicht mehr als zehn Kilometer breit ist. Nördlich der Stadt nimmt die Region Northland nach und nach einen subtropischen Charakter an, mit langen Sandstränden an der Westküste und Mangrovensümpfen an der Ostküste.

3. Die Südinsel

Die Südinsel umfasst eine Fläche von etwa 150 460 Quadratkilometern. Das Faltengebirge der Neuseeländischen Alpen erstreckt sich über 480 Kilometer von Südwesten nach Nordosten. Neben dem Mount Cook gibt es 15 Gipfel, die höher sind als 3 000 Meter. In den Neuseeländischen Alpen gibt es mehr als 300 Gletscher. Der größte ist der Tasman-Gletscher an der Ostflanke des Mount Cook. Die Westhänge der Südinsel sind feucht und bewaldet, die Osthänge sind trockener. Im Süden sind die Neuseeländischen Alpen dicht bewaldet und zerklüftet, wie im Nationalpark Fiordland.

Im Südosten der Insel befindet sich die überwiegend gebirgige Region Otago. Die Canterbury Plains sind eine ausgedehnte Ebene, in der hauptsächlich Getreide angebaut wird. Die meisten Flüsse der Südinsel entspringen in den Neuseeländischen Alpen. Längster Fluss in diesem Teil des Landes ist der Clutha mit 336 Kilometern. Größter See der Südinsel ist mit 344 Quadratkilometern Lake Te Anau in den Südausläufern der Neuseeländischen Alpen.

4. Klima

Das Klima Neuseelands ist überwiegend ozeanisch geprägt. Der Norden des Landes weist subtropische Züge auf, während der Süden in der kühl-gemäßigten Zone liegt. Wegen des Vorherrschens von Winden aus westlichen Richtungen erhalten die Westflanken der Gebirge auf der Nordinsel Jahresniederschläge von bis zu 3 000 Millimetern und auf der kühleren Südinsel sogar 8 000 bis 10 000 Millimeter. Die Ostseiten beider Inseln sind demgegenüber mit Jahresniederschlägen von rund 500 Millimetern vergleichsweise trocken. Die höchsten Temperaturen werden in der Region Northland erreicht, die niedrigsten im Südwesten der Neuseeländischen Alpen. Die Durchschnittstemperaturen liegen in Auckland auf der Nordinsel bei 23,4 °C im Januar und 7,8 °C im Juli, in Wellington an der Südspitze der Nordinsel bei 20,1 °C bzw. 5,6 °C und in Dunedin auf der Südinsel bei 15,2 °C bzw. 6,1 °C.

5. Flora und Fauna

Auf Neuseeland gibt es eine einzigartige Pflanzenwelt. Von den 2 000 einheimischen Arten sind 1 500 endemisch: Sie existieren nirgendwo sonst auf der Welt; Beispiele sind bestimmte Arten von Schnurbäumen (Kowhai, Familie Hülsenfrüchtler) und Eisenholzbäumen (Pohutukawa, Familie Myrtengewächse). Bevor die Besiedlung durch europäische Einwanderer einsetzte, war die vorherrschende Vegetationsform immergrüner Mischwald mit einem dichten Bodenbewuchs aus Moosen und Farnen, insbesondere auf der wärmeren Nordinsel. Die vulkanische Hochebenenregion auf der Nordinsel bestand überwiegend aus Grasland. Heute gibt es nur noch in unbesiedelten Gebieten und in Nationalparks und Naturschutzgebieten dichte Wälder. An der Westküste der Südinsel gibt es noch einige große Mischwaldbestände. Dort werden auch die meisten einheimischen Hölzer wie Kauri, Rimu, Kahikatea und Totara geschlagen und wirtschaftlich genutzt. Die einheimische Scheinbuche (siehe Buchengewächse) gedeiht in niedrigeren Höhenlagen der Neuseeländischen Alpen und wird in größeren Höhen von Hochgebirgsvegetation abgelöst. Etwa 19,6 Prozent (2007) der Gesamtfläche des Landes sind als Naturparks bzw. Naturschutzgebiete ausgewiesen; einige davon wurden in die Liste des UNESCO-Weltnaturerbes aufgenommen.

Seit dem Jahr 1900 sind viele exotische Pflanzenarten eingeführt worden, insbesondere schnell wachsende Nadelhölzer wie die Douglasie und die Montereykiefer (aus Kalifornien). Das Einführen nichtheimischer Pflanzenarten hat auch Probleme verursacht. Der Stechginster beispielsweise ist zu einer Plage geworden, da er sich auf allen Böden rasch ausbreitet.

Im Gegensatz zur Pflanzenwelt ist die neuseeländische Fauna, abgesehen von der Vogelwelt, nicht sehr artenreich. Als die Insel von den Maori besiedelt wurde, gab es an Wirbeltieren neben den Vögeln nur zwei Echsengruppen (Geckos und Brückenechsen), einige Froscharten und zwei Fledermausarten (die einzigen einheimischen Säugetiere). Die ersten weißen Siedler fanden außerdem Hunde und Ratten vor, die von den Maori auf die Insel gebracht worden waren. Wildtierarten, die von den Siedlern eingeführt wurden, sind Rothirsche, Wildschweine, Kaninchen, Marder und der Gewöhnliche Fuchskusu („possum“). Da sie hier keine natürlichen Feinde haben, verursachten einige Arten, die sich massenhaft vermehrten, Umweltschäden. In Neuseeland gibt es keine Schlangen.

Das Fehlen einheimischer Raubtiere führte dazu, dass Neuseeland die Heimat einer großen Zahl von Vogelarten ist, dazu gehören 23 endemische Spezies. Auch flugunfähige, straußähnliche Moas, die heute ausgestorben sind, waren in Neuseeland heimisch. Der Kiwi ist die bekannteste noch lebende Art flugunfähiger Vögel; weitere sind Kakapo, die Takahe und die Wekaralle. Der Verlust der Lebensräume hat dazu geführt, dass die meisten einheimischen Tierarten heute vom Aussterben bedroht sind. Sperlinge, Amseln, Drosseln, Feldlerchen, Elstern und Mynas zählen zu den vielen Vogelarten, die von den Siedlern mitgebracht wurden.

In den zahlreichen Flüssen des Landes leben viele Fische, wie Breitlinge, Aale und Neunaugen, außerdem Süßwasserkrebse. Forellen und Lachse wurden eingeführt. Auch die Küstengewässer sind mit ihren warmen und kalten Strömungen reich an Fischarten. In den warmen Strömungen leben Thunfische, Fliegende Fische, Merline und Haie. Kalte Strömungen werden von Kabeljau bevorzugt.