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| 6. | Wirtschaft |
Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) beträgt 104 519 Millionen Dollar (2006). Die Landwirtschaft stellt 9,4 Prozent des BIP, während die Industrie einen Anteil von 24,9 Prozent hat und der Dienstleistungssektor annähernd 65,7 Prozent beiträgt. Seit Ende der achtziger Jahre wurde der Fremdenverkehr zu einer immer größer werdenden Einnahmequelle. Mehr als eine Million Touristen pro Jahr brachten insgesamt rund eine Milliarde US-Dollar ins Land.
Die 1985 von der Staatsregierung eingeleiteten Reformmaßnahmen, wie etwa der Abbau des Protektionismus, zur Ankurbelung der Wirtschaft bewirkten ab Mitte der neunziger Jahre einen wirtschaftlichen Aufschwung. Die Veränderungen zielten nach zwei Jahrzehnten der Stagnation auf Steigerung des Wirtschaftswachstums, Eindämmung der Inflation sowie Verringerung des Haushaltsdefizits und der hohen Staatsverschuldung. Die jährliche Inflationsrate ging auf 1,30 Prozent zurück, nachdem sie Ende der achtziger Jahre noch bei 11 Prozent gelegen war. Das Wirtschaftswachstum betrug Ende der neunziger Jahre 1,90 Prozent im Jahr nach durchschnittlich 2 Prozent in den achtziger Jahren. Finanzielle Überschüsse wurden jedoch nur durch eine drastische Reduzierung der Mittel im sozialen Bereich erreicht. Die medizinische Versorgung ist nicht mehr kostenlos, die Höhe der Renten wurde verringert, und für andere Beihilfen wurde eine Bedürftigkeitsermittlung eingeführt.
| 1. | Landwirtschaft |
Durch den intensiven Einsatz von Maschinen in der Landwirtschaft und dank des milden, feuchten Klimas gehören die Farmen des Landes zu den produktivsten der Welt. Niederschläge fallen in vielen Regionen das ganze Jahr über, so dass immer fruchtbares Weideland für die Schafe und Rinder zur Verfügung steht.
Beim Ackerbau konzentriert man sich auf den Anbau von Weizen, Mais und Gerste. Weitere wichtige Anbauprodukte sind Zitrusfrüchte und anderes Obst, Kartoffeln und Hafer. Als Teil der Versuche, neue Märkte zu erschließen, haben die Bauern seit den siebziger Jahren ihre Produktion auf neue Erzeugnisse ausgeweitet. Die Haltung von Rotwild hat rapide zugenommen. Die Kiwi oder Chinesische Stachelbeere war die erfolgreichste der neuen Anbaufrüchte; Neuseeland ist heute der weltweit größte Exporteur von Kiwis. Auch der Weinbau ist im Wachstum begriffen, vor allem um Marlborough auf der Südinsel und in den Regionen Hawkes Bay, Manawatu und Wairarapa im Südosten der Nordinsel.
Der Export von Fleisch, Milchprodukten und Wolle ist von großer Bedeutung für die neuseeländische Wirtschaft. Diese Produkte machen etwa ein Drittel des gesamten Exportvolumens aus. Neuseeland ist der größte Exporteur von Butter und Käse, einer der größten Fleischexporteure und nach Australien der zweitgrößte Wollproduzent und -exporteur der Welt.
| 2. | Forstwirtschaft und Fischerei |
Etwa 40 Prozent des Holzeinschlags werden für die Zellstoffherstellung verwendet. Über 96 Prozent der Produktion gehen auf eingeführte Baumarten zurück, vor allem Kiefern. Die Produktion einheimischer Nutzhölzer, insbesondere Rimu (auch Maniu, eine Harzeibe, Dacrydium cupressium) und Birken, ist rückläufig.
Der Fischereisektor ist im Wachstum begriffen. Seit Ende der achtziger Jahre sind die Exporte um etwa ein Drittel gestiegen, vorwiegend wegen der Zunahme der Fangmenge. Zu den gefangenen Meerestieren gehören Makrelen, Thunfische, Barrakudas und Tintenfische.
| 3. | Bergbau |
Die wichtigsten Bodenschätze sind Kohle, Gold, Eisensand, Erdgas und Baustoffe wie Quarzsand und Kies. Zu Beginn der neunziger Jahre des 20. Jahrhunderts nahm die Gewinnung von Gold um fast 50 Prozent auf 6 758 Kilogramm zu. In den siebziger Jahren waren neue Erdgas- und Erdölvorkommen entdeckt worden.
| 4. | Industrie |
Etwa 250 000 Erwerbstätige sind in der Industrie beschäftigt. Die Verarbeitung von landwirtschaftlichen Erzeugnissen gehört zu den wichtigsten Produktionszweigen. Weitere bedeutende Branchen sind die Herstellung von Papier und Papiererzeugnissen, chemischen Produkten, Metallwaren, Maschinen, Bekleidung, Schnittholz, Fahrzeugen, Elektromaschinen, raffiniertem Erdöl und Druckereierzeugnissen. Die heimische Industrie wurde ab Mitte der achtziger Jahre des 20. Jahrhunderts durch die Einführung von Schutzzöllen gestützt. Seit Anfang der neunziger Jahre ist die neuseeländische Wirtschaft durch den Wegfall von Protektionsrichtlinien offener für Importe. Dadurch gerieten die Auto- und die Elektronikindustrie unter Druck. Der Mangel an Rohstoffen und die hohen Kosten für deren Einfuhr haben die Entwicklung einer rentablen Schwerindustrie beschränkt. Auckland ist das wichtigste Industriezentrum.
| 5. | Währung und Bankwesen |
Als 1967 die Dezimalwährung eingeführt wurde, löste der Neuseeland-Dollar (= 100 Cents) das Neuseeland-Pfund als Währungseinheit ab. Die Reserve Bank of New Zealand (gegründet 1934) gibt die Währung heraus und ist verantwortlich für die Geldpolitik. Anfang der neunziger Jahre des 20. Jahrhunderts wurde sie aus der staatlichen Kontrolle entlassen, unter der Maßgabe, die Inflation unter 2 Prozent zu halten.
Das Finanzsystem umfasst auch registrierte Handels- und Gewerbebanken, Remboursbanken, regionale gemeinnützige Sparkassen, die in der Trust Bank zusammengefasst sind, die Post Office Savings Bank, Baugenossenschaften, Finanzierungsgesellschaften und eine Börse. Der Finanzsektor wurde bis Anfang der achtziger Jahre von einigen wenigen staatlichen und ausländischen Banken beherrscht; dann wurde er, als Teil des wirtschaftlichen Umstrukturierungsprogramms der Regierung, von staatlicher Kontrolle befreit. Dieser Sektor ist seitdem konkurrenzfähig.
| 6. | Außenhandel |
Neuseelands Wirtschaft ist stark vom Export abhängig. Bis zu Beginn der siebziger Jahre war Großbritannien der wichtigste Handelspartner; die Hauptexportgüter waren Fleisch, Käse und Butter. 1973 wurde der Zugang des Landes zu seinem wichtigsten Markt stark beschränkt, als Großbritannien der Europäischen Gemeinschaft (heute Europäische Union) beitrat. Außerdem sah sich Neuseeland einem zunehmenden Protektionismus der Industrienationen gegenüber seinen landwirtschaftlichen Exportgütern ausgesetzt. Infolgedessen wurden andere Märkte erschlossen, die Palette der Exportgüter wurde erweitert. Heute sind Australien, Japan und die USA die Haupthandelspartner. Der Handel mit Großbritannien macht nur noch 6 Prozent des gesamten Exportvolumens aus. Außerdem wurden während der neunziger Jahre die Handelsbeziehungen mit Ländern des Pazifischen Raumes wie China, Indonesien, Malaysia und Taiwan intensiviert. Die Handelsbilanz ist positiv.
Der Export von land- und forstwirtschaftlichen Produkten macht über 60 Prozent der Exporteinnahmen aus. Wichtigste Ausfuhrgüter sind Molkereiprodukte, Fleisch, Holz, Obst (vor allem Kiwis), Fisch und Maschinen. Das Ausfuhrvolumen von nicht agrarischen Gütern steigt, zwischen 1989 und 1994 nahm der Umfang von industriellen Produkten um 70 Prozent zu. Die wichtigsten Importgüter sind Maschinen und Industrieprodukte, Elektrogeräte, Fahrzeuge, Rohöl, Kunststoffe, Arzneimittel, Metalle und chemische Produkte. Bis zu Beginn der achtziger Jahre wurde die neuseeländische Industrie durch die Erhebung von Schutzzöllen geschützt. Seither sind die meisten Zölle abgeschafft worden, und das Land besitzt heute eines der liberalsten Wirtschaftssysteme der Welt; etwa die Hälfte der Industriegüterimporte kommt zollfrei ins Land.
| 7. | Verkehrswesen |
Die Einrichtungen des öffentlichen Verkehrs sind auch in den abgelegenen Gebieten gut entwickelt. Das Straßennetz hat eine Länge von 92 931 Kilometern (2003). Das Eisenbahnnetz, betrieben von der New Zealand Rail, die 1993 privatisiert wurde, ist 3 898 Kilometer lang (2003). Der Verkehr zwischen Nord- und Südinsel wird über einen Fährdienst abgewickelt. Die wichtigsten Häfen des Landes sind Auckland, Wellington, Tauranga und Lyttelton (nahe Christchurch). Internationale Flughäfen gibt es in Auckland, Christchurch und Wellington. Die Fluggesellschaft des Landes ist die Air New Zealand, die 1988 privatisiert wurde.
| 8. | Energie |
Neuseeland besitzt energiewirtschaftlich ein großes Potential. 59,1 Prozent (2003) des neuseeländischen Stromes werden in Wasserkraftwerken erzeugt; der Rest wird durch die Verbrennung von Kohle und Erdgas gewonnen. Außerdem gewinnt die Erdwärme im Bereich des vulkanischen Zentralplateaus der Nordinsel als Energiequelle an Bedeutung. Wichtige Wasserkraftanlagen befinden sich an den Flüssen Waikato auf der Nordinsel und Clutha und Waitaki auf der Südinsel. Über ein Stromkabel, das unter der Cook-Straße verläuft, wird Strom von der Südinsel zur dichter besiedelten Nordinsel übertragen.
| 9. | Soziales |
Etwa 7 Prozent (2005) der Erwerbstätigen sind in der Landwirtschaft beschäftigt, 22 Prozent arbeiten in der Industrie. Der überwiegende Teil ist im Dienstleistungssektor beschäftigt: etwa 28 Prozent in Sozialdiensten, 11 Prozent im Finanzsektor und etwa 21 Prozent im Groß- und Einzelhandel, in Hotels und in Restaurants. Bis in die achtziger Jahre war die Arbeitslosenquote relativ niedrig und der Lebensstandard vergleichsweise hoch. Dazu trugen das ausgedehnte Sozialsystem Neuseelands, sein traditioneller Industrieprotektionismus und die starke Rolle der Gewerkschaften bei. Die Wirtschaftsreformen, die Mitte der achtziger Jahre durchgeführt wurden, trieben jedoch die Arbeitslosigkeit in die Höhe. Die Arbeitslosenquote beträgt 3,9 Prozent (2004). In Neuseeland gibt es etwa 80 Gewerkschaftsverbände mit über 600 000 Mitgliedern. 1991 wurde die Pflichtmitgliedschaft in der Gewerkschaft in bestimmten Wirtschaftszweigen abgeschafft, und das lange Zeit gültige staatliche Tarifverhandlungssystem wurde durch ein System von Einzelverträgen und örtlichen Lohnabsprachen abgelöst.