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| 4. | Gott und Götter |
Die Schar der Götter, Geister und Dämonen sowie der als göttlich verehrten Heiligen im Hinduismus ist nahezu unüberschaubar. Dennoch würde die Kennzeichnung als Polytheismus in die Irre führen, da die „gewählte Gottheit” (Ishtadevata) der jeweiligen religiösen Richtung oder des einzelnen Hindu die anderen göttlichen Manifestationen in sich aufnimmt und geradezu monotheistisch verehrt werden kann. Der Rig-Veda kennt 33 Götter, eine Zahl, die im Lauf der Religionsentwicklung auf 33 000, 330 000 und 33 Millionen (also unendlich viele) erweitert wurde. Aber es gab auch die Auffassung, die unterschiedlichen Namen der Götter seien nur verschiedene Bezeichnungen für das eine höchste Wesen. Zudem verloren auftauchende Götter auch wieder an Bedeutung, während andere in den Vordergrund traten. Darüber hinaus gab es immer auch Versuche, Zusammenhänge herzustellen und Klassifizierungen vorzunehmen. Die wichtigsten Götter des Vedismus sind Agni, der Gott des Feuers und des Opfers, Indra, der Himmels- und Kriegsgott, sowie Varuna, der Erhalter der kosmischen Ordnung.
Im klassischen Hinduismus wird die Idee einer dreigestaltigen Einheit (Trimurti) von Brahma, Vishnu und Shiva als Schöpfer, Erhalter und Zerstörer des Universums entworfen. Den drei Göttern sind Göttinnen zugeordnet: Sarasvati, die Gemahlin Brahmas, ist die Göttin der Gelehrsamkeit und der Wahrheit; Lakshmi, die Frau Vishnus, ist die Göttin der Schönheit und des Glücks, Kali oder Durga, die Gemahlin Shivas, ist wohltätig und zerstörend zugleich. In der religiösen Praxis spielt Brahma allerdings kaum eine Rolle: Seine Stelle nimmt vielmehr die weibliche Verkörperung des Göttlichen, die Göttin in einer ihrer vielen Gestalten und Namen, ein. Jede göttliche Gestalt kann Züge der anderen aufnehmen und zum alleinigen Ausdruck des Absoluten werden, als sein bzw. ihr Gegenteil in Erscheinung treten, sich unendlich vervielfachen oder in den verschiedenen Zeitaltern als Avatara herabsteigen. Hierzu existieren Listen, darunter die klassische Zehnerliste der Avataras von Vishnu, aus der zwei Gestalten, Rama und Krishna, selbst wieder den Rang eines Hochgottes angenommen haben.