Deutsche Literatur
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Deutsche Literatur
3. Mittelalter

Neben der sprachgeschichtlichen Einteilung in die althochdeutsche (750-1050), frühmittelhochdeutsche (1050-1150), mittelhochdeutsche (1150-1300) und spätmittelhochdeutsche (1300-1500) Phase hat sich diejenige nach kulturellen Epochen durchgesetzt. Sie ist zum Teil identisch mit der Regentschaft bestimmter Herrscherhäuser.

1. Karolingische Zeit (750-900)

Ein bedeutendes kulturelles Zentrum in der zweiten Hälfte des 8. Jahrhunderts war der Hof Karls des Großen in Aachen. Die dort wirkenden Gelehrten verfassten im Rahmen der karolingischen Renaissance ihre Werke in lateinischer Sprache, die auch im klerikalen Schrifttum dominierte. Am Beginn der deutschen Literaturgeschichte stehen lateinisch-deutsche Wörterbücher und liturgische Texte. Erstes althochdeutsches Zeugnis ist das Wessobrunner Gebet (770-790), gefolgt vom Älteren Hildebrandslied (810-820). Im Gegensatz zu diesem Heldenlied aus dem ostgotischen Sagenkreis um Dietrich von Bern blieben christliche Stoffe die Regel, wie in den Evangelienharmonien Otfrids von Weißenburg (863-871). Bei Otfrid vollzog sich der Übergang zur Endreimdichtung, die fortan häufig mit der Stabreimdichtung eine Mischform bildete, wie in den zahlreichen Segens- und Zaubersprüchen der Spruchdichtung, darunter die Merseburger Zaubersprüche.

2. Die Zeit der Ottonen (900-1050) und Salier (1050-1150)

Unter den Ottonen wurde das Latein, oft in Anlehnung an antike Muster (ottonische Renaissance), wieder alleinige Literatursprache. Ein Beispiel für diese Rückbesinnung auf die Antike waren die an Terenz orientierten Märtyrerdramen der Hrotsvith von Gandersheim. Erst allmählich drangen wieder volkssprachliche Elemente in die geistliche und weltliche Literatur vor, wie in dem Heilshymnus des Ezzoliedes (1063) und die Verslegende des Annoliedes (um 1080). In lateinischen Hexametern war hingegen das Waltharilied (um 1050) abgefasst.

Im Zuge der aufblühenden Stadtkultur und des erstarkenden Rittertums entstanden erste vorhöfische Epen, darunter die noch im 13. Jahrhundert kopierte Kaiserchronik (um 1150), welche die ältesten deutschsprachigen Novellen enthielt, das Alexanderlied des Pfaffen Lamprecht (um 1150) und das Rolandslied des Pfaffen Konrad (um 1170), das erstmals auf französische Vorbilder – namentlich das Chanson de Roland, ein Chanson de Geste – zurückgriff, diese aber im Zuge der aktuell werdenden Kreuzzugsthematik religiös-missionarisch zur Kreuzzugsdichtung überhöhte. Als erster mittelalterlicher Roman gilt der nur in Fragmenten überlieferte Ruodlieb (um 1050).

3. Staufische Zeit (1150-1250)

Das seit dem Tod Karls des Großen durch den Niedergang der Laienschulen verursachte Bildungsmonopol der Kirche erfuhr durch das Entstehen einer neuen weltlichen Feudalmacht nach den Kreuzzügen (seit 1096) eine entscheidende Relativierung. Das jahrhundertelang auf die Klöster beschränkte geistliche Leben erhielt darüber hinaus neue Impulse durch die an Universitäten und Bischofssitzen aufblühende weltliche Literatur. Das neue Selbstverständnis und -bewusstsein des Adels speiste sich auch aus der durch die Kreuzzüge ermöglichten geistig-kulturellen Begegnung mit der Kultur des Orients.

Einen repräsentativen literarischen Ausdruck fand die weltliche, diesseitsbejahende Kultur der Höfe erstmals in der Form des Minnesangs. Zur frühen („donauländischen”) Phase unmittelbar nach dem zweiten Kreuzzug (dem ersten mit deutscher Beteiligung, 1147-1149) zählen der Sänger Kürenberg, Meinloh von Sevelingen und die Burggrafen von Regensburg und Rietenburg. Mit der rheinischen Ausprägung trat der Minnesang in seine Blütezeit und bildete neben dem zentralen Typus des Werbesangs Varianten wie das Tagelied und das Kreuzlied aus. Unter dem Einfluss der französischen Troubadoure schufen Heinrich von Veldeke, Friedrich von Hausen und andere auch neue Reim- und Strophenformen (Stollenstrophen), zur eigentlichen Meisterschaft gelangten aber erst Heinrich von Morungen, Hartmann von Aue und Walther von der Vogelweide, der auch die Spruchdichtung und die politische Lyrik fortentwickelte. Bei ihm vollzieht sich der Übergang zur „niederen” Minne, die im Gegensatz zum strengen Subordinationsprinzip der„hohen” auch erotische Erfüllung und eheliche Liebe besang. Schriftlich überliefert wurde die Minnedichtung erst in der um 1275 entstandenen Kleinen Heidelberger Liederhandschrift, der illustrierten Großen Heidelberger oder Manessischen Liederhandschrift (nach 1300) und späteren Sammlungen.

Neben dem Minnesang entwickelte sich das höfische Epos, das häufig auf Stoffe aus der Antike zurückgriff, wie Heinrich von Veldeke in seiner der Äneis des Vergil nachempfundenen Eneit (1170/90). Hartmann von Aue verfasste nach dem Vorbild des Franzosen Chrétien de Troyes mit Erec und Iwein (um 1200) die ersten deutschen Dichtungen aus dem Kreis der Artussage. Das bedeutendste Epos dieser Zeit, Wolfram von Eschenbachs Parzifal (1200-1210), und Gottfried von Straßburgs Tristan und Isolt (um 1210) schöpften gleichfalls aus dieser Quelle. Einen weiteren Höhepunkt erlebte die Dichtung im Kudrun-Epos (um 1215) und dem anonym überlieferten Nibelungenlied (um 1200), in dem erstmals seit dem Hildebrandslied wieder ein Stoff der Völkerwanderung literarische Form fand.

Daneben entstand eine Vielzahl didaktisch-satirischer Spruch-, Fabel- und Schwankdichtungen, wie Hugo von Trimbergs Moralkompendium Der Renner (um 1300).

4. Späthöfische und spätmittelhochdeutsche Zeit (1250-1500)

Der literarisch in Parodien der Ritterepen (Ulrich von Lichtensteins Frauendienst) dokumentierte Niedergang der höfisch-ritterlichen Idealkultur sowie der weitere Aufstieg der Städte führten zu einer Verbürgerlichung der literarischen Erscheinungsformen und Inhalte. Die Minnelyrik variierte zunächst die von Neidhart entwickelten Typen, mündete aber bereits im Werk Heinrichs von Meißen (genannt Frauenlob) in eine Vorform des Meistersangs (siehe Hans Sachs). Vorherrschend wurde eine didaktisch-gelehrte Dichtung (Hugo von Montfort), von der die Lieder Oswalds von Wolkenstein sich durch Witz und sinnliche Lebensbejahung absetzten.

In der Prosa wurden der höfische Roman (Rudolf von Ems, Konrad von Würzburg) und die Heldenepik weitergeführt, wichen aber ebenso der Tendenz zum Praktisch-Belehrenden, die auch in einem stetig wachsenden wissenschaftlichen Schrifttum zum Ausdruck kam. Der Dominikanermönch Meister Eckhart gilt als Begründer der wissenschaftlichen deutschen Prosa. Als Höhepunkt der spätmittelalterlichen Erzählprosa gilt der um 1400 verfasste Ackermann aus Böhmen des Johannes von Tepl.

Noch im 13. Jahrhundert ist das erste deutschsprachige Schauspiel bezeugt, das Osterspiel von Muri (siehe Osterspiel), dem eine Vielzahl geistlicher Dramen, wie das Benediktbeurer Weihnachts- und Osterspiel, und später die Fastnachtsspiele folgten. Ende des 14. Jahrhunderts entstand die erste vollständige Bibelübersetzung, und unter dem Eindruck der Pest bildeten sich neue Formen geistlicher Gebrauchsliteratur heraus, wie Geißlerlied und Totentanz. Ein wachsendes Geschichts- und Rechtsbewusstsein manifestierte sich in Chroniken und den Schriften der weltlichen Schulwissenschaft, so im Sachsenspiegel (um 1224-1231), dem Schwabenspiegel (um 1275-1276) und der Sächsischen Weltchronik (um 1230).

Wichtige Impulse erhielt die Literatur der Epoche durch den Rückgang des Analphabetismus und die Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen Lettern, der eine massenhafte Verbreitung unterschiedlichsten Schrifttums ermöglichte, wie die der populären Schwankdichtungen (siehe Till Eulenspiegel).