Nordwestpassage
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Nordwestpassage
3. Von Ross bis Amundsen

Im 19. Jahrhundert machte sich zunächst John Ross auf die Suche nach der Nordwestpassage und gelangte 1818 bis zum Lancaster Sound. Ihm folgte William Edward Parry, der dank günstiger Eisverhältnisse 1820 bis zur Banks-Insel vordrang. Damit war ein wesentlicher Teil der Passage bewältigt.

1845 rüstete der englische Offizier John Franklin eine Expedition aus, die tragisch endete: Die Schiffe wurden von Eis eingeschlossen, und in den folgenden Jahren starb die gesamte Besatzung. Einige Kapitäne machten sich auf die Such nach Franklin, darunter Robert John Le Mesurier McClure. Er drang 1850 durch die Beringstraße und die Beaufortsee ostwärts bis zur Banks-Insel vor und von dort weiter mit Schlitten bis zum Melville Sound, den Parry 1819/1820 von Osten her erreicht hatte. Damit war das letzte Teilstück der Nordwestpassage erforscht; McClure zog per Schlitten weiter und bezwang somit als Erster die gesamte Nordwestpassage. Die erste Durchfahrt mit einem Schiff gelang mit zwei Überwinterungen von 1903 bis 1906 Roald Amundsen.

1944 wurde die Passage erstmals in beiden Richtungen durchfahren, und 1969 durchquerte zum ersten Mal ein großes Schiff die Passage, der amerikanische Öltanker und Eisbrecher Manhattan. Es gibt viele Gründe, warum sich die Suche nach der Nordwestpassage so lange hinzog: Der Seeweg führt durch das riesige Insellabyrinth der kanadischen Arktis mit stark zerklüfteten Küsten. In einem Jahr können Eisschollen die Durchfahrt unpassierbar machen, in einem anderen sind sie kein Problem. Durch die Nähe des magnetischen Südpols ergeben sich starke Ablenkungen der Kompasse und dadurch erhöhte Schwierigkeiten bei der Ermittlung der genauen Lage. Obwohl die Suche schließlich von Erfolg gekrönt war, gilt der Seeweg für den Verkehr von Handelsschiffen wegen der schwierigen Eisverhältnisse immer noch als unbedeutend.

Im Bereich der Route ist seit etwa der Jahrtausendwende ein deutlicher Rückgang der Eisbedeckung zu verzeichnen. Im Sommer 2007 aufgenommene Satellitenbilder zeigten die Nordwestpassage erstmals seit Beginn der Satellitenbeobachtung in den siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts eisfrei und somit vollständig befahrbar. Ende August 2008 waren – ebenfalls erstmals beobachtet – sowohl die Nordwest- als auch die Nordostpassage gleichzeitig eisfrei.