Judentum
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Judentum
4. Die rabbinische Tradition

Das Wort rabbi kommt aus der aramäischen und hebräischen Sprache und bedeutet „mein Lehrer” (siehe Rabbiner). Es bezeichnete die Schriftgelehrten, die als Experten der jüdischen Tradition und des Gesetzes erachtet wurden. Als nach der endgültigen Zerstörung Jerusalems durch die Römer 76 n. Chr. die jüdischen Gemeinden außerhalb Palästinas immer größer wurden und auch immer weiter voneinander entfernt lebten, begannen einzelne Schriftgelehrte zunächst vereinzelt, dann aber systematisch, das Wissen der mündlichen Überlieferung, die ebenfalls normativen Charakters war, schriftlich niederzulegen. Dies geschah auch, weil sich allmählich durch die räumliche Trennung der einzelnen Gemeinden unterschiedliche religiöse Auffassungen herauszubilden begannen. So stellten etwa die Gemeinschaft der Essener, das junge Christentum oder – zur Zeit der islamischen Eroberungen – die Karäer eine Konkurrenz zur alten mündlichen Überlieferung dar. In dieser Entwicklung lagen die Anfänge des rabbinischen Judentums, nämlich die Weitergabe und Kodifizierung des halachischen (d. h. religionsgesetzlichen) und des haggadischen (d. h. des ethisch-moralischen) Wissens durch einzelne Rabbiner oder Rabbinerschulen.

In Auseinandersetzung mit dem Hellenismus – und gegen die Bestrebungen der Sadduzäer – versuchten die Pharisäer seit dem Ende der makkabäischen Aufstände, das Judentum zu reformieren. Sie erwarben sich dabei besondere Verdienste in der Schriftauslegung. Seit 70 n. Chr. setzte die Schule des Rabbi Hillel weitere Reformen durch. Schriftlich fixiert wurde die mündliche Überlieferung schließlich in der Mischna, dem frühesten rabbinischen Dokument, das um 200 n. Chr. begonnen und Ende des 3. Jahrhunderts unter dem Rabbi Jehuda Hanasi in Palästina abschließend redigiert wurde. Der im 6. Jahrhundert in seine endgültige Form gebrachte Talmud, auf den sich das rabbinische Judentum gründet, umfasst die Mischna sowie die ergänzenden Auslegungen der Gemara. Den Inhalt des Talmud bilden sowohl juristische Fragen als auch Erzählungen; Erstere werden in Form von Diskussionen behandelt, bei der alle logisch und exegetisch möglichen Aspekte einer Frage, einer Auslegung oder eines Zitates berücksichtigt werden. Auf diese Weise bleiben auch der unterlegene Standpunkt und seine Argumente in der Überlieferung erhalten.

Die frühen rabbinischen Schriften schließen auch exegetische und homiletische Kommentare zur Bibel sowie einige aramäische Übersetzungen des Pentateuch und weitere Bücher zur Schrift (siehe Targum) mit ein. Mittelalterliche rabbinische Werke beinhalten Kodifizierungen des Talmud. Höchste Autorität genießt in diesem Zusammenhang das im 16. Jahrhundert veröffentlichte Kompendium Schulchan Aruch (Gedeckter Tisch) von Joseph ben Ephraim Karo. Das Studium der Thora umfasst nicht nur den Pentateuch, sondern die gesamte rabbinische Literatur.