Judentum
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Judentum
2. Der Bund

Der Überlieferung nach trat Gott durch seinen Bund (hebräisch Brit) mit Abraham (Genesis 15, 18; 17, 3) und Jakob (Genesis 28, 13-15), den er durch Moses auf dem Berg Sinai bestätigte (Exodus 19, 3-6), in eine besondere Beziehung zu den Israeliten. Sie betrachten Gott als ihren alleinigen, obersten König und Gesetzgeber, dessen Regeln sie gehorchen, und sich als sein auserwähltes Volk. Das Gesetz besteht aus den Zehn Geboten (siehe Dekalog), die die Juden auf dem Berg Sinai annahmen, und aus 613 Geboten bzw. Verboten, einem umfangreichen Kodex für das tägliche Leben. In den Zehn Geboten wurde der Glaube der Patriarchen erstmals fixiert. Die Nachkommen Abrahams sahen sich als eine dem Dienst Gottes verpflichtete Nation: „Wenn ihr nun auf meine Stimme hören und meinen Bund wahren werdet, … sollt [ihr] mir sein ein Reich von Priestern und ein heilig Volk” (Exodus 19, 5-6). Durch den Ritus der Beschneidung (Brit mila) werden jüdische Knaben im Alter von acht Tagen offiziell in den Bund Abrahams aufgenommen. Männer, die sich zum Judentum bekehren, müssen ebenfalls beschnitten werden.

Der Gedanke des Bundes bestimmte auch die traditionelle Perspektive des Judentums in Bezug auf Natur und Geschichte. Gott belohnt und bestraft das jüdische Volk für dessen Taten, denn jüdische Gläubigkeit erweist sich in der praktischen Erfüllung der Gesetze. Wenn also Israels Wohlergehen von der Einhaltung der Gebote abhängt, sind sowohl Naturereignisse als auch historische Begebenheiten, die Israel unmittelbar betreffen, das Resultat der Befolgung bzw. Übertretung der Gesetze. Aus dieser Perspektive stellt sich die Theodizeefrage, die Frage nach dem Sinn des Leids. So befasst sich u. a. das Buch Hiob mit der Frage, wie der Einzelne trotz aller Leiderfahrung dennoch an einen gerechten und gütigen Gott glauben kann. Diese Frage versuchten die Theologen zu beantworten, indem sie auf das göttliche Gericht verwiesen, das nach dem Tod Wohlverhalten belohnt, Sünden bestraft und auf diese Weise die im Leben erlittene Ungerechtigkeit ausgleicht. Auch das Joch der Fremdherrschaft und des Exils fern vom Gelobten Land würde am Ende der Zeiten aufgehoben. Sichtbares Zeichen hierfür wäre die Ankunft des Messias (maschiach: der Gesalbte), eines Sohnes aus dem Haus König Davids. Mit ihm würde das Zeitalter des ewigen Friedens für Israel und die gesamte Menschheit anbrechen, in dem alle Gegensätze überwunden wären. Dieser Messianismus gehört seit frühester Zeit zur jüdischen Vorstellungswelt. Er führte in Krisenzeiten aber auch dazu, dass Pseudomessiase eine große Anhängerschaft um sich scharen konnten. Bei den Schriftgelehrten oder den polnischen Chassidim des 18. Jahrhunderts verband sich der Messianismus mit der Überzeugung, dass der Einzelne das Nahen des Erlösers beschleunigen könne, wenn er nur die Schrift genau studiere und die göttlichen Gebote strikt einhalte.