| Suchansicht | Feminismus | Artikelansicht |
Feminismus, Bezeichnung für die Theorie der Frauenbewegung und für die gegen die gesellschaftliche Dominanz der Männer gerichtete Bewegung für die Gleichberechtigung der Frauen. Zu einer breiten gesellschaftlichen Bewegung wurde der Feminismus Ende der sechziger Jahre vor dem Hintergrund der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung. In Europa entstand die Bewegung in Folge, aber auch in Abgrenzung, zur von Männern dominierten Studentenbewegung. Sie zielt auf eine grundlegende Veränderung der Norm- und Wertsysteme zugunsten einer Neubewertung und Stärkung der Rolle der Frau in der Gesellschaft. Auch die weibliche Sexualität wurde von feministischer Seite einer Neubewertung unterzogen. Der vorherrschend männlich geprägten Heterosexualität stellten Feministinnen wie Alice Schwarzer eine Theorie der spezifisch weiblichen Sexualität entgegen. Eine der ersten feministischen Veröffentlichungen war A Vindication of the Rights of Woman (1792; Rettung der Rechte des Weibes, 1793, spätere Übersetzungen mit dem Titel: Verteidigung der Rechte der Frauen) von Mary Wollstonecraft.
Später, im 19. und frühen 20. Jahrhundert, konzentrierte sich die Bewegung auf die Erkämpfung des Stimmrechtes für Frauen. Die moderne feministische Bewegung, die so genannte zweite Welle, fand ihre Schlüsseltexte in solchen Büchern wie Das andere Geschlecht (1949) von Simone de Beauvoir, The Feminine Mystique (1963; Der Weiblichkeitswahn oder die Selbstbefreiung der Frau, 1966, erweiterte Ausgabe 1975) von Betty Friedan, Sexual Politics (1969; Sexus und Herrschaft, 1971) von Kate Millett, The Female Eunuch (1970; Der weibliche Eunuch, 1971) von Germaine Greer, Of Women Born (1977; Von Frauen geboren, 1979) von Adrienne Rich und Gyn/Ecology (1979; Gyn/Ökologie, 1981) von Mary Daly.
War die feministische Bewegung der siebziger Jahre in der Bundesrepublik Deutschland dadurch geprägt, dass es gelang, eine feministische Gegen- oder Subkultur zu etablieren, die von allen Fraktionen der Bewegung gemeinsam getragen wurde, kam es in den achtziger Jahren vermehrt zu Kontroversen. Zahlreiche Frauen wendeten sich vom linken, politischen Feminismus ab und einer Richtung zu, die als neue Weiblichkeit bekannt wurde. Die Identität der einzelnen Frau als Mutter, „Hexe”, als der Natur näher stehendes oder gefühlsverbunden „unverkopftes” Geschlecht wurde betont. Diese neue Weiblichkeit wurde von vielen Feministinnen als reaktionäre Bekräftigung der von Männern geschaffenen Frauenklischees abgelehnt. Auch erwies es sich als immer schwieriger, gemeinsame politische Strategien für „Frauen und Lesben” zu entwickeln, da sich viele Frauen gänzlich in die Lesben-Subkultur zurückgezogen hatten. Zu Beginn der neunziger Jahre wurde die westliche Frauenbewegung heftig von Feministinnen aus der „Dritten Welt” kritisiert, die sich gegen den Alleinvertretungsanspruch westlicher Frauen zur Wehr setzten und die ökonomischen, kulturellen und politischen Differenzen, wie sie auch zwischen Frauen bestehen, thematisierten.
Neuere Veröffentlichungen wie The Beauty Myth (1990; Der Mythos Schönheit, 1991) von Naomi Wolf und Backlash (1992; Die Männer schlagen zurück, 1993) von Susan Faludi beschäftigen sich damit, wie die durch die feministische Bewegung errungenen Erfolge jetzt in einem so genannten postfeministischen Rückstoß Schaden nehmen.