Neuplatonismus
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Neuplatonismus
3. Geschichte

Der Neuplatonismus entwickelte sich im 3. Jahrhundert n. Chr. im ägyptischen Alexandria. Sein Begründer und prominentester Vertreter war der römische Philosoph Plotin. Zu seinen Hauptwerken zählen die Enneaden, in denen eine umfassende Darstellung der neuplatonischen Metaphysik enthalten ist. Weitere wichtige neuplatonische Denker waren Porphyr, Iamblichos und Proklos.

Askese und Jenseitigkeit, wie sie von der neuplatonischen Lehre gefordert wurden, machte den Neuplatonismus auch für die Kirchenväter interessant. Der frühe christliche Prälat Augustinus bekannte in seinen Confessiones den tiefen Einfluss, den diese Lehren auf sein eigenes religiöses Denken hatten. Auch bei dem deutschen Mystiker Meister Eckhart ist der neuplatonische Einfluss erkennbar. Im 15. Jahrhundert wurde die Akzeptanz des Neuplatonismus breiter. Der deutsche römisch-katholische spekulative Philosoph Nikolaus von Kues und andere Mystiker setzten den Grenzen des menschlichen Wissens die Theorie von der Möglichkeit der göttlichen Eingebung entgegen. Diese Theorie entsprach der neuplatonischen Doktrin, dass die Seele in einem Zustand der Ekstase die Macht habe, alle endlichen Grenzen zu überwinden.

Die Humanisten der italienischen Renaissance wandten sich in ihrer Reaktion von der bis dahin vorherrschenden rationalistischen Philosophie des Aristoteles ab und der idealistischen Metaphysik Platons und dem Neuplatonismus zu. In diesem Zusammenhang besonders erwähnenswert ist der italienische Gelehrte Marsilio Ficino, der unter der Schirmherrschaft des reichen Adligen Cosimo de’ Medici die Werke von Plotin, Porphyr und Iamblichos übersetzte und erläuterte. In England wies im 17. Jahrhundert die Cambridger Schule starke Ähnlichkeiten mit den neuplatonischen Philosophen auf. Viele der Denker und Schriftsteller des 19. und 20. Jahrhunderts sind vom Neuplatonismus beeinflusst worden, darunter mehrere der wichtigsten britischen romantischen Dichter, wie zum Beispiel William Wordsworth, John Keats und Percy Bysshe Shelley.