| Kinder- und Jugendliteratur | Artikelansicht | ||||
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| 2. | 17. und 18. Jahrhundert |
In dieser Epoche diente Kinder- und Jugendliteratur hauptsächlich zur moralischen und religiösen Unterweisung. Von großer Bedeutung für die Entwicklung der Kinderliteratur war die Einführung von Illustrationen. Als erstes Sachbilderbuch gab der evangelische Theologe und Pädagoge Johann Amos Comenius 1658 in lateinischer Sprache den Orbis sensualium pictus („Die sichtbare Welt in Bildern”) heraus. Das Werk wurde in fast alle europäischen Sprachen sowie ins Arabische, Türkische und Persische übersetzt und war auch als mongolische Ausgabe erhältlich. Das Buch behandelte eine Vielzahl von Themen aus dem Alltag, die mit Holzschnitten veranschaulicht wurden.
Die erste größere Märchensammlung erschien 1697 in Frankreich: Histoires ou contes du temps passé avec des moralités, von Charles Perrault zusammengestellte traditionelle Märchen (u. a. Dornröschen, Rotkäppchen und Blaubart), die auch unter dem Titel Contes de ma mère l’oye (Feenmärchen, auch: Märchen meiner Mutter Gans) bekannt wurden. Für die Epoche der Aufklärung waren u. a. Fénelons Les Aventures de Télemaque (Die Erlebnisse des Telemach), die 1699 in drei Bänden erschienen, ein geradezu vorbildliches Jugendbuch.
Zu den klassischen Werken der Kinder- und Jugendliteratur zählen aber auch Bücher, die zwar ursprünglich für ein erwachsenes Publikum vorgesehen waren, aufgrund ihres Inhalts jedoch auch den jungen Leser ansprachen bzw. in dem kindlichen Niveau angeglichenen Versionen vorlagen. Hierzu gehörten u. a. John Bunyans The Pilgrim’s Progress (erschienen in zwei Teilen 1678 und 1684; Eines Christen Reise nach der Seeligen Ewigkeit) sowie Robinson Crusoe (1719; Robinson Crusoe) von Daniel Defoe. Nach dem Vorbild dieses berühmten Romans verfasste der schweizerische Schriftsteller Johann Rudolf Wyss 1812 das noch heute beliebte Jugendbuch Der schweizerische Robinson, oder der schiffbrüchige Schweizerprediger und seine Familie. Die ersten zwei Teile von Jonathan Swifts vierteiligem Werk Gulliver’s Travels (1726; Gullivers Reisen), das von erwachsenen Lesern aufgrund seiner satirischen Qualitäten geschätzt wird, entwickelten sich dank der phantasievollen Schilderungen zu einem Klassiker der Jugendliteratur.
Bis Ende des 18. Jahrhunderts waren Belehrung und Unterweisung, weniger die Unterhaltung Ziel und Zweck von Kinder- und Jugendbüchern. Häufig hatten die für junge Leser gedachten Geschichten und Gedichte instruktiven Charakter oder vermittelten moralische Werte. Zu diesen didaktischen Werken zählen auch die zahlreichen Märchen von Jeanne-Marie Leprince de Beaumont, etwa La Belle et la bête (1756; Die Schöne und das Tier, auch: Die Schöne und das Biest). Die zunehmende Religionsfreiheit bewirkte in Verbindung mit den auf Gleichheit abzielenden Grundsätzen der Französischen Revolution, dass die streng didaktische Ausrichtung der Kinder- und Jugendliteratur allmählich zurückging. Wesentlichen Anteil an dieser Entwicklung hatte der französische Philosoph Jean-Jacques Rousseau, der in seinem Roman Émile, ou de l’éducation (1762; Emil, oder über die Erziehung) erstmals ausführte, dass Kinder keine Miniaturausgaben von Erwachsenen und daher auch nicht als solche zu betrachten und zu behandeln seien. Neben Rousseau waren es Johann Bernhard Basedow, John Locke und Friedrich Eberhard von Rochow, die gegen Ende des 18. Jahrhunderts die pädagogische Kinderliteratur beeinflussten. Es entstanden so genannte Elementarbücher wie das Bilderbuch für Kinder in 231 Heften, das von 1790 bis 1830 bei Friedrich Justin Bertuch erschien, oder Johann Heinrich Campes Robinson der Jüngere in zwei Teilen (1779/80). Campes Robinson lieferte dann auch das Muster zur kind- und jugendgerechten Bearbeitung berühmter Werke der Weltliteratur (z. B. Cervantes).