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Neapel
1. Einleitung

Neapel (italienisch Napoli, in der Antike Neapolis), Stadt in Süditalien, Hauptstadt der Region Kampanien und der Provinz Neapel, unweit des Vesuvs. Der Hafen am Golf von Neapel ist einer der wichtigsten des Landes.

2. Wirtschaft

Neapel bildet gemeinsam mit seinem industriell geprägten Umland den wirtschaftlichen Schwerpunkt von Süditalien. Zu den bedeutendsten Produktionszweigen gehören neben Schiff- und Maschinenbau auch die Herstellung von Nahrungsmitteln, Bekleidung, Textilien, Eisen und Stahl sowie die chemische Industrie. Neapel ist ebenfalls für seine Leder-, Glas- und Tonwaren sowie andere Erzeugnisse des Kunsthandwerks bekannt. Eine wichtige Einkommensquelle ist der Fremdenverkehr. Darüber hinaus spielt die Fischerei traditionell eine große Rolle.

Die Stadt ist ein bedeutendes Handelszentrum. Ein großer Teil der Waren wird über den Hafen umgeschlagen, der auch für den Personentransport wichtig ist. Er wird von Kreuzfahrtschiffen und Fähren angelaufen, die Neapel u. a. mit den vorgelagerten Inseln Capri und Ischia verbinden. Der internationale Flughafen Capodichino liegt wenige Kilometer nördlich der Stadt.

3. Stadtbild und Kultur

Das historische Zentrum von Neapel ist trotz mehrerer Erdbeben und schwerer Zerstörungen im 2. Weltkrieg reich an architektonisch wie kunsthistorisch bedeutenden Bauwerken. 1995 wurde es von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. Das Straßennetz in der Altstadt orientiert sich zum Teil noch an Verkehrswegen der Antike, wie etwa die in West-Ost-Richtung verlaufende Via Tribunali. Sie endet an der Piazza Dante. Dort beginnt die Via Toledo, eine der wichtigsten Geschäftsstraßen der Stadt. Auf einer Länge von etwa zwei Kilometern durchzieht sie das Zentrum von Norden nach Süden.

Auf einer kleinen, mit der Stadt durch einen befahrbaren Damm verbundenen Felseninsel liegt das Castel dell’Ovo aus dem 12. Jahrhundert. Am Hafen befindet sich das Castel Nuovo (13. Jahrhundert), das einst als Residenz der neapolitanischen Könige diente, später jedoch in dieser Funktion vom Palazzo Reale (17. Jahrhundert) abgelöst wurde. Der Palazzo beherbergt heute die Nationalbibliothek mit ihrer Sammlung von 1,5 Millionen Büchern und etwa 12 000 Handschriften. Auf dem Vomero, einem Hügel oberhalb der Altstadt, thront das Castel Sant’Elmo aus dem 14. Jahrhundert.

Von den vielen Kirchen ist der Dom San Gennaro (begonnen im 13. Jahrhundert, Fassade aus dem 19. Jahrhundert) die bekannteste. Er enthält das Grab des heiligen Januarius, des Schutzpatrons der Stadt. Die Kirche San Lorenzo Maggiore (13./14. Jahrhundert) ist reich mit Skulpturen und Fresken ausgestattet. San Domenico Maggiore (14. Jahrhundert) birgt eine Reihe von Denkmälern aus der Renaissance sowie Grabmäler von Herrschern des Hauses Anjou. Weitere sehenswerte Kirchen sind Santa Chiara (14. Jahrhundert) und Gesù Nuovo (16. Jahrhundert). Beide liegen an der Piazza Gesù Nuovo, die von einer Mariensäule (1748) geschmückt wird.

Das Archäologische Museum zählt weltweit zu den bedeutendsten seiner Art. Zu seinen Höhepunkten gehören eine Sammlung antiker Mosaiken aus Pompeji und eine Sammlung von Bronzeskulpturen (viele davon aus Herculaneum). Das Nationalmuseum enthält eine umfangreiche Sammlung griechisch-römischer Malereien, die man ebenfalls u. a. in Pompeji und Herculaneum fand. Neapel ist Sitz einer Universität und weiterer Hochschulen (darunter Musikhochschule und Kunstakademie). Das Teatro San Carlo (1737), eines der größten Theater Europas, ist berühmt für seine Operninszenierungen. Im Zentrum der Villa Comunale, eines 1780 angelegten Parks nahe der Küste, befindet sich eine biologische Forschungsstation mit einem der ältesten Aquarien Europas.

4. Geschichte

Das antike Neapolis (griechisch für Neustadt) war ursprünglich eine griechische Siedlung. Trotz der Eroberung durch die Römer im 4. Jahrhundert v. Chr. blieb die Stadt noch lange griechisch geprägt. Das milde Klima und die günstige Lage machten sie zu einem bevorzugten Erholungsort wohlhabender Römer. Nach dem Zerfall des Römischen Reiches im 5. Jahrhundert ging die Bedeutung der Stadt zurück. 553 wurde Neapel dem Byzantinischen Reich angegliedert, innerhalb dessen die Stadt im 7. Jahrhundert unabhängiges Herzogtum wurde. 1139 besiegten die Normannen das Herzogtum und gliederten es in das Königreich Sizilien ein. Friedrich II. gründete 1224 die Universität Neapel. Nach der Sizilianischen Vesper 1282 wurde Neapel Hauptstadt des Königreiches Neapel, das 1860 im geeinten Italien aufging. Der Hafen von Neapel wurde Ende des 19. Jahrhunderts umfassend ausgebaut. 1884 erhielt die Stadt, die mehrmals von Cholera-Epidemien betroffen war, eine Trinkwasserversorgung und eine neue Kanalisation.

Im 2. Weltkrieg wurde Neapel wiederholt von den Alliierten bombardiert. Der Hafen und einige Stadtteile erlitten schwere Schäden. In den sechziger und siebziger Jahren verließen viele Bewohner die Stadt. Ihre bevorzugten Ziele waren Norditalien, Deutschland und die USA. In der Folgezeit erhielt Neapel umfangreiche Subventionen, von denen ein großer Teil veruntreut wurde. Diese Verhältnisse änderten sich im Zuge des landesweiten Kampfes gegen Korruption. Seit 2001 verzeichnet die Stadt einen rasanten Aufschwung, der mit der systematischen Modernisierung einzelner Stadtviertel einhergeht.

Die Einwohnerzahl beträgt etwa 975 000 (2007).