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Sibirien
1. Einleitung

Sibirien (russisch Sibir), Region, die den größten Teil des asiatischen Territoriums von Russland umfasst und im Westen an das Uralgebirge, im Norden an das Polarmeer, im Osten an den Pazifik und im Süden an China, die Mongolei und Kasachstan grenzt. Der Name Sibirien bezieht sich heute auf ein geographisches Gebiet und hat keine administrative Bedeutung mehr.

2. Land

Der westliche Teil zwischen Uralgebirge und Jenissej wird als das Westsibirische Tiefland bezeichnet und besteht zu großen Teilen aus Sumpfland. Zwischen Jenissej und Lena befindet sich das Mittelsibirische Bergland mit Erhebungen von 300 bis 1 200 Meter Höhe. Im Osten erstreckt sich eine ausgeprägte Gebirgslandschaft. Die sich aus dem Jablonowyjgebirge und dem Stanowoigebirge zusammensetzende Gebirgskette zieht sich von der chinesischen Grenze bis zum Ochotskischen Meer. Im Südwesten erheben sich die Berge des Sajan und Altai. Im Nordosten erstreckt sich über die gesamte Kamtschatka-Halbinsel eine Kette von Vulkanen, von denen einige noch aktiv sind.

1. Flüsse und Seen

Die größten Flüsse, die Sibirien wie ein Netz durchziehen, sind Ob, Irtysch, Jenissej, Lena und Kolyma. Sie fließen alle im Norden in das Polarmeer und sind mehrere Monate im Jahr zugefroren. Allerdings wird diese Phase mit zunehmendem Auftauen des Dauerfrostbodens immer kürzer. Als einziger der großen Flüsse mündet der Amur im Osten in den Pazifik. Der tiefste See der Welt, der Baikalsee, ist zugleich der größte Süßwassersee Asiens.

2. Klima

In Sibirien herrscht ein extremes Kontinentalklima mit langen kalten Wintern und kurzen heißen Sommern. In Werchojansk liegt die mittlere Januartemperatur bei -48,9 °C, doch wurde hier auch schon ein Extremwert von -67,8 °C gemessen. Im Juli beträgt die mittlere Temperatur 15 °C, der höchste gemessene Werte liegt bei 35 °C. Die Stadt verzeichnete damit eine maximale jährliche Temperaturschwankung von 102,8 °C; dieser Wert wurde bisher an keiner anderen Messstation der Erde übertroffen. Außer an der Pazifikküste gibt es in Sibirien nur wenig Niederschlag.

3. Flora und Fauna

Die nordsibirische Tundra erstreckt sich vom Polarmeer 400 Kilometer nach Süden. Die Oberfläche dieser baumlosen und sumpfigen Vegetationszone mit ständig bis in große Tiefen gefrorenem Boden taut lediglich im Sommer soweit auf, dass kurzlebige Vegetation (Moose, Flechten und kleine Sträucher) gedeihen kann. Im Süden grenzt die Tundra an die Taiga, ein riesiges Nadelwaldgebiet. Die am weitesten verbreiteten Bäume sind Lärchen, Kiefern, sibirische Zedern und Tannen. Den südlichen Rand der Taiga bildet ein Waldgürtel aus Misch- und Laubwald mit Birken, Weiden und Pappeln.

Sibirien ist der größte Pelzproduzent der Welt. Zu den häufig vorkommenden Säugetieren zählen Füchse, Ottern, Wölfe, Hasen, Elche, Rentiere, Polar- und Braunbären, Zobel, Robben und Walrösser. Leoparden, Tiger und Antilopen sind vor allem entlang des Amur anzutreffen.

3. Bevölkerung

Sibirien ist sehr dünn besiedelt. Die Bevölkerung konzentriert sich auf den Südwesten. Fast alle Großstädte befinden sich im Süden entlang der Transsibirischen Eisenbahn. Von Westen nach Osten handelt es sich dabei um Tscheljabinsk, Omsk, Nowosibirsk, Nowokusnezk, Krasnojarsk, Irkutsk, Chabarowsk und Wladiwostok. Die anderen großen Städte liegen im Norden an den Ufern der großen Flüsse, wie z. B. Jakutsk an der Lena. Die weitaus größte Volksgruppe bilden die Russen. Zu den sibirischen Völkern gehören die Burjaten, Jakuten, Tungusen, Tschuktschen, Korjaken und Kasachen.

4. Wirtschaft

Die sibirische Industrie stellt Stahl, Metallprodukte, Stoffe, Fahrzeuge, landwirtschaftliche Geräte und Baumaterialien her. Die meisten industriellen Zentren liegen entlang der Transsibirischen Eisenbahn, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts fertig gestellt wurde. Sie ist nach wie vor gemeinsam mit neueren Eisenbahnlinien, wie z. B. die Baikal-Amur-Magistrale (1989 fertig gestellt), das wichtigste Transportmittel. Wegen der Schwierigkeiten beim Bau von Straßen und Eisenbahnlinien auf Dauerfrostböden gewinnt der Luftverkehr sowohl für den Personenverkehr als auch für den Gütertransport an Bedeutung.

Auf den fruchtbaren Böden im Westen und Südwesten zwischen Ural und Baikalsee werden vor allem Weizen, Hafer, Roggen und Gerste angebaut. Außerdem werden Viehzucht und Molkereiwirtschaft betrieben. In Ostsibirien werden vor allem Kartoffeln, Korn, Zuckerrüben und Flachs angebaut. Zu Sowjetzeiten wurden besonders im Norden die landwirtschaftlich nutzbaren Flächen stark vergrößert. Von Bedeutung sind auch die Holz- und Fischindustrie.

In der Nähe von Irkutsk, Bratsk und Krasnojarsk wurden große Wasserkraftwerke gebaut.

1. Bergbau und Bodenschätze

Sibirien ist sehr reich an Bodenschätzen. Das Kusnezker Kohlenbecken in Westsibirien verfügt ebenso wie Tscheremchowo und Minussinsk über reiche Kohlevorkommen. Seit 1960 werden die gewaltigen Erdgas- und Erdölvorkommen im Nordwesten und in der Nähe von Jakutsk ausgebeutet. Von den Raffinerien in Irkutsk in Zentralsibirien bis zum europäischen Teil von Russland wurde eine Pipeline gebaut. Sibirien liefert mittlerweile rund 90 Prozent des russischen Erdgases. Weitere wichtige Bodenschätze sind Uran, Nickel, Kupfer, Mangan, Gold, Diamanten, Zinn und Cobalt.

5. Geschichte

Vor der Eroberung durch Russland lebten in Sibirien mehrere nomadische Völker, die sich durch die Viehzucht, Jagd, Fallenstellerei und Fischerei ernährten. Einige betrieben auch Landwirtschaft. Nur in den südlichen Randgebieten Sibiriens formierten sich mächtige, aber kurzlebige Staaten. Im 13. Jahrhundert fielen mongolische Krieger von Süden nach Sibirien ein und unterwarfen anschließend Russland. Für zwei Jahrhunderte beherrschten die Mongolen Süd- und Westsibirien sowie Russland. Das Mongolische Reich verlor jedoch nach und nach an Macht und zerfiel in viele kleinere Staaten, von denen einer als das Khanat (Fürstentum eines Khans) von Sibirien bekannt ist.

1. Russische Eroberung Sibiriens

Bereits im 12. Jahrhundert überquerten Truppen des russischen Stadtstaates Nowgorod den Ural nach Sibirien und trieben von der ansässigen Bevölkerung Steuern ein. Doch erst nachdem das Mongolische Reich zerfallen war und sich in Russland eine zentralistische Monarchie etabliert hatte, konnte sich Russland die Vorherrschaft in Sibirien sichern. Die Kosaken eroberten das Khanat in den frühen achtziger Jahren des 16. Jahrhunderts. 1639 erreichten die Russen die Pazifikküste und errichteten zahlreiche Festungen im ganzen Land, um das eroberte Territorium kontrollieren zu können. Die Erschließung des Amurbeckens am südöstlichen Rand von Sibirien führte zum Konflikt zwischen Russland und China. Im Vertrag von Nertschinsk (1689) verzichtete Russland auf das Amurgebiet, das es erst 1858 zurückerhielt.

2. Zustrom von Russen

Im 17. und 18. Jahrhundert lag das Hauptinteresse Russlands im sehr einträglichen Pelzhandel. Große Mengen von Pelzen aus Sibirien wurden erst nach Europa und später auch nach China exportiert. Zu dieser Zeit war die Zahl der Russen in Sibirien immer noch sehr gering. Die große Migrationswelle nach Sibirien setzte erst Mitte des 19. Jahrhunderts ein. Im ersten Jahrzehnt der Zarenherrschaft kam es aufgrund der Überbevölkerung im europäischen Teil Russlands, der Abschaffung der Leibeigenschaft 1861 und des Baus der Transsibirischen Eisenbahn von 1891 bis 1900 zur Masseneinwanderung.

3. Sowjetherrschaft

Die Russische Revolution von 1917 führte zwischen dem bolschewistischen Regime und der antirevolutionären Weißen Armee von Admiral Aleksandr Wassiljewitsch Koltschak zu einem Kampf um die Kontrolle über Sibirien. Die Truppen der Weißen Armee wurden schließlich besiegt und Sibirien an die Sowjetunion angegliedert. Unter Jossif Stalin (Regierungszeit 1928-1953) wurden viele Millionen Menschen zu Zwangsarbeit in den sibirischen Straflagern verurteilt. Die unmenschlichen Bedingungen in diesen Lagern, die Millionen von Menschen das Leben kosteten, sind sehr anschaulich in den Werken von Aleksandr Solschenizyn und anderen Überlebenden beschrieben.

Durch die sowjetischen Fünfjahrespläne (seit 1928) wurden Bergbau und Industrie gestärkt. Während des 2. Weltkrieges wurden viele Industrieanlagen nach Sibirien verlegt, um sie vor deutschen Angriffen zu schützen. Die großen Entfernungen und extremen geographischen und klimatischen Verhältnisse behindern auch heute die wirtschaftliche Entwicklung der Region.