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| 2. | Antike |
Die Tradition der Fabel im weitesten Sinn reicht bis ins 2. Jahrtausend v. Chr. zurück. Mündlich überlieferte Dichtungen, in deren Zentrum Tiere stehen, finden sich in zahlreichen Kulturen; die ältesten stammen aus Mesopotamien. Aber schon der erste namentlich zeichnende griechische Dichter Hesiod bediente sich um 700 v. Chr. für seine Lehrdichtungen der Fabel, um eine moralische Einsicht zu vermitteln. Eine der frühesten und gleichzeitig bedeutendsten Sammlungen von didaktischen Tiergeschichten stammt von dem griechischen Dichter Äsop. Seine zunächst lange Zeit mündlich überlieferten Texte aus dem 6. Jahrhundert v. Chr. wurden innerhalb der griechischen und der römischen Literatur in den verschiedenen Versionen in Prosa oder Versen niedergeschrieben, so von Phaedrus im 1. Jahrhundert n. Chr., Babrios im 2. Jahrhundert n. Chr. oder Avianus um 400 n. Chr. In diesen Fassungen wurden die „äsopischen Fabeln”, unter denen sich Klassiker wie Der Fuchs und die Trauben oder Der Löwe und das Mäuschen finden, zum Vorbild der europäischen Literaturtradition. Bereits die äsopischen Fabeln münden in eine moralische Erkenntnis wie etwa „Das Stücklein Brot, das dich ernährt, ist mehr als Gold und Perlen wert”.
Wichtig für die Überlieferung der Gattung war auch die lateinische Prosasammlung Romulus eines unbekannten Verfassers, die zwischen 350 und 500 n. Chr. entstand, sowie das in Sanskrit verfasste indische Pancatantra, dessen Fabeln, Sprüche und Erzählungen, benutzt als höfischer Fürstenspiegel, der Erziehung und moralischen Belehrung junger Adeliger dienten. Das Pancatantra entstand vermutlich zwischen dem 1. und 6. Jahrhundert n. Chr. und soll von einem Weisen aus der Kaste der Brahmanen geschrieben worden sein. Es wurde in mehr als 50 Sprachen übersetzt, alle westlichen Adaptionen des Werkes beruhen auf einer nicht erhaltenen mittelpersischen Fassung.