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Legende (zu mittellateinisch legenda: das zu Lesende), Beschreibung der Lebensgeschichte von Heiligen oder Märtyrern bzw. exemplarische Ausschnitte daraus. Im Mittelalter wurde aus Legenden am Namenstag des jeweiligen Heiligen zur Erbauung der Gemeinde in Kirchen und Klöstern vorgelesen. Dabei legte man auf die historische Wahrheit nur wenig Wert. Vielmehr standen Wundererzählungen oder Schilderungen übernatürlich-religiöser Ereignisse im Zentrum des Interesses. Legenden sind bereits in den Apokryphen der Bibel enthalten. Die älteste Prosasammlung mit Legenden stammt von Papst Gregor I. aus dem 6. Jahrhundert. Elemente der Legendendichtung fanden in die Kaiserchronik ebenso wie ins Annolied Eingang. Den Stoff der Heiligenbeschreibung entliehen sich dann auch Heinrich von Veldeke (Servatius), Hartmann von Aue (Gregorius, Der arme Heinrich), Rudolf von Ems (Der gute Gerhard, Barlaam und Josaphat) und Konrad von Würzburg (Silvester, Alexius, Pantaleon). Hans Sachs nahm der Legende ihren ernst-didaktischen Impuls und kleidete sie ins Gewand des Schwanks. Während der Reformation stieß die Form bei Martin Luther auf Kritik, der sie als „Lügenden” verunglimpfte. Vor allem Autoren des Sturm und Drang und der Romantik belebten die Legendentradition im 19. Jahrhundert neu, nachdem sie zur Zeit der Aufklärung, namentlich von Christoph Martin Wieland, nur mehr parodiert worden war. Im 20. Jahrhundert verfassten etwa Hermann Hesse, Gerhart Hauptmann und Thomas Mann (Der Erwählte, 1951) literarische Varianten der Legende. (Siehe auch Hagiographie)