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| 1. | Einleitung |
Ankara (in der Antike Ankyra, von den Europäern bis 1930 Angora genannt), seit 1923 Hauptstadt der Türkei, im nördlichen Zentralanatolien, am Südrand des Pontischen Gebirges gelegen. Ankara ist nach Istanbul die zweitgrößte Stadt des Landes.
| 2. | Wirtschaft |
Ankara ist nicht nur Verwaltungszentrum der Türkei, sondern nach Istanbul und Izmir auch das wichtigste Wirtschaftszentrum des Landes. Zu den bedeutendsten Produktionszweigen gehören die Nahrungsmittel- und die Textilindustrie, die Herstellung von Baustoffen, feinmechanischen Instrumenten und Metallwaren sowie der Maschinen- und Fahrzeugbau. Auch das Druckgewerbe und der Bankensektor sind landesweit von Bedeutung. Die ehemals bedeutende Woll- und Ziegenhaarverarbeitung spielt heute hingegen kaum noch eine Rolle.
Viele größere Betriebe haben sich in den Industriegebieten im Westen der Stadt niedergelassen, vor allem im Bereich der Eisenbahnlinie Ankara–Istanbul, über die auch ein großer Teil der in Ankara produzierten Waren transportiert wird. Der internationale Flughafen Esenboğa liegt etwa 30 Kilometer nordöstlich der Stadt. 1996 wurde in Ankara die erste U-Bahn-Strecke eröffnet.
| 3. | Stadtbild und Kultur |
Die verwinkelten, engen Gassen der orientalischen Altstadt Ankaras winden sich um einen steilen, von der Zitadelle (7. Jahrhundert) gekrönten Felskegel. Südlich der Altstadt erstreckt sich die Neustadt (Yenişehir) mit ihren breiten Boulevards. Hier befinden sich neben modernen Wohnvierteln auch viele Regierungsgebäude und Botschaften. Die etwa fünf Kilometer lange Prachtstraße Atatürk Bulvarı verbindet die Altstadt mit der Neustadt; der Boulevard ist die wichtigste Geschäftsstraße und zentrale Verkehrsader der Stadt. Vor allem in den nördlichen und östlichen Randbezirken Ankaras entstanden in den vergangenen Jahrzehnten einige Gecekondu genannte Wohnviertel; in ihnen leben viele aus ländlichen Regionen Anatoliens zugewanderte Menschen in einfachen Behausungen.
Zu den bekanntesten Bauwerken gehören die von einem doppelten Mauerring umgebene Zitadelle, das als Wahrzeichen der Stadt geltende Mausoleum von Mustafa Kemal Atatürk (Anıtkabir; 1953 fertig gestellt), einige Bauwerke aus der Zeit römischer Herrschaft wie der Augustus-Tempel (1. Jahrhundert v. Chr.) und die Caracalla-Thermen (3. Jahrhundert) sowie mehrere Moscheen wie Arslanhane Camii (13. Jahrhundert) und Ahi Elvan Camii (13. Jahrhundert).
Ankara ist Sitz von drei Universitäten (1946, 1967 und 1982) und einer Technischen Universität (1956). Neben dem Opernhaus, der Nationalbibliothek, dem Ethnologischen Museum und dem Naturhistorischen Museum zählen auch das Archäologische Museum mit der weltweit größten Sammlung hethitischer Kunst, das Museum des Befreiungskrieges und das Museum der Republik zu den wichtigsten Kulturstätten.
| 4. | Geschichte |
Das Gebiet des heutigen Ankara war bereits im 2. Jahrtausend v. Chr. von Hethitern besiedelt. Am Kreuzungspunkt bedeutender Karawanenstraßen entwickelte sich eine Stadt, die zu Beginn des 3. Jahrhunderts v. Chr. Hauptort der keltischen Tektosagen, eines Stammes der Galater, war. Im 2. und 1. Jahrhundert v. Chr. wechselte die Herrschaft über die Stadt, die nun unter dem Namen Ankyra bekannt war, nacheinander von Rom über Pergamon zu Pontus und 74 v. Chr. wieder zu Rom. Unter Kaiser Augustus (griechisch: Sebastos) wurde sie unter dem Namen Sebaste Tectosagum 25 v. Chr. Hauptstadt der römischen Provinz Galatia. Ab Mitte des 7. Jahrhunderts litt die Stadt wiederholt unter Einfällen von Arabern, im 13. Jahrhundert wurde sie von Seldschuken erobert, und unter die Herrschaft der Osmanen geriet sie 1361. In den folgenden Jahrhunderten profitierte die Stadt wirtschaftlich von ihrer Lage am Schnittpunkt wichtiger Handelsrouten.
Nach dem Zusammenbruch des Osmanischen Reiches wählte Mustafa Kemal Atatürk 1919 die Stadt als Zentrum seiner nationalen Bewegung. 1923 wurde Ankara wegen seiner zentralen Lage Hauptstadt der neu gegründeten Republik Türkei und löste Istanbul als Regierungssitz ab. Zu jener Zeit hatte Ankara lediglich 30 000 Einwohner. In den folgenden Jahrzehnten erlebte die Stadt ein rasantes Wachstum und entwickelte sich durch intensive Bautätigkeit und staatlich geförderte Ansiedlung zahlreicher Unternehmen zu einer Metropole.
Die Einwohnerzahl beträgt etwa 3,43 Millionen (2003).