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| 1. | Einleitung |
Adoleszenz oder Jugendalter, Lebensabschnitt, in dem ein Mensch vom Kind zum Erwachsenen heranreift. Als Jugendalter bezeichnet man zumeist die Zeit vom Einsetzen der Pubertät bis zur körperlichen Reife; es beginnt in der Regel bei Jungen ungefähr mit 14 und bei Mädchen mit zwölf Jahren. Der Eintritt ins Erwachsenenalter ist in den Kulturkreisen unterschiedlich definiert: Gewöhnlich versteht man darunter die Zeit, in der ein Mensch von seinen Eltern unabhängig wird. Als Jugendliche bezeichnet man im juristischen Sinn Personen von 14 bis 18 Jahren (siehe Jugendstrafrecht).
| 2. | Körperliche Entwicklung |
Mit dem Beginn der körperlichen Reifung treten tief greifende Veränderungen des Körperbaues und anderer Merkmale ein. Die Schilddrüse sorgt in dieser Phase für eine verstärkte Hormonproduktion; dies hat vielfältige physiologische Auswirkungen. Das Wachstumshormon verursacht einen Wachstumsschub, so dass der Körper innerhalb von ungefähr zwei Jahren fast seine endgültige Größe erreicht. Bei Mädchen setzt dieser Entwicklungsschub früher ein als bei Jungen, so dass auch die sexuelle Reifung bei Mädchen früher abgeschlossen ist. Die Geschlechtsreife zeigt sich bei Mädchen durch den Beginn der Menstruation und bei Jungen an der Produktion von Samenflüssigkeit (siehe Sperma). Die wichtigsten Hormone, die diese Veränderungen in Gang setzen, sind beim männlichen Geschlecht die Androgene und beim weiblichen das Östrogen. Dieselben Substanzen sorgen auch dafür, dass sich die sekundären Geschlechtsmerkmale ausbilden: bei Jungen Gesichts-, Körper- und Schambehaarung sowie eine tiefere Stimme, bei Mädchen Schambehaarung, Brust und breitere Hüften. In Verbindung mit den körperlichen Veränderungen tritt auch ein geistig-emotionaler Wandel ein; manchen Studien zufolge verläuft diese seelische Anpassung bei Jugendlichen, die früh heranreifen, problemloser als bei ihren Altersgenossen, deren Reife später einsetzt.
| 3. | Geistige Entwicklung |
Hinsichtlich der geistigen Funktionen treten im Jugendalter keine tief greifenden Wandlungen ein. Die Fähigkeit, komplexe Fragestellungen zu verstehen, nimmt allmählich zu. Nach den Untersuchungen des französischen Psychologen Jean Piaget beginnt im Jugendalter das Stadium des formalen, zielgerichteten Denkens, das durch logisches Ableiten und Kombinieren gekennzeichnet ist. Piaget nahm an, dieses Stadium laufe bei allen Menschen ab, unabhängig von der Ausbildung und ähnlichen äußeren Einflüssen. Neuere Forschungsergebnisse zeigen jedoch, dass bei der Fähigkeit zur Lösung komplexer Probleme neben ererbten Voraussetzungen auch Erziehung und beständige Wissenszunahme eine wichtige Rolle spielen.
| 4. | Sexuelle Entwicklung |
Parallel zu den körperlichen Veränderungen während der Pubertät entwickelt sich der Geschlechtstrieb. Die Befriedigung sexueller Bedürfnisse wird auch heute noch durch gesellschaftliche Tabus erschwert, und viele Menschen haben nur unzureichende Kenntnisse über Sexualität. Dennoch sind seit den sechziger Jahren viele junge Leute sexuell aktiver als früher; neueren Untersuchungen zufolge berichten fast 50 Prozent der Jugendlichen unter 15 Jahren und 75 Prozent der unter Neunzehnjährigen, sie hätten bereits Geschlechtsverkehr gehabt. Trotz ihrer sexuellen Kontakte mangelt es etlichen Jugendlichen an ausreichenden Kenntnissen über Themen wie Empfängnisverhütung oder Geschlechtskrankheiten. Deshalb nimmt die Zahl der ungewollten Schwangerschaften und die Verbreitung sexuell übertragbarer Krankheiten weiterhin zu.
| 5. | Emotionale Entwicklung |
Der amerikanische Psychologe Stanley Hall bezeichnet das Jugendalter als Phase emotionaler Belastungen, die sich aus den pubertätsbedingten, schnellen und tief greifenden körperlichen Veränderungen ergeben. Wie die Studien der amerikanischen Anthropologin Margaret Mead jedoch gezeigt haben, ist die emotionale Belastung nichts Naturgegebenes, sondern sie ist kulturell bedingt. Nach den Feststellungen dieser Forscherin treten beim Übergang vom Kindes- zum Erwachsenenalter in den einzelnen Kulturkreisen sehr unterschiedliche Belastungen auf. Der in Deutschland geborene amerikanische Psychologe Erik Erikson sieht in der Entwicklung einen psychosozialen Vorgang, der sich während des ganzen Lebens fortsetzt. Die „Entwicklung von Werthaltungen während der Reifezeit” stellt R. Oerter in seinem 1966 publizierten Werk dar.
Die psychische und soziale Herausforderung des Jugendalters besteht für den Heranwachsenden darin, zu einem selbständigen Menschen zu werden, dem es seine eigene Persönlichkeit erlaubt, mit anderen nach Art von Erwachsenen intime Beziehungen aufzunehmen. Diese Entwicklung ist bei jedem Jugendlichen mit individuellen Problemen verbunden.
Siehe auch Kinderpsychologie