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Harry S. Truman
1. Einleitung

Harry S. Truman (1884-1972), 34. Vizepräsident (1945) und 33. Präsident der Vereinigten Staaten (1945-1953). Truman leitete die Außenpolitik des Containment (der Eindämmung) zur Zeit des Kalten Krieges ein und führte in der Innenpolitik die gemäßigte Wohlfahrtspolitik fort, die sein Vorgänger Roosevelt mit dem New Deal geschaffen hatte.

2. Frühe Laufbahn

Truman wurde am 8. Mai 1884 in Lamar (Missouri) als Sohn eines Viehhändlers und Landwirtes geboren. Er besuchte die High School in Independence bei Kansas City, ging Gelegenheitsjobs nach und arbeitete einige Zeit als Landwirt. Im 1. Weltkrieg zeichnete er sich als Artilleriekommandant in Frankreich aus. Nach dem Krieg kehrte er in die Gegend von Kansas City zurück und eröffnete ein Herrenbekleidungsgeschäft, das allerdings der nach dem Krieg einsetzenden wirtschaftlichen Depression zum Opfer fiel. 1922 ging er als Demokrat in die Lokalpolitik und wurde zum Richter für Jackson County gewählt. Mit Hilfe des einflussreichen Politikers Thomas J. Pendergast wurde er 1934 für Missouri in den US-Senat gewählt, wo er bald Ansehen erlangte und konsequent für die Politik des New Deal eintrat. Während des 2. Weltkrieges machte er sich auf nationaler Ebene einen Namen als Vorsitzender des Special Committee Investigating National Defense, das Unregelmäßigkeiten bei den Kriegsausgaben aufdeckte. Präsident Roosevelt machte ihn 1944 zu seinem Kandidaten für die Vizepräsidentschaft.

3. Die Präsidentschaft Trumans

Nach Roosevelts Tod im April 1945 wurde Truman sein Nachfolger im Präsidentenamt. Truman war ein versierter Innenpolitiker; in außenpolitischen Fragen fehlte ihm jede Erfahrung. Und er hatte eine Außenpolitik zu übernehmen, die die Atombombe als Mittel zur Verfügung hatte und die Sensibilität in der Zusammenarbeit mit der Sowjetunion, einem Alliierten der USA im 2. Weltkrieg, erforderte.

1. Außenpolitik

Truman hielt an den Kriegszielen der Alliierten fest und fand auf der Potsdamer Konferenz im Juli 1945 mit Clemens Attlee und Jossif Stalin zu einer Kompromisslösung für das Nachkriegsdeutschland. Im August 1945 befahl er den Atombombenabwurf über Hiroshima und Nagasaki, den er für notwendig erachtete, um Japan zur Kapitulation zu zwingen. Gegenüber der Sowjetunion widersetzte sich Truman allen Machtansprüchen und Sicherheitsbedürfnissen, die langfristig darauf abzielten, eine Pufferzone in Form von Satellitenstaaten zwischen der UdSSR und Westeuropa zu errichten und eine sowjetische Einflusssphäre zu schaffen. Truman kam zu der Überzeugung, dass Stalin beabsichtigte, den Einfluss der Sowjetunion auf ganz Europa auszudehnen. Anfang 1947 formulierte er die so genannte Truman-Doktrin, beschränkte sich zunächst auf Militär- und Wirtschaftshilfe für die Türkei und die antikommunistischen Kräfte im griechischen Bürgerkrieg. Die Truman-Doktrin war Teil der umfassenden Politik des Containment, die zum Ziel hatte, über eine weltweite Militär- und Wirtschaftspolitik eine Ausweitung des sowjetischen Einflussbereichs zu verhindern. Die wichtigsten Instrumente der Containment-Politik unter Truman waren der Marshallplan und das Nordatlantische Bündnis (NATO). Der Marshallplan, der 1947/48 umgesetzt wurde, war ein von den USA finanziertes Wiederaufbauprogramm für die im 2. Weltkrieg zerstörten Länder Westeuropas mit Ausnahme der Sowjetunion und ihrer Satelliten. Die NATO wurde 1949 als militärisches Bündnis zur gemeinsamen Verteidigung gegen potentielle Aggressionen seitens der Sowjetunion gegründet. Die NATO war das erste militärische Bündnis, dem die Vereinigten Staaten zu Friedenszeiten beitraten. 1948, während der Berliner Blockade, rief Truman die Luftbrücke zur Versorgung West-Berlins ins Leben.

Nach 1950 modifizierte Truman seine Außenpolitik entsprechend der veränderten internationalen Lage: Die Sowjetunion verfügte inzwischen ebenfalls über Kernwaffen; in China waren die Nationalisten um Chiang Kai-shek von den kommunistischen Truppen besiegt worden; und die Nordkoreaner waren in Südkorea einmarschiert. Auf das Ende ihres Atomwaffenmonopols reagierten die USA mit einem nuklearen Wettrüsten und der Entwicklung der Wasserstoffbombe. Der Sturz Chiang Kai-sheks und der Krieg in Korea veranlassten Truman, seine Containment-Politik auch auf Asien auszudehnen: Truman entsandte US-Truppen nach Südkorea und unterstützte Frankreich im Indochinakrieg.

2. Ausweitung der Präsidialmacht

Vor dem Hintergrund des Kalten Krieges übernahm Truman mehr und mehr Macht auf Kosten des Kongresses. Zum Beispiel ordnete er den Einsatz amerikanischer Truppen in Korea ohne vorherige Zustimmung des Kongresses an. Unter Truman wurden auch der National Security Council und die Central Intelligence Agency (CIA) ins Leben gerufen, die dem Präsidenten, an Außenministerium und Kongress vorbei, Informationen zu außenpolitischen Fragen lieferten. Gleichzeitig nahmen das Personal des Weißen Hauses und die Zahl der Beamten des Präsidenten dramatisch zu, und das Bureau of the Budget des Präsidenten übernahm viele Planungsaufgaben, die zuvor in den Zuständigkeitsbereich von Kongressausschüssen gefallen waren. Das ermöglichte es Truman und seinen Nachfolgern, besonders in der Außenpolitik, ohne den Kongress zu regieren.

3. Innenpolitik

Senator Joseph R. McCarthy und der Senatsausschuss zur Untersuchung unamerikanischer Umtriebe verlangte von allen Angestellten der US-Behörden, sich einem Loyalitätstest zu unterziehen. Der „McCarthyismus” schuf eine Atmosphäre des Misstrauens und löste eine panische antikommunistische Verfolgungswelle aus. Truman näherte sich in einigen innen- und außenpolitischen Fragen der Position der Liberalen innerhalb der Demokratischen Partei an; er unterstützte die Bürgerrechts-Gesetzgebung und erkannte 1948 den Staat Israel an. Seine aggressive antikommunistische Außen- und seine liberale Innenpolitik führten vor seiner Wiederwahl 1948 dazu, dass sich die Demokratische Partei in drei Lager spaltete.

Nach seinem unerwarteten Sieg bei den Präsidentschaftswahlen 1949 leitete Truman ein ehrgeiziges Gesetzgebungsprogramm, den Fair Deal, ein. Während seiner zweiten Amtszeit scheiterte er jedoch an dem Versuch, Bürgerrechtsgesetze, Gesetze zur staatlichen Ausbildungsförderung und ein nationales Krankenversicherungssystem durchzusetzen. Es gelang ihm aber, grundlegende Elemente des New Deal beizubehalten, wie z. B. Zuschüsse für Landwirte, staatlichen Wohnungsbau, soziale Sicherheit und Mindestlöhne. Truman kandidierte 1952 nicht wieder für die Präsidentschaftswahl und zog sich nach Independence zurück, wo er bis zu seinem Tod am 26. Dezember 1972 lebte.