Aristoteles
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Aristoteles
4. Lehren

Die nachfolgende Zusammenfassung der aristotelischen Lehren und Theorien vermittelt einige der wichtigsten Aspekte seiner Gedankenwelt.

1. Physik oder Naturphilosophie

In der Astronomie geht Aristoteles von einem endlichen, sphärischen Universum aus, in dessen Mittelpunkt sich die Erde befindet. Der zentrale Bereich besteht aus den vier Elementen: Erde, Luft, Feuer und Wasser. In Aristoteles’ Physik ist jedem dieser vier Elemente ein genauer Platz angewiesen. Jedes der Elemente bewegt sich in seiner natürlichen geradlinigen Bahn seinem eigentlichen Ruhepunkt entgegen. Daraus ergibt sich, dass irdische Bewegungen immer geradlinig sind und immer zum Stillstand kommen. Die Himmel jedoch bewegen sich natürlich und ewig in einer komplexen, kreisförmigen Bewegung, was ein fünftes, neues Element erforderlich macht, das Aristoteles Aither (Äther) nennt. Als höheres Element ist Aither unveränderlich und kann bloß seinen Platz in kreisförmigen Bewegungen verändern. Aristoteles’ Theorie von der geradlinigen Bewegung ist für alle wahrnehmbaren, irdischen Bewegungen gültig. Er behauptete auch, dass schwere Körper eines bestimmten Stoffes schneller fallen als leichtere bei gleicher Form. Eine Ansicht, die allgemein anerkannt wurde und die sich erst aufgrund der Versuche des italienischen Physikers und Astronomen Galileo Galilei als falsch erweisen sollte.

2. Psychologie

Für Aristoteles bedeutete Psychologie die Untersuchung der Seele. Seinem Grundsatz treu bleibend, dass Form und Stoff immer als Einheit existieren, definierte Aristoteles die Seele als „Funktionsweise eines Körpers, die so organisiert ist, dass sie Träger vitaler Funktionen sein kann”. In seiner Annahme von der essenziellen Verbundenheit von Seele und Körper widerlegte er die Pythagoreische Lehre von der Seele als einer spirituellen, im Körper gefangenen Einheit. Aristoteles’ Lehre ist eine Synthese der früheren Vorstellung, dass die Seele nicht unabhängig vom Körper existieren kann, und der platonischen Idee von der Seele als einer gesonderten, nichtkörperlichen Ganzheit.

Aufgrund der Funktionsweise der Seele werden die moralischen und intellektuellen Seiten der Menschheit entwickelt. Nach Aristoteles ist das menschliche Denken in seiner höchsten Form (griechisch: nous poetikos, „aktives Denken”) nicht auf einen bloßen mechanisch-physischen Vorgang reduzierbar. Jedoch setzt ein solches Denken auch ein individuelles „passives Denken” voraus, welches über die physische Natur der Dinge nicht hinausgehen kann. Somit hat Aristoteles die Beziehung zwischen dem menschlichen Verständnis und den Sinnen, entsprechend der späteren empirischen Auffassung, dass sich Wissen auf Sinneserfahrung stützt, klar dargelegt. Er schrieb: „Nichts existiert im Denken, was nicht schon vorher in den Sinnen existiert hätte” (siehe Empirismus).

3. Ethik

Die Grenzen der praktischen Wissenschaft sind aus Aristoteles’ Konzept über das menschliche Wesen klar ersichtlich. Das menschliche Wesen entwickelt sich durch Gewohnheiten. Diese sind abhängig von der Kultur eines bestimmten Individuums. Alle menschlichen Wesen wollen „Glückseligkeit”, wobei dieses Ziel auf unterschiedlichen Wegen erreicht werden kann (siehe Eudämonismus).

Aristoteles’ Nikomachische Ethik ist eine Untersuchung des Charakters und der Intelligenz sowie deren Verhältnis zum Glück. Der Philosoph unterscheidet innerhalb seiner Ethik dabei zwischen zwei Arten von Tugenden: die moralische und die des Denkens. Die moralische Tugendhaftigkeit ist eine Ausdrucksform des Charakters, der aufgrund von Gewohnheiten entstanden ist. Eine moralische Tugend ist immer der Mittelweg zwischen zwei Extremen. Tapferkeit z. B. ist der Mittelweg zwischen Feigheit und Tollkühnheit; Freigebigkeit das Mittelding zwischen Verschwendung und Geiz. Die Tugend des Denkens jedoch ist nicht denselben Gesetzen des Mittelweges unterworfen. Nach Aristoteles kann nur von einem reifen, männlichen Erwachsenen die vollkommene Tugend erlangt werden, niemals aber von einer Frau oder Kindern oder Barbaren (also den Nichtgriechen).

In der Politik finden sich viele unterschiedliche Formen zwischenmenschlichen Umgangs. Welche jedoch die passende ist, hängt von den Umständen ab, wie z. B. den natürlichen Mitteln, dem kulturellen Erbe, dem Grad der Entwicklung der unterschiedlichen Gemeinschaften. Aristoteles betrachtete die Politik nicht als Studium des idealen Staates in irgendeiner abstrakten Form, sondern vielmehr als eine Untersuchung wie Ideale, Gesetze, Bräuche und Besitz zueinander in Beziehung stehen. Obwohl Aristoteles der zeitgenössischen Institution der Sklaverei zustimmte, milderte er sie dadurch, dass er von den Herren forderte, ihre Autorität nicht zu missbrauchen, da ja Herren und Sklaven dieselben Interessen verfolgten. Die Bibliothek des Lykeion umfasste eine Sammlung von 158 Verfassungen der Griechen sowie anderer Staaten. Aristoteles selbst schrieb die Verfassung von Athen als Teil der Sammlung, die zwar verloren ging, jedoch 1890 als Papyruskopie wieder entdeckt wurde. Für die Geschichtswissenschaftler hat das Werk einen unermesslichen Wert, da viele Abschnitte in der Geschichte Athens somit rekonstruiert werden konnten.

4. Logik

In der Logik entwickelte Aristoteles Regeln für Denkketten, die von bestimmten Voraussetzungen ausgehend immer zu richtigen Schlüssen führen würden (Gültigkeitsregeln). Die Hauptverbindungen im Denkprozess sind die Syllogismen: Satzpaare, die zusammengenommen zu einem neuen Schluss führen. Das klassische Beispiel hierzu: „Alle Menschen sind sterblich” und „Alle Griechen sind Menschen”, ergeben den gültigen Schluss, „Alle Griechen sind sterblich”. Aus dem Aufbau komplexerer Denksysteme ergibt sich die Wissenschaft. In seiner Logik unterscheidet Aristoteles zwischen Dialektik und Analytik. Für ihn werden anhand der Dialektik bloß die Behauptungen auf ihre logische Folgerichtigkeit hin überprüft. Die Analytik geht von Prinzipien aus, die auf Erfahrungen und genauer Beobachtung beruhen. Damit vollzog er einen klaren Bruch mit Platons Akademie, da dort die Dialektik als einzig angemessene Methode sowohl für die Wissenschaft wie auch für die Philosophie angesehen wurde.

5. Metaphysik

Die aristotelische Metaphysik handelt vom Ersten Beweger, der alle anderen Bewegungen in der Welt bewirkt. Gott ist vollkommen, woraus sich das Streben aller Dinge dieser Welt ergibt, denn alle Dinge sehnen sich nach Vollkommenheit. Spätere Philosophen und Theologen haben jedoch die Untauglichkeit des von Aristoteles beschriebenen Ersten Bewegers oder Gottes für christlich-religiöse Zwecke erkannt, da dieser z. B. kein Interesse an den Vorgängen in der Welt zeigt und diese auch nicht erschaffen hat. Schließlich hat Aristoteles seine „Theologie” auf das beschränkt, was die Wissenschaft seiner Meinung nach fordert und was sie nachweisen kann.