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| 2. | Inhalt |
Der Handlungsrahmen des Lukasevangeliums ist jenem des Markusevangeliums gleich. Allerdings werden die Berichte des ersteren um zwei bedeutende Einfügungen erweitert. Die meisten Bibelgelehrten sind sich einig, dass diese Einschübe hauptsächlich aus einer Spruchsammlung Jesu Christi stammen, die als Logia bekannt ist, oder aus einem mündlich überlieferten Werk, das gelegentlich als „L” bezeichnet wird.
Das Lukasevangelium ist in sechs gesonderte Abschnitte aufgegliedert: ein Vorwort; Berichte über die Geburt und Kindheit Jesu; Jesu Wirken in Galiläa; seine Reise von Galiläa nach Jerusalem; Jesu Wirken in Jerusalem sowie Jesu Leiden und Sterben, Auferstehung und Himmelfahrt.
Das Vorwort, in dem der Autor den Grund und seine Befugnis zur Niederschrift des Buches angibt, ist an einen „hochgeehrten Theophilus” (1, 3) gerichtet. Möglicherweise ist Theophilus bloß eine symbolische Bezeichnung für den christlichen Leser, wahrscheinlich handelt es sich jedoch um eine tatsächliche Person, etwa um einen römischen Beamten. Das Vorwort des Lukasevangeliums ist einzigartig unter den ersten drei Evangelien. Es wurde den Prologen der hellenistischen Geschichtsschreiber entlehnt und vermittelt den Eindruck, dass Lukas hauptsächlich als Historiker auftritt, der nach sorgfältigen Forschungen nur die Fakten berichtet.
Anhand seiner Geschichte über die Geburt und Kindheit Jesu hat Lukas das Weihnachtsfest der Christen entscheidend geprägt. Dieser Teil enthält nämlich die großen Lobgesänge, die als Magnifikat (1, 46-55) und Benediktus (1, 68-79) berühmt werden sollten. Zu den bekannten Geschichten, die in diesem Teil eine Eigenheit des Lukasevangeliums darstellen, gehören die Ankündigung der Geburt Jesu (1, 26-38), der Besuch von Maria, der Mutter Jesu, bei Elisabeth, der Mutter Johannes des Täufers (1, 39-56), die Geburt Johannes des Täufers (1, 57-80), Jesu Beschneidung und seine Weihe (2, 21-40) sowie die Geschichte vom zwölfjährigen Jesus im Tempel (2, 41-52).
Lukas’ Bericht von dem Wirken Jesu in Galiläa verläuft mit wenigen Ausnahmen parallel zu jenem des Markusevangeliums. Geringfügige Abweichungen hiervon sind die Ausweisung Jesu nach seiner Predigt aus der Synagoge von Nazareth (4, 16-30), die von Lukas weiter ausgebaut wird, ferner erweitert er den Stammbaum Jesu aus dem Matthäusevangelium, wobei er seine Abstammung nicht bloß bis Abraham sondern bis auf Adam zurückführt (3, 23-38), und er verlegt den Schauplatz für die Bergpredigt Jesu (6, 20-49) auf ein Feld (6, 17).
Verglichen damit enthält Lukas’ Bericht von der Reise Jesu über Samaria nach Jerusalem (9, 51-19, 48) beträchtliche Abweichungen sowohl vom Markus- wie auch vom Matthäusevangelium. Dieser Abschnitt (der mit größter Wahrscheinlichkeit zum Großteil auf die Quelle „L” zurückgeht) wird von vielen Gelehrten als der für Lukas charakteristischste angesehen, der dem gesamten Evangelium seine besondere Prägung verleiht. Die einzigartigen Erzählungen und Sprüche dieses Teiles umfassen z. B. die Geschichte über die Aussendung und Rückkehr der 70 Jünger (10, 1-20), die Geschichte von Maria und Marta (10, 38-42), jene des reichen Zöllners Zachäus (19, 1-10) sowie die Parabeln vom barmherzigen Samariter (10, 29-37), vom verlorenen Groschen (15, 1-10), vom verlorenen Sohn (15, 11-32) und vom reichen Mann und armen Lazarus (16, 19-31). Auch umfasst dieser Teil Lukas’ verkürzte Fassung des Vaterunsers, bei der die Lobpreisung Gottes (im Matthäusevangelium unter 6, 9-15 enthalten) fehlt und in einen anderen Kontext versetzt wurde.
In seinen Berichten über das Wirken Jesu in Jerusalem (Kapitel 20-21) und über dessen Leiden und Wiederauferstehung (Kapitel 22-24) orientiert sich Lukas wiederum am Markusevangelium. Allerdings ergänzt er Markus’ Erzählung durch die letzten Worte Jesu an seine Jünger (22, 21-38), die am Weg zum Kreuz gesprochenen Worte (23, 28-31), die Worte der beiden gekreuzigten Übeltäter (23, 39-43), ferner durch die Erscheinung des auferstandenen Jesus auf dem Weg nach Emmaus und in Jerusalem (24, 13-49) sowie durch die Himmelfahrt Jesu (24, 50-53).
Das Lukasevangelium war vorrangig für die Unterweisung von Nichtchristen bestimmt. Der Evangelist war eindeutig um allgemeine Wirkung bemüht, was auch die Tatsache beweist, dass er mehr als Matthäus und Markus bestrebt war, die Person und das Wirken Jesu in einen zeit- und weltgeschichtlichen Rahmen zu rücken. Auch sein Stammbaum Jesu soll auf die universale Bedeutung Christi hinweisen. Diese Allgemeingültigkeit wird dem Leser durch knappe, im gesamten Werk immer wiederkehrende Hinweise verdeutlicht. Bezeichnend für das Lukasevangelium ist auch das Streben nach gerechten sozialen Beziehungen, insbesondere was die Beziehungen zwischen Armen und Reichen betrifft, das Bemühen um die Sünder und Geächteten der Gesellschaft sowie ein Wohlwollen den Frauen gegenüber, was wiederum einzigartig unter den Evangelisten ist.