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| 2. | Geschichte der Museen |
Das Wort Museum ist vom griechischen mouseĩon abgeleitet, womit ursprünglich ein den Musen geweihter Tempel bezeichnet wurde. Erst seit der Frührenaissance, in der das aufstrebende Bürgertum auch in der Kunst und Wissenschaft ein Repräsentationsmittel suchte, wurde der Begriff im heutigen Sinn verwendet.
| 1. | Antike |
Das erste Mouseĩon im Sinne einer Bildungseinrichtung wurde um 290 v. Chr. in Alexandria von Ptolemäus I. begründet. Zu dieser Institution gehörten Wohnräume, ein Speisesaal, ein Lesesaal, ein Kreuzgang, jeweils ein botanischer und ein zoologischer Garten, ein Observatorium für astrologische Studien und eine Bibliothek. Des Weiteren wurden dort medizinische und astronomische Instrumente, Tierpräparate, Statuen und Porträtbüsten aufbewahrt und für den Unterricht benutzt. Das Museum und ein Großteil der Bibliothek von Alexandria wurde um 270 n. Chr. zerstört.
Auch die Tempel im antiken Griechenland waren angefüllt mit den Göttern geweihten Statuen, Gemälden und Kunstgegenständen. Neben Kunstwerken in Tempelanlagen gehörten im antiken Rom Gemälde und Skulpturen in Gärten, Bädern und Theatern zum Stadtbild. In den Villen wurden Gästen oftmals in Kriegszügen erbeutete Kunstschätze gezeigt. Kaiser Hadrian ließ einige jener Kunstwerke, die er in Griechenland und Ägypten gesehen hatte, an seinem Wohnsitz nachbauen. Die Hadriansvilla stellt somit eine Art Vorläufer des modernen Freilichtmuseums dar.
| 2. | Orient |
Vor etwa 1000 n. Chr. wurden in China und Japan königliche Kunstschätze in Palästen und Tempeln aufbewahrt. Besonders erwähnenswert ist das immer noch bestehende Schatzhaus Shosõ-in, Teil einer Tempelanlage in Nara, mit zahlreichen Kunstwerken vor allem religiöser Art.
| 3. | Mittelalter |
Im Mittelalter wurden in Kirchen und Klöstern Kirchenschätze (Juwelen, Statuen, Manuskripte) und Heiligenreliquien zur Schau gestellt. Im 7. Jahrhundert begann man damit, hier auch Beutestücke auszustellen. In Kriegszeiten wurden aus diesen Beständen auch Forderungen siegreicher Feinde beglichen. So verkleinerte oder vergrößerte sich z. B. der Schatz der Kathedrale von Notre Dame in Reims je nach dem Kriegsglück der Franzosen. Erst die zunehmende Säkularisierung der Kunst machte dann aber den Weg frei zu einer eher ästhetischen denn religiösen Zwecken verpflichteten Ausstellungsform.
| 4. | Galerien und Kabinette |
In der Frührenaissance ließ Lorenzo de Medici in Florenz einen Skulpturengarten einrichten. Im 16. Jahrhundert wurde es üblich, in den langen Gängen (siehe Galerien) der Paläste und Residenzen Skulpturen und Gemälde auszustellen. Im 17. Jahrhundert bezog man beim Entwurf von Barockschlössern die Kunstsammlung (Bilder, Skulpturen, Bücher, Kupferstiche) bereits in die architektonische Planung mit ein. Seitdem ist der Begriff Galerie auch für Sammlungen kommerzieller Art gebräuchlich (Galerie). Zu dieser Zeit ging man an Fürstenhöfen auch dazu über, Kunstobjekte in speziellen Räumen auszustellen. Diese wurden Kabinett (von französisch cabinet: Nebenzimmer) genannt. Ursprünglich war das Kabinett ein Möbelstück für kleinere Exponate (Kabinettschrank). Erste Kabinettzimmer wurden Ende des 16. Jahrhunderts in Italien und bald darauf in ganz Europa eingerichtet. An deutschen Fürstenhöfen etwa entstanden neben Kunst- und Kupferstichkammern, deren Exponate oftmals die unerschwinglichen Originalgemälde ersetzen sollten, auch so genannte Wunderkammern für Kuriositäten. Zunächst nur zum Privatvergnügen bzw. zur Repräsentation gedacht, wurden Kabinette und Galerien im ausgehenden 17. und zu Beginn des 18. Jahrhunderts allmählich der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
| 5. | Das erste moderne Museum |
Im 18. Jahrhundert wurde das öffentliche Museum zur festen Einrichtung weiterentwickelt. 1750 begann man in Paris damit, die Gemälde im Palais de Luxembourg an zwei Wochentagen der Öffentlichkeit (vorrangig Künstlern und Studenten) zugänglich zu machen. Später wurde diese Sammlung in den Louvre überführt, dessen Anfänge bis zu den königlichen Sammlungen Franz I. aus dem 16. Jahrhundert zurückreichen. Zur Zeit der Französischen Revolution – und inspiriert durch deren Ideen – wurde der Louvre zum ersten einer größeren Öffentlichkeit zugänglich gemachten Kunstmuseum (1793 eröffnet). Das erste Museum des neuen Typs allerdings war das Britische Museum in London, das 1753 eröffnet wurde. Besucher mussten sich zwecks Besichtigung schriftlich anmelden. Noch um 1800 waren Wartezeiten von zwei Wochen üblich. Außerdem durften sich nur kleinere Gruppen maximal zwei Stunden im Museum aufhalten.
Als typische Produkte der Aufklärung entstanden im 18. Jahrhundert zahlreiche Museen. Die Kunstsammlung der Medici war bereits 1739 zum Staatsbesitz erklärt worden. Unter Papst Klemens XIV. kam die Kunstsammlung des Vatikan 1769 in Kirchenbesitz und wurde als Museum eröffnet. In Madrid entstand das nationale Wissenschaftsmuseum (1771). Die königlichen Sammlungen von Wien (1700) und Dresden (1746) wurden ebenso einem großen Besucherkreis zugänglich gemacht wie die Eremitage in Sankt Petersburg (1765). In Kassel entstand das Museum Fridericianum als erster fürstlicher Museumsbau (1769-1779). In den USA baute man in Charleston (South Carolina) 1773 ein erstes naturgeschichtliches Museum. Der erste unabhängige Museumsbau in Deutschland wurde 1830 in München eingeweiht. Die von Leo von Klenze zwischen 1816 und 1830 im Auftrag Ludwigs I. erbaute Glyptothek war der antiken Kunst gewidmet.