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| 2. | Land |
Die maximalen Ausdehnungen des Staates betragen in Nord-Süd-Richtung etwa 1 100 Kilometer und in Ost-West-Richtung etwa 1 250 Kilometer.
| 1. | Physische Geographie |
Ägypten lässt sich in fünf naturräumliche Einheiten gliedern; dies sind die Libysche Wüste im Westen, die Arabische Wüste im Osten, das vom Nil in das Wüstenplateau eingeschnittene Niltal, das etwa 22 000 Quadratkilometer große Nildelta nördlich von Kairo sowie die von den Meeresarmen Golf von Suez und Golf von Akaba umschlossene Halbinsel Sinai.
Weniger als 10 Prozent der Staatsfläche Ägyptens sind besiedelt oder werden landwirtschaftlich genutzt. Bei diesen Gebieten handelt es sich um das Niltal, das Nildelta sowie um verschiedene Oasen in den ausgedehnten Wüsten. Die Breite des Niltales nimmt in Richtung der Mündung zu; sie beträgt zwischen einem Kilometer in der Nähe von Assuan und mehr als 20 Kilometern südlich von Kairo. Mehr als 90 Prozent des Landes bestehen aus Wüstengebieten; dazu gehören die Libysche Wüste im Westen, ein Teil der Sahara, sowie die Arabische Wüste (auch als Östliche Wüste bezeichnet), die im Osten durch das Rote Meer und den Golf von Suez begrenzt wird.
Bei der Libyschen Wüste (auch als Westliche Wüste bezeichnet) handelt es sich um eine ausgedehnte Sandwüste, für die häufig auch der Name „Großes Sandmeer” verwendet wird und die etwa zwei Drittel der gesamten Staatsfläche einnimmt. Hier befinden sich mehrere Senken, die unterhalb des Meeresspiegels liegen. Dazu gehört die Kattarasenke (Munkhafad al-Quattarah) mit einer Fläche von etwa 19 425 Quadratkilometern, die bis 133 Meter unter Meereshöhe reicht und damit den tiefsten Punkt des afrikanischen Kontinents markiert. In der Libyschen Wüste liegen auch die Oasen Siwa, Kharga, Bahariya, Farafra und Dakhla.
Der größte Teil der Arabischen Wüste wird von einem Plateau eingenommen, das allmählich vom Nil aus nach Osten hin ansteigt und dessen zerklüftete Gipfel nahe dem Roten Meer Höhen von mehr als 2 000 Metern über dem Meeresspiegel erreichen. Zur Küste am Roten Meer hin fällt das Gebiet östlich des Nil steil ab. Die Arabische Wüste ist der westliche Teil einer ausgedehnten Aufwölbungszone, deren zentraler Teil während der geologischen Periode des Tertiär einbrach und heute den Graben des Roten Meeres bildet.
Im äußersten Süden nahe der Grenze zur Republik Sudan erstreckt sich die Nubische Wüste, eine ausgedehnte Sandwüste. Auch der Norden der Sinai-Halbinsel wird von Sandwüste eingenommen. Im südlichen Teil der Sinai-Halbinsel befindet sich mit dem 2 637 Meter hohen Djebel Katrinah (Gebel Katharina) die höchste Erhebung in Ägypten. Auch der Berg Sinai liegt auf dieser Halbinsel, wo laut Altem Testament Moses die Zehn Gebote in Empfang nahm. Durch den Suezkanal besteht eine Verbindung zwischen Mittelmeer und Rotem Meer.
| 2. | Flüsse und Seen |
Der Nil durchfließt Ägypten von der Republik Sudan kommend auf einer Länge von circa 1 545 Kilometern in nördlicher Richtung bis zu seiner Mündung in das Mittelmeer. Die Gesamtlänge des Flusses beträgt 6 671 Kilometer. Von der Südgrenze des Landes bis nach Kairo fließt der Nil durch ein nach Norden breiter werdendes Tal. Südlich der Stadt Idfu ist das Niltal kaum mehr als drei Kilometer breit, zwischen Idfu und Kairo weitet es sich auf etwa 23 Kilometer. Im Grenzgebiet zwischen Ägypten und der Republik Sudan liegt der Nassersee, zu dem der Nil durch den Bau des Assuan-Hochdammes aufgestaut wurde, um die Abflussmengen zu steuern. Der See ist etwa 480 Kilometer lang und maximal 16 Kilometer breit. Der überwiegende Teil des Sees liegt auf ägyptischem Staatsgebiet.
Der Großteil der landwirtschaftlich nutzbaren Fläche befindet sich am Westufer des Flusses. Nördlich von Kairo bildet der Fluss ein ausgedehntes Delta mit zahlreichen Kanälen und Mündungsarmen, das am Mittelmeer etwa 250 Kilometer breit ist. Die beiden wasserreichsten Mündungsarme heißen Rosette (arabisch Rashid) und Damiette (arabisch Dumyāt). Sie lagerten früher bei Überflutungen große Mengen an nährstoffreichem Schlamm ab. Daher ist diese Region die fruchtbarste des Landes. Durch den Assuan-Hochdamm wird die mittlere Abflussmenge des Nil herabgesetzt, wodurch mehrere Ernten im Jahresverlauf möglich sind. Die ökologischen Auswirkungen der schwerwiegenden Eingriffe in den Naturhaushalt des Niltales sind drastisch. Die überaus hohe Verdunstung des Stausees kann das lokale Klima beeinträchtigen. Die Regulierung der Wasserführung verschlechtert die Bodenqualität, da die Überflutung der ufernahen Bereiche mit fruchtbarem Nilschlamm ausbleibt. Im küstennahen Deltagebiet ist die Versalzung des Bodens ein bedeutendes Problem. Außerdem ging die Fischerei im Mündungsbereich wegen der Nährstoffverarmung des Nilwassers zurück.
In der Nähe der Küste befinden sich im Deltagebiet vier flache Brackwasserseen. Ein weiterer größerer See, Birkat Qarun, liegt am Rand der Libyschen Wüste nördlich der Stadt Al Faijum. Geographisch lässt sich das Niltal in zwei Regionen einteilen: Oberägypten und Unterägypten. Mit Unterägypten wird im Allgemeinen das Deltagebiet bezeichnet, mit Oberägypten das Niltal südlich von Kairo.
Die Länge der ägyptischen Meeresküsten beträgt zwar rund 2 450 Kilometer – zwei Drittel davon am Roten Meer –, die zur Anlage von Häfen geeigneten Buchten beschränken sich aber auf das Deltagebiet des Nil. Der Isthmus von Suez, der die Sinai-Halbinsel mit dem afrikanischen Festland verbindet, wird vom Suezkanal durchschnitten, der das Mittelmeer mit dem Golf von Suez verbindet. Anfang 1997 wurde ein ehrgeiziges Kanalbauprojekt gestartet. Dabei soll Wasser des Nil zu vier Oasen in der Libyschen Wüste geleitet werden. Präsident Mubarak verglich das Milliardenprojekt mit dem Bau des Assuan-Staudammes.
| 3. | Klima |
Die Lage Ägyptens im subtropischen Trockengürtel bewirkt regenarmes Klima mit heißen Sommern und milden Wintern. Der überwiegende Teil Ägyptens ist klimatisch durch lang anhaltende Trockenheit und ganzjährig hohe Sonneneinstrahlung geprägt. Im nördlichen Teil des Landes herrscht das für den Mittelmeerraum typische Winterregenklima. Der Küstenstreifen am Mittelmeer und das Nildelta erhalten während der kalten Jahreszeit Niederschläge, deren Jahressumme jedoch meist 200 Millimeter unterschreitet. Hier liegen auch die regenreichsten Gebiete des Landes. Nur vereinzelt bringen Kaltlufteinbrüche von Norden her Niederschläge bis weit in das Landesinnere. Südlich von Kairo regnet es demgegenüber sehr selten, in vielen Regionen können Niederschläge auch über mehrere Jahre ausbleiben.
Die mittlere Januartemperatur liegt in Kairo bei 12 °C, die des Juli bei 27 °C. Nach Süden hin steigen die Temperaturen; in Assuan betragen die Werte 15 °C im Januar und 32 °C im Juli. In den Wüstengebieten kommt es zu extremen Temperaturunterschieden zwischen Tag und Nacht. Die Tageshöchstwerte können dabei mehr als 50 °C erreichen; nachts sinken die Werte häufig auf unter 5 °C.
| 4. | Flora und Fauna |
Etwa 70 Pflanzenarten sind in Ägypten endemisch. Aufgrund der überwiegend trockenen Bedingungen und der intensiven landwirtschaftlichen Nutzung setzt sich die Flora weitgehend aus Kulturpflanzen zusammen. Vegetationsreich sind in Ägypten vor allem Nildelta, Niltal und Oasen. Die am weitesten verbreitete Baumart ist die Dattelpalme. Zu den wenigen einheimischen Bäumen zählen ferner Maulbeerbäume, Tamarisken, Akazien und Johannisbrotbäume. Daneben wurden Baumarten eingeführt, die ursprünglich nicht in Ägypten beheimatet waren. Dazu gehören Zypressen, Ulmen, Eukalyptus, Mimosen und verschiedene Obstbäume. Auf den Schwemmlandböden insbesondere des Deltagebiets gedeiht eine vielfältige Pflanzenwelt, die auch Weinreben, verschiedene Gemüse und Blumen (z. B. Lotos, Jasmin, Rosen) umfasst. Typische Pflanzen in den Trockengebieten sind Halfagras und verschiedene Dornstraucharten. Die einst an weiten Teilen des Nilufers wachsende Papyrusstaude tritt heute nur noch im äußersten Süden des Landes verbreitet auf.
Wegen des trockenen Klimas gibt es in Ägypten nur wenige einheimische Wildtierarten. In den Wüstengebieten leben Gazellen, Springmäuse, Echsen und Skorpione; vor allem im Deltagebiet sowie in den Bergen entlang des Roten Meeres sind Wüstenfüchse, Hyänen, Schakale, Mungos, Wildesel und Wildschweine verbreitet. Mindestens sieben Säugetierarten sind in Ägypten endemisch. Die im Altertum zahlreichen Krokodile und Nilpferde finden heute nur noch am Oberen Nil geeigneten Lebensraum. Insbesondere im Nildelta und im Niltal gibt es eine große Artenvielfalt an Vögeln. Dazu gehören Nektarvögel, verschiedene Reiher (u. a. Silber-, Seiden-, Küsten-, Nacht- und Kuhreiher), Dommeln, Löffler, Pelikane, Flamingos, Kragentrappen, Wiedehopfe und Limikolen wie Regenpfeifer, Rennvögel und Schnepfen. Zu den Greifvögeln zählen u. a. Gleitaar, Lanner- und Wüstenfalke, Geier (Bart- und Schmutzgeier) sowie Adler (Stein-, Schell-, Habichts- und Fischadler). Im Nil und in den Seen des Deltagebiets leben etwa 100 verschiedene Fischarten.