Bedrohte Arten
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Bedrohte Arten
2. Ursachen

Dem Aussterben und der Gefährdung von Arten liegt ein Geflecht von Ursachen zugrunde; die wichtigste ist die Zerstörung von Lebensräumen. Die Trockenlegung von Feuchtgebieten, die Umwandlung von Buschland in Viehweiden, die Rodung von Wäldern sowie die sich ständig vergrößernden Siedlungsflächen und der Straßenbau haben die natürlichen Lebensräume stark eingeschränkt und zerstückelt. Die tropischen Regenwälder werden in naher Zukunft weitestgehend verschwunden sein, wenn das derzeitige Tempo der Zerstörung anhält. Werden Lebensräume immer mehr zu kleinen Inseln, verlieren die Arten in den Rückzugsgebieten den Kontakt zu anderen Populationen derselben Art. Dies lässt die genetische Vielfalt der Arten verarmen, so dass sie sich weniger gut an Umweltveränderungen anpassen können. Isolierte, kleine Populationen sind deshalb besonders stark vom Aussterben bedroht. In manchen Fällen sind die zerstückelten Lebensräume schließlich so klein geworden, dass sie einer lebensfähigen Population keine Grundlage mehr bieten.

Seit der Steinzeit führt die Bejagung von Wildtieren, um z. B. Nahrung, Felle oder Häute zu gewinnen, zum Aussterben oder zur Gefährdung von Arten. Das Abschlachten von Walen wegen ihres Tranes und Fleisches brachte etliche Walarten an den Rand des Aussterbens. Die neuseeländischen Moas verschwanden im Verlauf des zweiten nachchristlichen Jahrtausends sowohl durch die Jagd als auch durch die Vernichtung ihrer Lebensräume. Der Riesenalk, ein Meeresvogel, starb um 1850 durch übermäßige Bejagung aus, die amerikanische Wandertaube 1914 und der tasmanische Beutelwolf 1936. Heute ist eine der Hauptursachen für die rücksichtslose Verfolgung großer Säugetiere wie Nashörner, Tiger, Schneeleoparden, Großbären und etlicher anderer Arten die Traditionelle Chinesische Medizin, die Teile dieser Tiere zu Pillen, Salben und Tinkturen verarbeitet. In Afrika ist der Handel mit so genanntem Buschfleisch, das u. a. von Menschenaffen stammt, ein Hauptgrund für sinkende Wildtierpopulationen.

Eine weitere wichtige Ursache für das Aussterben einheimischer Spezies ist die Einführung neuer Arten in fremde Ökosysteme (siehe Faunenverfälschung). Importierte Haustiere wie Ziegen oder Hauskatzen, aber auch Wildtiere wie Rotfüchse, die z. B. in Australien eingebürgert wurden, um sie dort zu bejagen, können der ursprünglichen Flora und Fauna erheblichen Schaden zufügen und das ökologische Gleichgewicht stark beeinträchtigen; dies trifft auch auf „blinde Passagiere” zu, die – etwa mit Schiffen verfrachtet – in fremde Ökosysteme gelangen. Gefährdet sind vor allem Inseln, auf denen sich Arten ungestört entwickeln konnten, ohne Raubtieren oder anderen Eindringlingen ausgesetzt zu sein. Beispielsweise waren 75 Prozent aller in den USA ausgestorbenen Spezies in ihrer Verbreitung auf Hawaii beschränkt, wo seit der Landung der ersten Europäer 1778 etwa 3 900 fremde Arten angesiedelt wurden. In Nordamerika sind vor allem auch Süßwasserlebewesen durch eingewanderte Arten gefährdet. Die aus Europa stammende Zebramuschel hat dort bereits mehrere Muschelarten aus Flüssen und Seen verdrängt. Die Bekämpfung von Räubern und Schädlingen wirkt sich ebenfalls nachteilig aus. So hatte die übertriebene Bekämpfung der Präriehunde fast das Aussterben des Schwarzfußiltis zur Folge, der sich vorwiegend von diesen Nagetieren ernährt. Und ein versehentlich eingeschleppter Schlauchpilz ließ beispielsweise die Kastanie aus den nordamerikanischen Laubwäldern nahezu verschwinden.

Eine weitere wichtige Ursache des Aussterbens ist die Umweltverschmutzung. Giftige Chemikalien, insbesondere chlorierte Kohlenwasserstoffe wie Dichlor-Diphenyl-Trichlorethan (DDT) und polychlorierte Biphenyle (PCBs), haben sich in den Nahrungsnetzen angereichert und schädigen vor allem diejenigen Arten, die am Ende der Nahrungsketten stehen. Beispielsweise beeinträchtigen sowohl DDT als auch die PCBs den Calciumstoffwechsel der Vögel, wodurch die Eierschalen weich werden und die Jungen Missbildungen erleiden. Auch bei manchen Fleisch fressenden Tieren stören PCBs die Fortpflanzung. Wasserverschmutzung und steigende Wassertemperaturen – verursacht beispielsweise durch die Zerstörung der natürlichen, Schatten spendenden Ufervegetation – führten in vielen Gewässern zum Aussterben dort beheimateter Fische.