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Fledertiere
1. Einleitung

Fledertiere, Ordnung der einzigen zum aktiven Flug fähigen Säugetiere mit mehr als 1 000 Arten.

Fledertiere bilden zwei Unterordnungen: Flughunde und Fledermäuse. Fledermäuse werden zumeist 17 Familien mit rund 900 Arten zugeordnet. Flughunde repräsentieren mehr als 150 Arten, die man in der Regel zu nur einer Familie zusammenfasst. Fledertiere sind damit nach den Nagetieren die zweitgrößte Säugetierordnung. Man geht heute davon aus, dass die Fledertiere eine stammesgeschichtliche Einheit (eine monophyletische Gruppe) darstellen, also auf einen nur diesen beiden Gruppen gemeinsamen Vorfahren zurückgehen. Fledertiere sind bis ins Eozän nachgewiesen, die Ordnung ist mindestens 52 Millionen Jahre alt.

2. Verbreitung

Fledertiere sind mit Ausnahme der Polargebiete und einiger abgelegener Ozeaninseln weltweit verbreitet. Als wärmeliebende Tiere erreichen sie ihre größte Arten- und Individuendichte in tropischen und subtropischen Gebieten. Alle Flughunde und einige Fledermausfamilien sind auf die Alte Welt und Australien beschränkt, während manche anderen Familien nur in der Neuen Welt vorkommen.

3. Größen

Flughunde sind im Allgemeinen größer als Fledermäuse, doch gibt es einen deutlichen Überschneidungsbereich: Die Flughunde mancher Arten sind kleiner als die größten Fledermäuse. Zu den größten Fledertieren gehört mit einer Kopfrumpflänge von 40 Zentimetern ein südostasiatischer Flughund, der Kalong, der eine Spannweite von etwa 1,7 Metern und ein Gewicht von anderthalb Kilogramm erreichen kann. Das kleinste Fledertier, die thailändische Hummelfledermaus, hat eine Kopfrumpflänge von nur drei Zentimetern und wiegt zwei Gramm.

4. Besonderheiten im Körperbau

Von den heute lebenden Wirbeltieren können nur Fledertiere und Vögel aktiv fliegen. Im Gegensatz zu den Vögeln, deren Flügelflächen von Federn gebildet werden, haben Fledertiere Flughäute, die aus dünnen Hautmembranen bestehen. Die beiden Armflughäute werden mit Hilfe der stark verlängerten Mittelhand- und Fingerknochen sowie der Hinterbeine gespannt; die nur bei Fledermäusen vollständig entwickelte Schwanzflughaut erstreckt sich zwischen den Hinterbeinen. Daumen und Füße ragen frei über die Flughäuten hinaus. Bei den Fledermäusen tragen lediglich Daumen und Hinterfußzehen Krallen, die meisten Flughunde haben eine weitere Kralle an ihrem zweiten Finger. Fledertiere können die Wölbung ihrer Flügel erheblich variieren und ihre aerodynamischen Eigenschaften so an die jeweilige Flugphase anpassen. Um klettern oder laufen zu können, legen Fledertiere die Flughäute zusammen. In Ruhephasen werden die Flughäute ebenfalls zumeist zusammengelegt; manche Arten wickeln die Flughäute auch wie eine Decke um ihren Körper. Die Füße sind relativ schwach, und im Gegensatz zu den meisten anderen Säugetieren zeigen die Zehenspitzen nach hinten, was es dem Fledertier ermöglicht, sich mit dem Kopf nach unten festzukrallen; die Zehen werden auch zur Fellpflege eingesetzt. Männchen lassen sich von Weibchen an dem äußerlich erkennbaren Penis unterscheiden. Die zumeist zwei Zitzen der Weibchen befinden sich an der Brust unweit des Schultergelenks.

5. Ernährung

Der Großteil der Fledermäuse frisst Insekten und kann fliegende Beute fangen oder sitzende Insekten auf Laubwerk und Ähnlichem aufspüren. Die meisten Flughunde und viele Arten der Blattnasen im tropischen Amerika (so genannt wegen der ausgeprägten Hautfalten über der Nase) ernähren sich von Früchten. Andere Vertreter dieser beiden Gruppen fressen andere Pflanzenteile oder nehmen mit Hilfe ihrer stark verlängerten Zungen den Nektar aus Blüten auf und tragen dabei zur Bestäubung von Pflanzen bei. Einige der größeren Blattnasen sind Fleisch- bzw. Allesfresser. Die heute ebenfalls zu dieser Familie gezählten Vampirfledermäuse der amerikanischen Tropen und Subtropen leben ausschließlich von Blut. Manche Fledermausarten fangen Fische.

6. Verhalten

Von wenigen Ausnahmen abgesehen sind Fledertiere dämmerungs- und nachtaktiv. Die Nachtaktivität bietet Fledertieren erhebliche Vorteile: Sie sind dadurch weniger Nahrungskonkurrenz durch andere Tiere und weniger Angriffen durch Räuber ausgesetzt. Tagsüber ruhen Fledertiere in unterschiedlichen Quartieren wie Höhlen, Felsspalten, hohlen Bäumen, Blattwerk, abstehenden Borkenstücken oder Gebäuden. Vor allem Flughunde nutzen auch ungeschützte Schlafplätze im Astwerk von Bäumen.

Nur wenige Arten sind Einzelgänger, die meisten Fledertiere leben in Gesellschaften: Sie versammeln sich zu unterschiedlich großen Gruppen, die aus wenigen Einzeltieren, aber auch aus Tausenden oder sogar Millionen Individuen bestehen können. Viele Gesellschaften bilden sich nur zu bestimmten Jahreszeiten, oft bestehen sie entweder nur aus Weibchen oder nur aus Männchen. Weibchengesellschaften, die sich zur Geburt und Aufzucht der Jungen zusammenfinden, heißen Wochenstuben. Optimale Quartiere werden gelegentlich von mehreren Arten gleichzeitig genutzt.

Fledermäuse orientieren sich durch Echoortung: Sie senden hochfrequente Laute aus und entnehmen dem Echo Informationen über ihre Umwelt. Flughunde verlassen sich bei der Orientierung eher auf ihre relativ großen Augen als auf ihr Gehör. Einige höhlenbewohnende Flughunde nutzen allerdings ebenfalls das Prinzip der Echoortung: Sie senden in völliger Dunkelheit auch für den Menschen hörbare „Klicks” aus.

7. Fortpflanzung und Lebenserwartung

Die Fortpflanzungsrate von Fledertieren ist für Säugetiere ihrer Größe bemerkenswert gering. Die Weibchen der weitaus meisten Arten bringen pro Jahr nur ein Junges zur Welt. Als Ausgleich können Fledertiere ein für Kleinsäuger hohes Alter von etwa 5 bis 15 Jahren erreichen, in Ausnahmefällen wurden mehr als 30 Jahre nachgewiesen.

8. Systematische Einordnung

Fledertiere bilden die Ordnung Chiroptera. Flughunde bilden die Unterordnung Megachiroptera und Fledermäuse die Unterordnung Microchiroptera. Der Kalong heißt wissenschaftlich Pteropus vampyrus, die Hummelfledermaus heißt Craseonycteris thonglongyai. Vampirfledermäuse bilden die Unterfamilie Desmodontinae der Familie Phyllostomidae.