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| 4. | Vorkommen |
Ein „Kieselstein”, den ein Kind 1866 am Ufer des Flusses Oranje in Südafrika fand und der später als 21-karätiger Diamant identifiziert wurde, leitete in dieser Region die Eröffnung der Diamantenfelder ein. Der Diamantrausch bei der Suche nach angeschwemmten Diamanten im Kies der Flüsse Oranje und Vaal setzte 1870 und 1871 ein, nachdem im Gebiet des heutigen Kimberley „dry diggings” entdeckt worden waren: annähernd runde Stücke gelben Tones, in denen Diamanten steckten.
Als die Bergleute tiefer im Ton gruben, den sie „yellow ground” (gelber Boden) nannten, fanden sie darunter ein hartes, bläuliches Gestein, das sich ebenfalls als ergiebig erwies. Dieser „blue ground” (blauer Boden) ist Kimberlit, ein Gestein aus der Peridotitfamilie. Es ist das Ausgangsmaterial, aus dem sich der gelbe Boden durch Verwitterung gebildet hat. Beim weiteren Vortrieb der Grube stellte sich heraus, dass die kreisförmigen Flächen gelben und blauen Bodens die oberen Teile trichterförmiger Röhren aus Kimberlit sind, von denen eine vulkanische Entstehung angenommen wird. Das Gestein muss aus sehr großen Tiefen aufgestiegen sein. Ähnliche Röhren, die aber nicht alle Diamanten enthalten, fand man an anderen Orten Südafrikas.
Diamantlagerstätten befinden sich außerdem in Tansania, Zaire, Ghana, Sierra Leone, Australien, Borneo, im Ural, in Sibirien, Venezuela und Guayana. In Indien, wo sich jahrhundertelang der einzige bekannte Diamantenfundort befand, beschränkt sich die heutige Gewinnung auf kleine Mengen an Diamanten. In Brasilien gibt es Lagerstätten nahe der Stadt Diamantina in Minas Gerais, in Bahia und im südlichen Zentralbrasilien. Aus den brasilianischen Diamantgruben wird hauptsächlich Ballas und Carbonado gefördert.
Nach einem Bericht der Zeitschrift Nature (Bd. 378, 1995) sollen im Nördlinger Ries über 50 000 Tonnen Diamanten lagern. Sie sollen bei einem Meteoriteneinschlag vor 14,7 Millionen Jahren entstanden sein. Die Diamanten sind allerdings mikroskopisch klein und daher wirtschaftlich bedeutungslos.
Forscher eines amerikanischen Ölkonzerns konnten Anfang 2003 in Erdöl „Kleinstdiamanten” nachweisen. Diese Exemplare haben Durchmesser von wenigen Nanometern (milliardstel Meter) und werden zu den so genannten Diamondoiden gezählt.