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Häresie (zu griechisch haíresis: das Gewählte, das Nehmen), im antiken Griechenland und im Hellenismus neutrale Bezeichnung für jegliches Eintreten für religiöse oder politische Lehren, später dann für all jene religiösen Positionen, die im Widerspruch zu einem Kirchendogma stehen. Damit wurde der Begriff zum Synonym für den mittelalterlichen Vorwurf der Ketzerei. In der Apostelgeschichte und in den Paulusbriefen wird Sektierertum als Häresie bezeichnet. Das frühe Christentum verwendete den Begriff der Häresie im abfälligen Sinn für einen Glauben, der zu den Kirchenlehren in Widerspruch stand. Als das Christentum im römischen Kaiserreich zur Staatsreligion avancierte, galt Häresie als Verbrechen gegen den Staat. Dementsprechend wurde sie nach weltlichem Gesetz bestraft. Die Reformation stellte die Auslegung der Heiligen Schrift durch den einzelnen Gläubigen in den Mittelpunkt, wodurch sie die Autorität der Kirche in Glaubensfragen (und damit den Häresievorwurf) relativierte. Seit dem 19. und 20. Jahrhundert setzte sich immer mehr das Prinzip der religiösen Toleranz durch, wobei jedoch gleichzeitig neue Formen des Fundamentalismus aufkamen. Im Protestantismus wird alles, was den Sinn des Evangeliums verfremdet bzw. entstellt, Häresie genannt.
Siehe auch Orthodoxie; Inquisition