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Sarawak
1. Einleitung

Sarawak, größter Bundesstaat Malaysias, an der Nordwestküste der Insel Borneo gelegen.

Im Nordosten grenzt Sarawak an den malaysischen Bundesstaat Sabah und das Sultanat Brunei, im Osten, Süden und Westen an das indonesische Gebiet Kalimantan und im Nordwesten an das Südchinesische Meer. Sarawak wird durch etwa 640 Kilometer offenes Meer von der Malaccahalbinsel (Malaya) getrennt. Mit einer Fläche von 124 449 Quadratkilometern ist Sarawak fast genauso groß wie die ganze Malaccahalbinsel; seine Küste ist insgesamt etwa 725 Kilometer lang. Hauptstadt von Sarawak ist die im Südwesten gelegene Hafenstadt Kuching.

2. Land

Kuching liegt in der Nähe der Mündung eines der zahlreichen schiffbaren Flüsse des Bundesstaates, des Sarawak. Der in westöstlicher Richtung fließende Rajang (560 Kilometer Länge) im Zentrum Sarawaks ist Malaysias längster Fluss; er ist bis zum Hafen von Kapit schiffbar, 160 Kilometer von der Küste entfernt. Abgesehen von der flachen, aus Schwemmland bestehenden Küstenebene, die von Mangrovensümpfen beherrscht wird, ist Sarawak vorwiegend gebirgig. Höchste Erhebung ist der Marud mit 2 423 Meter Höhe. Wie andere Teile Malaysias besitzt Sarawak zahlreiche Gebirgsteile mit anstehendem Massenkalk, in denen sich viele große Höhlenformationen befinden. Im Berg Mulu nahe der Grenze nach Brunei befindet sich das größte natürliche unterirdische Höhlensystem der Welt, die Sarawak-Kammer, die auch die allein schon 51 Kilometer lange Clearwater-Höhle umfasst.

Das Landesinnere besteht aus dichtem Regenwald (teilweise noch Primärregenwald) und ist nur über die Flüsse zugänglich. Sarawak besitzt ein feucht-heißes, tropisches Klima. Es fallen ganzjährig Niederschläge mit einem Maximum zwischen November und Februar, in der Zeit des Nordostmonsuns; die mittlere jährliche Niederschlagsmenge liegt bei 3 300 bis 4 600 Millimetern.

3. Bevölkerung

Sarawak hat etwa 1,7 Millionen Einwohner; daraus ergibt sich eine mittlere Bevölkerungsdichte von etwas über 13 Einwohnern pro Quadratkilometer. Der Großteil der Bevölkerung konzentriert sich entlang der Flussläufe und in den Küstenstädten; Kuching hat ungefähr 157 000 Einwohner; weitere große Städte sind Sibu (114 000 Einwohner), das 128 Kilometer flussaufwärts am Rajang liegt, sowie Miri (91 000 Einwohner) an der Küste nahe der Grenze zu Brunei. Sarawak ist eines der Hauptverbreitungsgebiete der Dayak, einer der größten Ureinwohnergruppen Borneos. Ungefähr die Hälfte der Einwohner des Bundesstaates gehören zu verschiedenen Volksgruppen der Ureinwohner, hauptsächlich zu den Iban (auch See-Dayak genannt, etwa 29 Prozent der Gesamtbevölkerung) und den Kendayan (auch Land-Dayak, fast neun Prozent). Weitere große Volksgruppen sind die Chinesen (29 Prozent) und Malaien (knapp über 21 Prozent). Die Amtssprache ist Bahasa Malaysia (Malaiisch), es wird jedoch auch Englisch gesprochen. Von der Konfession her haben Muslime, zu denen ein Großteil der Malaien sowie konvertierte Dayak zählen, einen großen Bevölkerungsanteil; etwa 29 Prozent der Bevölkerung sind Christen und 19 Prozent Buddhisten; viele Dayak sind außerdem Anhänger ihrer traditionellen animistischen Religionen.

4. Wirtschaft

Der überwiegende Teil der Bevölkerung lebt von der Landwirtschaft; die Staatseinnahmen werden jedoch großteils durch die Holzwirtschaft und die Förderung von Erdöl und Erdgas erwirtschaftet (jeweils 32 Prozent, 28 Prozent bzw. 23 Prozent der gesamten Exporteinnahmen). 1910 wurde vor der Küste zum ersten Mal Erdöl entdeckt; heute kommt etwa ein Drittel der gesamten malaysischen Erdölförderung aus Sarawak. Die reichen Erdgasvorkommen des Landes liegen hauptsächlich im Laconiafeld, das vor der Stadt Bintulu (südwestlich Miri) liegt; dort befindet sich das bedeutendste Zentrum der Schwerindustrie und des Erdöl- und Erdgashandels. Sarawak besitzt etwa zehn Millionen Hektar Wald, der Schätzungen zufolge jährlich bis zu zehn Millionen Kubikmeter Stammholz produzieren könnte. Weitere bedeutende Exportprodukte sind Gummi, Palmöl, Kopra (siehe Kokospalme), Kakaobohnen, Gold, Bauxit und Pfeffer – Sarawak ist für 90 Prozent der gesamten Pfefferproduktion Malaysias verantwortlich. Reis ist das wichtigste angebaute Nahrungsmittel. In jüngster Zeit gewinnt der Tourismus zunehmend an Bedeutung; zu Beginn der neunziger Jahre kamen jährlich fast 265 000 Touristen nach Sarawak.

5. Politik

Sarawak ist einer der 13 malaysischen Bundesstaaten; er ist einer der vier Bundesstaaten, in denen das Staatsoberhaupt gewählt und nicht durch Erbfolge bestimmt wird wie in den anderen neun Mitgliedsstaaten, die durch Sultane oder Fürsten regiert werden. Der Yang di-Pertuan Negeri Sarawak oder Gouverneur von Sarawak wird für eine Amtszeit von vier Jahren vom Yang di-Pertuan Agong (dem gewählten malaysischen König) auf den Rat des obersten Ministers von Sarawak hin ernannt. Der Gouverneur handelt nach dem Rat des exekutiven Höchsten Rates, das vom obersten Minister geleitet wird. Die Parlamentsversammlung des Bundesstaates hat 56 Mitglieder, die alle fünf Jahre gewählt werden. Sarawak hat 27 Sitze im Repräsentantenhaus Malaysias (dem Unterhaus des Föderativen Parlaments) und fünf Sitze im Senat (dem Oberhaus). Wie die anderen Bundesstaaten hat auch Sarawak eine eigene Verfassung, nach der es regiert wird und das ihm eine weit reichende Autonomie sichert. Ein High Court (Hohes Gericht) ist für Sarawak und Sabah zuständig.

6. Geschichte

Das gegenwärtige Gebiet von Sarawak stand bis 1841 unter der Herrschaft des muslimischen Sultanats Brunei. In diesem Jahr belohnte der Sultan von Brunei den britischen Abenteurer Sir James Brooke für seine Hilfe bei der Niederschlagung eines Aufstands, indem er ihm Ländereien im Bereich des heutigen Staates vermachte und ihm den Titel eines Radscha von Sarawak verlieh. Brooke, der erste von drei „weißen Radschas” des Landes, dehnte 1881 seinen Herrschaftsbereich bis nach Bintulu aus. Sein Neffe, Charles Brooke, dehnte unter seiner Herrschaft die Grenzen Sarawaks bis zum Trusantal (1885), zum Limbangtal (1890) und nach Lawas (1905) aus. 1847 wurde die ganze Nordküste Borneos von Großbritannien erobert.

1864 erkannten die Briten Sarawak als eigenen Staat an, und 1888 wurde das Gebiet zu einem Protektorat der britischen Krone. Der letzte weiße Radscha, Charles Vyner Brooke, trat 1917 die Nachfolge seines Vaters an. Als ersten Schritt zu einer demokratischen Selbstverwaltung Sarawaks hob er 1941 seine uneingeschränkten Machtbefugnisse auf. Von 1942 bis 1945 besetzten die Japaner im 2. Weltkrieg das Land. 1946 trat der Radscha Sarawak an Großbritannien ab und es wurde zu einer Kronkolonie. Zusammen mit den Malaiischen Staaten (dem ehemaligen Malaiischen Bund) sowie Singapur und Sabah (ehemals Britisch-Nordborneo) gründete Sarawak 1963 die unabhängige Föderation Malaysia, aus der zwei Jahre später Singapur jedoch wieder austrat.