Tiere
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Tiere
1. Einleitung

Tiere, alle vielzelligen Lebewesen, die ihre Energie durch die Verdauung von Nährstoffen gewinnen und deren Zellen zu Geweben organisiert sind; diese Arten werden zum Tierreich zusammengefasst.

Im Gegensatz zu den Pflanzen, die Nährstoffe mit Hilfe der Photosynthese aus anorganischen Verbindungen aufbauen, und den Pilzen, die in der Regel von Nährstoffen umgeben sind und sich von diesen ernähren, verschaffen sich die Tiere aktiv ihre Nahrung und verdauen sie in ihrem Inneren. Aufgrund dieser Ernährungsweise haben Tiere viele weitere Merkmale, an denen man die meisten von ihnen leicht von anderen Lebensformen unterscheiden kann. Mit Systemen aus spezialisiertem Gewebe können sich die Tiere auf der Suche nach Nahrung frei bewegen, oder sie bleiben den größten Teil ihres Lebens an einem Ort (sessile Tiere) und ziehen die Nahrung zu sich heran. Viele Tiere besitzen ein hoch entwickeltes Nervensystem und kompliziert gebaute Sinnesorgane, mit denen sie sich über ihre Umwelt informieren; im Zusammenhang mit spezialisierten Bewegungen sind sie auf diese Weise in der Lage, schnell und flexibel auf äußere Reize zu reagieren. Anders als Pflanzen wachsen alle Tiere nur zu einer festgelegten, für die jeweilige Art charakteristischen Form und Größe heran. Die Fortpflanzung erfolgt vorwiegend sexuell, und der Embryo macht ein Blastulastadium durch.

Wegen der offenkundigen Unterschiede zwischen Pflanzen und Tieren teilte man früher alle Lebewesen in die zwei Organismenreiche Plantae und Animalia ein. Als man später die Welt der Mikroorganismen genauer erforschte, erkannte man, dass manche von ihnen pflanzenähnlich waren: Ihre Zellen waren von einer Zellwand umgeben und enthielten Körperchen, die Photosynthese ausführten. Andere dagegen ähnelten Tieren, denn sie konnten sich (mit Geißeln oder Pseudopodien) fortbewegen und verdauten organische Nährstoffe. Diesen zweiten Typ, Protozoen oder Urtierchen genannt, betrachtete man als Untergruppe des Tierreiches. Schwierigkeiten ergaben sich aber bei vielen Arten mit uneinheitlichen Eigenschaften und bei Gruppen, in denen manche Organismen pflanzenähnlich waren, während andere tierähnliche Flagellaten waren. Das führte schließlich zu einer neueren Einteilung mit mehreren Organismenreichen (heute meist fünf), in der man Tiere und Pflanzen enger definierte.

In dieser Enzyklopädie wird ein Klassifikationssystem mit fünf Organismenreichen verwendet. Danach bezeichnet man als Tiere nur Lebewesen mit differenziertem Gewebe. Die verschiedenen Gruppen der Protozoen werden dagegen ins Reich der Protista gestellt. Diese Trennung von Protozoen und höheren Tieren ist aber nicht völlig befriedigend, denn jedes Einteilungssystem sollte die entwicklungsgeschichtlichen Verwandtschaftsbeziehungen widerspiegeln, und man nimmt an, dass in der Evolution mehrmals vielzellige Formen aus einzelligen Vorfahren entstanden sind. Außerdem bilden manche Protozoen auch Kolonien, die kaum von einfach gebauten vielzelligen Tieren zu unterscheiden sind.