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| 3. | Körperbau |
Den Körperbauplan der verschiedenen Tierarten kann man sowohl historisch als auch unter Funktionsgesichtspunkten interpretieren. Die vergleichende Anatomie ist ein Mittel, um Tiere in Verwandtschaftsgruppen einzuordnen und ihre Evolution nachzuvollziehen und zu erkären.
| 1. | Darm |
Der Darm muss in der Evolution der Metazoen schon sehr früh entstanden sein. Schwämme, die zu den am einfachsten gebauten Tieren gehören, besitzen eine Körperhöhle für die Nahrungsaufnahme, aber ihre Körperöffnungen sind nicht mit einem Mund oder After zu vergleichen. Etwas komplizierter sind die Quallen und ihre Verwandten aus dem Stamm der Hohltiere gebaut, die sich ihre Nahrung in der Regel aktiv mit Hilfe von Tentakeln beschaffen. Wie die primitivsten Würmer, die Plattwürmer, haben sie einen sackartigen Darm und eine Mundöffnung, aber keinen After. Letzterer tritt erstmals bei den Schnurwürmern auf und zeichnet sämtliche höheren Stämme aus.
| 2. | Symmetrie |
Anhand der Symmetrie kann man die meisten Tiere in zwei große Kategorien einteilen: Radiata und Bilateria. Die Radiata besitzen nur zwei Hauptgewebeschichten: eine äußere (Ektoderm) und eine innere (Entoderm). Ihr Körper zeigt keine zweiseitige Symmetrie, also keine linke und rechte Seite, wie man sie bei den höher entwickelten Tieren einschließlich des Menschen findet. Stattdessen sind diese Tiere radialsymmetrisch gebaut, d. h., die Symmetrie bezieht sich auf eine Mittelachse. Bei der großen Gruppe der Bilateria liegt zwischen Ektoderm und Entoderm als dritte Schicht das Mesoderm. In der Embryonalentwicklung gehen aus dem Ektoderm in der Regel Haut und Nervensystem hervor, aus dem Entoderm entstehen der Darm und einige mit ihm verbundene Organe, und das Mesoderm entwickelt sich zu den restlichen Körperteilen, u. a. zu den Muskeln. Die Entwicklung der zweiseitigen Symmetrie war in der Evolution auch mit einer zunehmenden Fähigkeit zur aktiven Fortbewegung gekoppelt, die allerdings in manchen Entwicklungslinien später wieder verloren ging. Die Bewegung in eine bestimmte Richtung wurde durch die Entwicklung des Kopfes erleichtert, der Gehirn und Sinnesorgane am vorderen Körperende vereinigte.
| 3. | Protostomier und Deuterostomier |
Innerhalb der Bilateria kann man fast alle Stämme anhand der frühen Embryonalstadien in zwei große Verwandtschaftsgruppen einteilen, obwohl sie sich im ausgewachsenen Zustand stark unterscheiden. Man unterscheidet Protostomier, bei denen der Urmund des Embryos zur Mundöffnung des ausgewachsenen Tieres wird und ein After neu gebildet wird, von Deuterostomiern, bei denen der Mund des frühen Embryos später zum After wird und eine neue Mundöffnung gebildet wird. Dieser Unterschied bringt es mit sich, dass das sich später bildende Nervensystem bei den Protostomiern generell auf der Bauchseite liegt, bei den Deuterostomiern dagegen auf der Rückenseite. Innerhalb beider Kategorien unterscheidet man weitere Verwandtschaftsgruppen anhand des Zellteilungsschemas im frühesten Embryonalstadium. Wenn diese bei zwei Tierarten gleich oder ähnlich abläuft, entstehen in der Folge auch sehr ähnliche Larven (wie etwa die Trochophora der Trochozoa, siehe unten), die sich in den einzelnen Stämmen dann unterschiedlich weiterentwickeln.
| 4. | Coelom |
Die Urbilateria besaßen zwar vermutlich schon ein einfach gebautes Ausscheidungssystem, es fehlten ihnen aber sowohl ein After als auch ein Blutkreislauf. Unter diesen Voraussetzungen können sich die Nährstoffe in ihrem Körper nur schwer verteilen, weswegen Wachstum und Beweglichkeit stark eingeschränkt bleiben. Unter den heute lebenden Tieren ist dieser Bauplan in Form der Plattwürmer (Stamm Plathelminthes) vertreten. Die Schnurwürmer (Stamm Rhynchocoela) besitzen Kreislauf und After, aber auch sie können sich nur langsam und schwerfällig fortbewegen. Beide Stämme fasst man als Acoelomata zusammen.
Ein wichtiger entwicklungsgeschichtlicher Fortschritt war daher das so genannte Coelom als zusätzliche Körperhöhle neben dem Darm. Es verschafft den inneren Organen mehr Möglichkeiten bei der Entwicklung, indem es die Strukturierung des Körpers erhöht und neue Ansatzstellen für die Gewebebildung liefert. In manchen Abstammungslinien wurde es zum Kreislaufsystem und zum Skelett. Als so genanntes Hydroskelett, ein mit Flüssigkeit gefüllter, gekammerter Hohlraum, erlaubt das Coelom den Ringelwürmern (Stamm Annelida) im Zusammenwirken mit der Muskulatur einen deutlichen Fortschritt in der Beweglichkeit des Körpers. Bei den meisten Stachelhäutern (Stamm Echinodermata) stellt es ein stark verzweigtes Kanalsystem dar, zu dem auch die der Fortbewegung dienenden Tentakel gehören.
Das Coelom tritt in zwei Haupttypen auf. Ein echtes Coelom ist ein Hohlraum innerhalb des Mesoderms, der von einer Hautschicht (Epithel) ausgekleidet ist. Bei einem Pseudocoelom dagegen fehlt diese innere Schicht. Diese zweite Form der Körperhöhle findet man bei mehreren Stämmen meist wurmähnlicher Tiere, die man deshalb auch Pseudocoelomata nennt. Wie die Acoelomata sind diese Tiere meist nur von bescheidener Größe und können sich nur schlecht fortbewegen. Der Kreislauf fehlt, und auch in anderer Hinsicht sind sie recht einfach gebaut. Dennoch können sie sich in manchen Lebensräumen sehr erfolgreich behaupten. Alle Tiere mit einem echten Coelom werden Eucoelomata genannt.
| 5. | Arten der Coelombildung |
Die Eucoelomata kann man (allerdings nicht ganz streng) anhand der Art, wie sich das Coelom beim Embryo bildet, weiter unterteilen. Bei den Schizocoela spaltet sich das Coelom vom Mesoderm ab, bei den Enterocoela dagegen ist es ein Auswuchs des Darmes. Die echten Schizocoela gehören zum Stamm Ringelwürmer. In dieser Gruppe entstand die Metamerie oder Segmentierung, d. h. die Untergliederung des Körpers in eine Reihe mehr oder weniger gleichartiger Abschnitte, die u. a. eine bessere Fortbewegung ermöglichte. Bei den Gliederfüßern (Stamm Arthropoda) blieb die Segmentierung erhalten; außerdem besitzen diese ein hartes Außenskelett, das die Bewegung noch mehr erleichtert und darüber hinaus als Stütze und Schutzpanzer dient. Die Weichtiere oder Mollusken (Stamm Mollusca) zeigen ein verkümmertes Coelom und kaum Anzeichen einer Segmentierung; eine Stützfunktion übernimmt hier meist die charakteristische Schale, welche den weichen Körper auch nach außen schützt.
| 6. | Deuterostomier |
Die Großgruppe der Deuterostomier umfasst fast alle Enterocoela und damit den Rest des Tierreiches: Stachelhäuter, Bartwürmer, Pfeilwürmer, Hemichordata und Chordatiere. Diese Stämme zeigen viele gemeinsame Entwicklungsmerkmale, wie etwa keinerlei Coelom-Segmentierung des Typs, wie man ihn bei Ringelwürmern findet. Sie sind möglicherweise auch mit den drei Stämmen der Tentaculata verwandt, denn bei einigen Arten dieser Gruppe bildet sich das Coelom ebenfalls als Enterocoel. Als weitere Gemeinsamkeit besitzen manche Larven der Deuterostomier, alle Stachelhäuter und alle Hemichordata wie die Tentaculata drei Paare von Coelom-Hohlräumen und oft auch drei zugehörige Körperabschnitte. Trotzdem zählt man Letztere zu den Protostomiern, weil bei ihnen der Urmund des Embryos zur Mundöffnung des ausgewachsenen Tieres wird.
Die ausgewachsenen Deuterostomier sind sehr vielgestaltig: Pfeilwürmer sind dazu ausgestattet, im Wasser zu treiben und aktiv zu schwimmen, Bartwürmer sitzen in selbst gebauten Röhren am Meeresgrund, Stachelhäuter haben die zweiseitige Symmetrie verloren und sind zur Radialsymmetrie zurückgekehrt (in der Regel fünfstrahlig, so bei den meisten Seesternen); die wurmähnlichen Hemichordata sind sehr einfach gebaut und leben einzeln oder in Kolonien im Meer. Die am höchsten entwickelten Merkmale, wie ein kompliziertes Gehirn und die Fähigkeit zu schneller Fortbewegung, entstanden erst in der Abstammungslinie der Chordatiere.
Im Folgenden soll ein kurzer Überblick über die Stämme des Tierreichs gegeben werden. Sie wurden nach den oben beschriebenen Kriterien zu größeren Einheiten zusammengefasst. Weitere Informationen finden sich in eigenen Artikeln unter dem umgangssprachlichen Namen des jeweiligen Stammes oder Überstammes. Die jeweils angegebenen Artenzahlen sind ungefähre Schätzungen und schließen fossile Arten nicht ein.