Palästina
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Palästina
3. Geschichte

Seit dem 3. Jahrtausend v. Chr. sind in Palästina Stadtstaaten nachweisbar, die unter dem Einfluss von Ägypten standen. In Palästina trafen die Verkehrswege von drei Kontinenten aufeinander. Dadurch wurde es zum Schnittpunkt für religiöse und kulturelle Einflüsse aus Ägypten, Syrien, Mesopotamien und Kleinasien. Die Vormachtstellung Ägyptens war im Lauf des 2. Jahrtausends v. Chr. bedroht durch die Einwanderung von Amoritern, Hethitern und Hurritern. Diese wurden jedoch von den Ägyptern besiegt und gingen im Volk der Kanaaniter auf, das zu dieser Zeit wohl aus rund 200 000 Menschen bestand. Nach dem 14. Jahrhundert v. Chr. wurde die Macht Ägyptens schwächer. Neue Einwanderer kamen in die Region: die Israeliten, eine Gruppe semitischer Stämme aus Mesopotamien, und die Philister, ein Volk indoeuropäischer Abstammung aus der Ägäis.

1. Das israelitische Königreich

Israelitenstämme wanderten in das Gebiet ein, wahrscheinlich bereits einige Jahrhunderte bevor Moses sein Volk aus der Sklaverei Ägyptens führte (1270 v. Chr.) und Josua Teile Palästinas eroberte (1230 v. Chr.). Die Eroberer siedelten im Hügelland, konnten jedoch nicht ganz Palästina besetzen.

Schließlich besiegten die Israeliten um 1125 v. Chr. die Kanaaniter, doch ihr Kampf gegen die Philister erwies sich als schwieriger. Diese hatten an der Südküste Palästinas einen unabhängigen Staat errichtet und kontrollierten eine Reihe von Städten. Da sie militärisch besser organisiert waren und bereits Eisenwaffen verwendeten, bescherten sie den Israeliten um 1050 v. Chr. eine schwere Niederlage. Die Bedrohung durch die Philister zwang die Israeliten dazu, sich zu vereinigen und eine Monarchie zu begründen. Schließlich besiegten sie unter König David die Philister kurz nach 1000 v. Chr. und vermischten sich schließlich mit den Kanaanitern.

Die Einheit Israels und die Schwäche der angrenzenden Reiche ermöglichten es David, einen großen, unabhängigen Staat zu schaffen, dessen Hauptstadt Jerusalem wurde. Nachdem Israel unter der Herrschaft von Davids Sohn und Nachfolger Salomo eine Zeit des Friedens und des Wohlstandes genossen hatte, wurde das Königreich nach seinem Tod 922 v. Chr. geteilt in das Reich Israel im Norden und das Reich Juda im Süden. Als die umgebenden Reiche anfingen, sich erneut auszudehnen, konnte das geteilte Volk der Israeliten seine Unabhängigkeit nicht länger bewahren. Israel fiel zwischen 722 und 721 v. Chr. an Assyrien. Juda wurde 586 v. Chr. durch die Babylonier erobert, die Jerusalem zerstörten und die meisten der dort lebenden Juden verbannten.

2. Persische Herrschaft

Die ins Exil geschickten Juden durften ihre nationale und religiöse Identität bewahren; einige ihrer wichtigsten theologischen Schriften und viele historische Bücher des Alten Testaments wurden im Exil geschrieben. Als Kyros der Große von Persien Babylon 539 v. Chr. erobert hatte, durften die Juden nach Judäa, einen Bezirk in Palästina, zurückkehren. Die persischen Herrscher gestatteten den Juden eine beträchtliche Selbständigkeit. Diese errichteten die Stadtmauern Jerusalems neu und formulierten die mosaischen (jüdischen) Gesetze in der Thora, nach der sich das soziale und religiöse Leben zu richten hatte.

3. Römische Provinz

Die persische Herrschaft in Palästina wurde durch die griechische abgelöst, als Alexander der Große aus Makedonien das Gebiet 333 v. Chr. einnahm. Alexanders Nachfolger, die Ptolemäer aus Ägypten und die Seleukiden aus Syrien, hielten die Herrschaft über das Land aufrecht. Im 2. Jahrhundert v. Chr. revoltierten die Juden jedoch unter Führung der Makkabäer. Sie errichteten zwischen 141 und 63 v. Chr. einen unabhängigen Staat, bis Pompeius Palästina für Rom eroberte und zu einer römischen Provinz machte, die von jüdischen Königen regiert wurde.

Zwei jüdische Aufstände in den Jahren 66 bis 73 und 132 bis 135 n. Chr. wurden unterdrückt. Nach dem zweiten Aufstand wurden zahlreiche Juden getötet und viele als Sklaven verkauft. Judäa wurde in Syria Palaestina umbenannt.

Palästina wurde besondere Aufmerksamkeit zuteil, als der römische Kaiser Konstantin I. das Christentum 313 zur rechtmäßigen Religion erklärte. Seine Mutter Helena besuchte Jerusalem, und Palästina wurde als das Heilige Land zum Ziel christlicher Pilgerreisen. Es folgte ein goldenes Zeitalter, geprägt durch Wohlstand, Sicherheit und eine kulturelle Blüte, in der der größte Teil der Bevölkerung zum Christentum bekehrt wurde. Die byzantinische Herrschaft wurde jedoch durch eine kurze persische Besetzung (614-629) unterbrochen und endete, als muslimische Araber in Palästina eindrangen und 638 Jerusalem eroberten.

4. Das arabische Kalifat

Mit der Eroberung durch die Araber begannen 1 300 Jahre muslimischer Präsenz in der Region, die auf arabisch Filastin genannt wurde. In dieser Zeit wurde Jerusalem nach Mekka und Medina zur drittwichtigsten Stadt des Islam. Die muslimischen Herrscher verzichteten darauf, ihre Religion den Palästinensern aufzuzwingen, und es dauerte mehr als 100 Jahre, bis die Mehrheit der Bevölkerung zum Islam übergetreten war. Palästina profitierte vom Handel des Reiches und von seiner religiösen Bedeutung während der ersten Kalifendynastie der Omaijaden (Umaijaden) von Damaskus, unter denen die arabischen Eroberungen ihren Höhepunkt erreichten. Nachdem die Abbasiden im Jahr 750 Bagdad zum politischen Zentrum bestimmt hatten, nahm die Bedeutung Palästinas kontinuierlich ab. Das Gebiet war wiederholt Schauplatz von Unruhen und wurde nachfolgend von Seldschuken, Fatimiden und europäischen Kreuzfahrern beherrscht. Doch hatte es auch teil am Ruhm der muslimischen Welt, als diese ihr goldenes Zeitalter der Wissenschaft, Kunst, Philosophie und Literatur erlebte. Erst unter den Mamelucken (Mamluken) kam die weitere Entwicklung Palästinas zum Stillstand.

5. Osmanische Herrschaft

Die osmanischen Türken aus Kleinasien besiegten die Mamluken 1517 und beherrschten Palästina mit kurzen Unterbrechungen bis zum Winter 1917/18. Das Land war unterteilt in verschiedene Bezirke, deren Verwaltung weitgehend in der Hand arabischer Palästinenser lag. Den christlichen und jüdischen Gemeinden wurde jedoch ein großes Maß an Autonomie zugestanden. Während des 16. Jahrhunderts erlebte Palästina im Schatten des Osmanischen Reiches eine erneute Blüte bis zu dessen Abstieg im 17. Jahrhundert.

Im 19. Jahrhundert engagierten sich europäische Mächte auf der Suche nach Rohstoffen und neuen Absatzmärkten sowie aufgrund strategischer Interessen im Nahen Osten. Zwischen 1831 und 1840 dehnte Mehmed Ali, Vizekönig und Begründer des modernen Ägypten, seine Herrschaft auch über Palästina aus. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts suchten zahlreiche Juden auch aufgrund des zunehmenden Nationalismus in Europa eine neue Heimat und kamen ins „Gelobte Land” nach Palästina. 1880 stellten die arabischen Palästinenser etwa 95 Prozent der Gesamtbevölkerung von rund 450 000 Einwohnern. Dennoch reagierten einige palästinensische Führer alarmiert auf die jüdische Einwanderung und wurden zu unnachgiebigen Gegnern des Zionismus.

6. Das britische Mandat

Mit Hilfe der Araber besetzten die Briten im Kampf gegen das Osmanische Reich 1917 bis 1918 Palästina. Bereits 1915 hatte die britische Regierung den Arabern die Herrschaft über Palästina für die Zeit nach dem 1. Weltkrieg in Aussicht gestellt. England hatte jedoch auch andere konfliktträchtige Zusagen gegeben. So hatte es in dem geheimen Sykes-Picot-Abkommen mit Frankreich und Russland (1916) vereinbart, die Region nach dem Krieg mit seinen Verbündeten zu teilen und gemeinsam zu regieren. In einer dritten Vereinbarung, der Balfour-Deklaration von 1917, versprach England den Juden, deren Hilfe es im Krieg benötigte, eine jüdische „nationale Heimstatt” in Palästina. Dieses Versprechen wurde nachfolgend in das Mandat für Palästina eingearbeitet, das der Völkerbund im Jahre 1922 an Großbritannien übertrug.

Während der Mandatszeit (1922-1948) fiel es den Briten schwer, ihre widersprüchlichen Zusagen gegenüber Juden und Palästinensern miteinander zu vereinbaren. Die Zionisten stellten sich eine jüdische Einwanderung im großen Umfang vor, einige sprachen sogar von der Gründung eines jüdischen Staats, der ganz Palästina umfassen sollte. Die arabischen Palästinenser dagegen fürchteten eine Verdrängung durch die Zionisten; antizionistische Angriffe ereigneten sich in Jerusalem (1920) und Jaffa (1921).

Nach 1928, als die jüdische Einwanderung zunahm, kam die britische Haltung zur palästinensischen Frage ins Wanken. Nach der 1933 erfolgten Machtübernahme durch die Nationalsozialisten in Deutschland stieg die Zahl der jüdischen Einwanderer in Palästina noch einmal stark an, und allein im Jahr 1935 kamen fast 62 000 Juden in das Gebiet. Die Furcht vor der Dominanz der Juden war die Hauptursache für die arabische Revolte, die 1936 ausbrach und bis 1939 andauerte. Danach schränkten die Briten erneut jüdische Einwanderung und Landkäufe ein.

7. Die Zeit nach dem 2. Weltkrieg

Der Kampf um Palästina, der während des 2. Weltkrieges nachgelassen hatte, flammte 1945 wieder auf. Die Schrecken des Holocaust hatten den Druck noch verstärkt, eine dauerhafte Lösung für Palästina zu finden. Nachdem die Vereinten Nationen im November 1947 die Teilung Palästinas in einen jüdischen und einen arabischen Staat beschlossen hatten, beendete Großbritannien seine Mandatsherrschaft und zog sich aus dem Konflikt zurück.

Am 14. Mai 1948 wurde gegen den Widerstand der Araber der Staat Israel gegründet. Im darauf folgenden Krieg gegen die arabischen Nachbarstaaten konnte er den größeren Teil des Mandatsgebietes behaupten. Als wichtige territoriale Veränderungen erhielt Ägypten den Gazastreifen, während das Gebiet am Westufer des Jordan (Westjordanland) einschließlich der Altstadt von Jerusalem Jordanien angegliedert wurde.

Die etwa 800 000 aus Israel vertriebenen palästinensischen Flüchtlinge verteilten sich auf verschiedene Länder (vor allem auf Syrien, Jordanien, Libanon und Ägypten), wo sie den festen Willen zur Rückkehr in ihre Heimat bewahrten. 1967, während des Sechstagekrieges zwischen Israel und den benachbarten arabischen Staaten, eroberte Israel neben anderen Gebieten das Westjordanland und den Gazastreifen. Der bisher zu jordanischem Staatsgebiet zählende Teil von Jerusalem wurde mit dem israelischen Teil unter israelischer Herrschaft vereint.

Durch Beschluss der Arabischen Liga wurde die Palästinensische Befreiungsorganisation (PLO) mit ihrem Führer Jasir Arafat als alleinige politische Vertretung der palästinensischen Araber anerkannt. 1987 kam es zu Aufständen der Palästinenser gegen die israelische Besatzungsmacht (siehe Intifada). 1988 verzichtete der jordanische König Hussein II. offiziell auf das Westjordanland, um den Weg für die Bildung eines Palästinenserstaates freizumachen. Daraufhin rief die PLO den Staat Palästina aus. Am 13. September 1993 unterzeichneten Jasir Arafat und Israels Premierminister Itzhak Rabin in Washington die Osloer Prinzipienerklärung, ein Rahmenabkommen über die Teilautonomie der Palästinenser in den besetzten Gebieten, die zunächst im Gazastreifen und in der Stadt Jericho umgesetzt werden sollte. Das Abkommen wurde im Mai 1994 um ein Durchführungsabkommen, das Gaza-Jericho-Abkommen ergänzt (siehe auch Oslo-Verträge), das den Rückzug der israelischen Truppen aus dem Gazastreifen und aus Jericho sowie die Selbstverwaltung der Palästinenser in diesen Gebieten regelte.

Im Januar 1996 wählten die Palästinenser im Westjordanland und im Gazastreifen entsprechend den Oslo-Verträgen den Palästinensischen Autonomierat; zugleich wurde Arafat zum Vorsitzenden der Palästinensischen Autonomiebehörde, der Exekutive der Palästinenser, gewählt. Die weitere Umsetzung der Oslo-Verträge gestaltete sich nach der Wahl von Benjamin Netanjahu zum israelischen Ministerpräsidenten jedoch problematisch. Die israelische Armee räumte im Januar 1997 – später als ursprünglich vereinbart – den größten Teil der Stadt Hebron, fast 30 Jahre nach der Besetzung während des Sechstagekrieges von 1967. Damit wurde die Stadt der palästinensischen Selbstverwaltung übergeben.

Anfang Juli 1997 kam es in Hebron zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Palästinensern und israelischen Sicherheitskräften. Auch mehrere Selbstmordattentate von Anhängern der Terrorgruppe Hamas dämpften die Hoffnungen auf ein baldige Konfliktlösung. Wesentliche Grundlage für politische Stabilität in der Region ist auch die Fortführung der 1996 abgebrochenen Friedensverhandlungen zwischen Israel und Syrien. Am 16. Juli 1997 stimmten auf Initiative der arabischen Staaten 131 Delegierte der UN-Vollversammlung für eine Resolution gegen die israelische Siedlungspolitik im Westjordanland und in Ostjerusalem. Im Frühjahr 1998 gerieten alle diplomatischen Bemühungen um den Fortgang der israelisch-palästinensischen Friedensverhandlungen wieder ins Stocken, da die israelische Regierung nicht bereit war, den Abzug aus den besetzten Gebieten vertragsgemäß durchzuführen.

Erst im Oktober 1998 stimmte Netanjahu im Wye-Abkommen dem Abzug der israelischen Truppen aus weiteren etwa 13 Prozent des Westjordanlandes zu. Allerdings wurde auch dieses Abkommen erst nach Abschluss eines weiteren, mit der neuen israelischen Regierung unter Ehud Barak im September 1999 ausgehandelten Vertrages, des so genannten Wye II-Abkommens, umgesetzt. Im Oktober 1999 wurde eine Transitstrecke zwischen dem Westjordanland und dem Gazastreifen eröffnet, die über israelisches Territorium führt, und bis März 2000 wurden die festgesetzten 13 Prozent des Westjordanlandes – mit neuerlichen Verzögerungen – übergeben, so dass nun rund 40 Prozent des Westjordanlandes unter ganzer oder teilweiser palästinensischer Verwaltung standen.

In der Folgezeit gerieten die Friedensverhandlungen, die laut Wye II-Abkommen am 13. September 2000 abgeschlossen sein sollten, erneut in die Krise. Während die israelische Regierung den Palästinensern in Bezug auf die Grenzen eines zu errichtenden Palästinenserstaates relativ weit entgegenkam – es war die Rede von mindestens 88 Prozent des Westjordanlandes, die der palästinensischen Verwaltung übergeben werden sollten –, kristallisierte sich nun die Frage nach dem künftigen Status von Jerusalem als der Hauptstreitpunkt in den Friedensverhandlungen heraus und ließ die Gespräche letztlich scheitern. Denn während die Palästinenser die volle Souveränität über das arabische Ostjerusalem einschließlich des Tempelberges forderten und Ostjerusalem als Hauptstadt ihres künftigen Staates reklamierten, bot Israel den Palästinensern lediglich die Selbstverwaltung in Ostjerusalem an unter Beibehaltung der israelischen Souveränität über ganz Jerusalem. Um den Friedensprozess nicht noch weiter zu gefährden, verzichteten Arafat und die PLO kurz vor dem Stichtag auf die Ausrufung eines unabhängigen Staates Palästina am 13. September 2000, dem im Wye II-Abkommen festgelegten Enddatum für die Friedensverhandlungen.

Der Ausbruch neuerlicher blutiger Unruhen im Westjordanland Ende September 2000 brachte den Friedensprozess allerdings vorerst wieder weitgehend zum Erliegen und rückte die Aussicht auf einen unabhängigen Staat Palästina erneut in weite Ferne.