Heiliges Römisches Reich
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Heiliges Römisches Reich
2. Vorgeschichte

Das Heilige Römische Reich war ein Versuch, das Weströmische Reich zu erneuern, das im 5. Jahrhundert auseinandergebrochen und durch unabhängige germanische Staatsgebilde ersetzt worden war. Romulus Augustulus, der letzte weströmische Kaiser, war 476 abgesetzt worden. Während des frühen Mittelalters hielten die Päpste in Rom die traditionelle Idee von einem weltlichen Reich als Schutzmacht des geistlichen Reiches der Kirche lebendig (siehe auch Reichsidee). Das Oströmische oder Byzantinische Reich behielt nominell die Hoheit über die Gebiete, die früher zum Weströmischen Reich gehörten. Viele der germanischen Stämme in den ehemals weströmischen Gebieten erkannten den byzantinischen Kaiser auch formell als Oberherrn an; ebenso anerkannten die römischen Päpste nach der Absetzung des Romulus Augustulus eine Zeit lang die Oberhoheit des Oströmischen Reiches, zum Teil auch deshalb, weil sie auf die Byzantiner zum Schutz gegen die Langobarden angewiesen waren.

Mit dem Entstehen von unabhängigen christlichen germanischen Königreichen im 6. und 7. Jahrhundert verloren die byzantinischen Kaiser ihre Oberhoheit im Westen praktisch völlig. Die weltliche Macht des römischen, westlichen Papsttums nahm gleichzeitig zu, besonders während des Pontifikats von Papst Gregor I. (590-604). Das Papsttum zeigte sich nun zunehmend ablehnend gegenüber einer Einflussnahme der weltlichen und der geistlichen Obrigkeit in Konstantinopel in die Angelegenheiten und Gepflogenheiten der westlichen Kirche. Die daraus folgende Fehde zwischen der Kirche im Osten und der im Westen nahm während der Herrschaft des byzantinischen Kaisers Leon III. (717-741) kritische Ausmaße an, als dieser die Verwendung von Bildern bei christlichen Zeremonien untersagte (siehe Bilderstreit). Der päpstliche Widerstand gegen Leons Dekrete kulminierte 730/732 im Bruch mit Konstantinopel.

Nach dem Bruch mit dem Byzantinischen Reich strebte das Papsttum eine Erneuerung des Weströmischen Reiches an und zog dabei zeitweise die Möglichkeit in Betracht, selbst dieses Reich wiederherzustellen und in dem wiedererrichteten Reich die Führung selbst zu übernehmen. Da die Kirche jedoch weder über Truppen noch eine Verwaltung verfügte, zudem durch die Langobarden in Italien bedroht war, gab sie die Idee eines zugleich geistlichen und weltlichen Reiches unter päpstlicher Führung wieder auf. Sie schien vielmehr entschlossen, die Führung des Reiches an die damals in Westeuropa dominierende Macht, das Königreich der Franken, zu übertragen. Karl der Große, der 768 den fränkischen Thron bestiegen hatte, hatte sowohl seine Treue zur Kirche wie auch seine machtpolitische Eignung für das hohe Amt bereits hinreichend unter Beweis gestellt.