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Saint Vincent und die Grenadinen
1. Einleitung

Saint Vincent und die Grenadinen, unabhängiger Staat in den Antillen, der sich aus der Insel Saint Vincent und den nördlichen Inseln der Grenadinen zusammensetzt. Das Staatsgebiet erstreckt sich zwischen Saint Lucia im Norden und Grenada im Süden. Zu den größten Inseln der Grenadinen zählen Bequia, Canouan, Mustique, Mayreau und Union. Die Gesamtfläche des Staates umfasst 389 Quadratkilometer, davon entfallen auf die Hauptinsel Saint Vincent 344 Quadratkilometer. Die Hauptstadt Kingstown befindet sich im Südwesten von Saint Vincent.

2. Land

Saint Vincent und die Grenadinen sind wie die anderen Inseln über dem Winde vulkanischen Ursprungs. Die Hauptinsel wird von Nord nach Süd von einer bewaldeten Vulkankette durchzogen, deren höchste Erhebung mit 1 234 Metern der noch aktive Vulkan La Soufrière ist. 1821, 1902 und 1979 kam es zu heftigen Ausbrüchen. Die Vulkankette fällt nach Westen steil ab, während sie im Osten allmählich zur Küste hin abdacht. Die nördlichen Grenadinen erstrecken sich südlich von Saint Vincent in Richtung Grenada, zu dem die südlichen Grenadinen gehören.

Das Klima ist feuchttropisch mit einer mittleren Jahrestemperatur von 24 °C. Saint Vincent und die Grenadinen stehen unter dem Einfluss des Passats. Die Jahresniederschläge liegen an der Küste um 1 500 Millimeter, an windexponierten Berghängen können 3 000 Millimeter überschritten werden. Der überwiegende Teil des Regens fällt zwischen Juni und Dezember.

Das Bergland auf Saint Vincent ist von tropischem Regenwald bedeckt, in den trockeneren Küstenregionen dominiert Strauchvegetation. Auf den Inseln gibt es neben Vorkommen von Königsamazone, Wanderfalke und Bartklarino (eine Drossel) Brutkolonien von Meeresvögeln wie dem Maskentölpel. Weitere Faunenelemente sind Fledermäuse, Anolis-Leguane, Nattern, Lanzenottern und Antillenfrösche; Strände dienen als Eiablageplätze für Meeresschildkröten.

3. Bevölkerung

Die Einwohnerzahl von Saint Vincent und den Grenadinen beträgt etwa 118 000 (2008). Größte Stadt ist Kingstown mit rund 29 000 Einwohnern. Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt bei 74,3 Jahren. Etwa zwei Drittel der Bevölkerung sind Schwarze, circa ein Fünftel Mulatten.

Amtssprache ist Englisch, als Umgangssprache dient ein kreolischer Dialekt. Die meisten Bewohner bekennen sich zum Christentum, Anglikaner und Methodisten bilden die bedeutendsten Glaubensgemeinschaften.

4. Verwaltung und Politik

Der Staat ist seit 1979 eine Parlamentarische Monarchie im Commonwealth of Nations. Staatsoberhaupt ist die britische Monarchin, die durch einen Generalgouverneur vertreten wird. Von den 21 Abgeordneten des Parlaments werden 15 für eine Amtszeit von fünf Jahren gewählt und sechs vom Generalgouverneur ernannt. Saint Vincent und die Grenadinen gliedern sich verwaltungsmäßig in sechs Bezirke.

5. Wirtschaft

Eine wirtschaftliche Stütze von Saint Vincent und den Grenadinen ist der Bananenhandel. So machen Bananen allein über 40 Prozent des gesamten Exportvolumens aus. Weitere Produkte der heimischen Agrarwirtschaft sind u. a. Pfeilwurz, Kokosnüsse, Muskatnuss und Muskatblüte. Wachsende Bedeutung für den Karibikstaat hat vor allem der Fremdenverkehr bekommen. Die Einnahmen aus der Tourismusbranche erbringen immerhin mehr als 60 Prozent des Bruttosozialproduktes (BSP).

Saint Vincent und die Grenadinen gehören zu den wichtigen Offshore-Finanzzentren der Karibik. Leider entdeckte dies auch das international organisierte Verbrechen. Zunehmende Geldwäscheaktionen brachten den Inselstaat ins Fadenkreuz der internationalen Fahndung (z. B. dem Geldwäscheausschuss der OECD). Die Regierung des Karibikstaates beabsichtigt verstärkt gegen Geldwäsche und Korruption vorzugehen.

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) betrug 2006 423 US-Dollar. Die nationale Währung des Karibikstaates, der Ostkaribische Dollar (= 100 Cents), ist an den US-Dollar gekoppelt.

6. Geschichte

Saint Vincent wurde höchstwahrscheinlich von Christoph Kolumbus 1498 entdeckt und benannt. Die von Kariben bewohnte Insel wurde 1762 von den Briten besiedelt. Die Kariben wurden unterworfen, und viele von ihnen wurden nach einem Aufstand 1795 deportiert. Saint Vincent war von 1958 bis 1962 Mitglied der Westindischen Föderation. 1969 wurde es zum Mitglied der West Indies Associated States (Westindische Assoziierte Staaten). Am 27. Oktober 1979 erhielt die Inselgruppe im Rahmen des Commonwealth ihre Unabhängigkeit. Bei den Parlamentswahlen vom Juni 1998 erreichte die New Democratic Party (NDP) die absolute Mehrheit; ihr Vorsitzender James F. Mitchell war von 1984 bis zu seinem Rücktritt im Oktober 2000 Regierungschef. Als Nachfolger wurde Mitchells Parteifreund Arnhim Eustace, der vorher als Finanzminister fungiert hatte, vereidigt. Bei den vorgezogenen Parlamentswahlen vom März 2001 wurde die oppositionelle United Labour Party (ULP) mit großem Abstand stärkste politische Kraft; sie erreichte zwölf der 15 zur Wahl stehenden Sitze. Ihr Spitzenkandidat Ralph Gonsalves wurde neuer Generalgouverneur.