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| 2. | Fachgebiete |
Die Zahnheilkunde wird in acht spezialisierte Fachbereiche unterteilt. Auf welchen und wie vielen dieser Bereiche sich ein allgemeiner Zahnarzt betätigt, hängt von dessen Neigungen und Fähigkeiten ab.
| 1. | Kieferchirurgie |
Die Kieferchirurgie befasst sich mit der Diagnose und operativen Behandlung jeglicher Krankheiten, Verletzungen, Missbildungen oder Störungen der Kiefer und der zugehörigen Strukturen. Ein Teilbereich der Kieferchirurgie ist die Entfernung von Zähnen, die aufgrund ihrer Lage, ungewöhnlichen Form oder Verankerung im Kiefer Komplikationen auslösen. Ist ein Zahn im Kieferknochen eingeklemmt oder von weichem Gewebe bedeckt, nennt man ihn impaktiert. In einem solchen Fall wird der umgebende Knochen oder das weiche Gewebe entfernt, um den Zahn freizulegen. Zu den Aufgaben der Kieferchirurgie zählt auch die Entfernung von Zysten und Wucherungen im Kiefer- und Mundbereich, das Einrichten von Kieferbrüchen sowie operative Korrekturen von Gaumen- und Lippenspalten („Wolfsrachen” und „Hasenscharte”). Diese beiden Missbildungen sind Geburtsfehler.
| 2. | Kieferorthopädie |
Aufgabe der Kieferorthopädie ist es, Zahnfehlstellungen zu beheben. Sie befasst sich mit Vorbeugung und Beseitigung der so genannten Malokklusion, der fehlerhaften Berührungsstellung der Zahnreihen bei geschlossenen Kiefern. Eine solche Fehlstellung hat möglicherweise eine Verformung der Kiefer und des Gesichts zur Folge. Malokklusion kann erblich oder durch frühen Zahnverlust (z. B. infolge von Zahnfäule) erworben sein. Mit Hilfe spezieller Geräte und Apparaturen, in manchen Fällen auch durch einen chirurgischen Eingriff, kann der Kieferorthopäde den Zahnreihenschluss korrigieren.
| 3. | Zahnärztliche Prothetik |
Die Prothetik beschäftigt sich mit unterschiedlichen Methoden zur Herstellung von künstlichem Zahnersatz oder Zahnprothesen. Das Ersetzen fehlender Zähne gewährleistet eine gleichmäßige Kräfteverteilung beim Kauen, verhindert damit eine übermäßige Belastung einzelner verbliebener Zähne und beugt so weiterem Zahnverlust vor. Die Art des Zahnersatzes hängt vom Zustand der verbliebenen Zähne und deren Stützapparat ab. Nach Möglichkeit wird eine festsitzende Brücke verwendet. Bei dieser Art des Zahnersatzes werden die an die Lücke anschließenden Zähne ganz oder teilweise überkront. An den Kronen befestigt man den künstlichen Zahn. Eine feste Brücke aus Gold mit Porzellan- oder Acrylüberzug (Kunststoff) ist sehr dauerhaft und lässt sich nur schwer entfernen. Verbleiben nicht genügend Zähne, um ausreichenden Halt für eine festsitzende Brücke zu gewährleisten, wird eine abnehmbare Teilprothese angefertigt. Diese Art des Zahnersatzes befestigt man im Allgemeinen mit Klemmen, die mehrere der verbliebenen Zähne umspannen. Die Klemmen bestehen aus Gold oder einer Cobalt-Stahl-Legierung. Solche Prothesen müssen häufig zur Reinigung abgenommen werden. Sind alle Zähne zu ersetzen, so wird eine Vollprothese angepasst. Ihr Halt hängt von der Festigkeit des darunterliegenden Gewebes und der Haftung durch den Speichel ab. Vollprothesen werden in der Regel aus Acryl hergestellt und gelegentlich mit Metall verstärkt. Mit Hilfe der Prothetik können auch Teile des Mundraumes ersetzt werden, die beispielsweise aufgrund von Missbildungen fehlen.
Eine chirurgische Alternative stellen die verschiedenen Formen des Zahnimplantats dar. Zur Verankerung der Zahnkrone können z. B. Schrauben dienen, die in die Kieferknochen gebohrt werden. Am Knochen wird eine Metallplatte befestigt, auf deren Zapfen man dann die Zähne zementiert. Es besteht auch die Möglichkeit, ein Metallgerüst als Träger für die Zähne unter dem Zahnfleisch anzubringen, wenn der Kieferknochen selbst zu brüchig ist. Auf diese Weise lässt sich ein kompletter Satz Zähne implantieren. Nicht alle Zahnärzte befürworten solche kostspieligen Verfahren, doch entscheiden sich immer mehr Patienten für ein Implantat.
| 4. | Periodontologie |
Periodontologie ist die Lehre von den Strukturen und Geweben, welche die Zähne stützend umgeben, sowie deren Behandlung. Das Zahnfleisch und der darunterliegende Knochen können von einer ganzen Reihe unterschiedlicher Krankheiten betroffen sein. Zahnstein, der sich über und unter dem Zahnfleisch bildet, kann das umliegende Gewebe reizen. Speisereste, die sich am Zahnhals festsetzen, und Unregelmäßigkeiten wie Zahnschäden, Malokklusion oder schlecht angepasste Zahnapparaturen können ebenfalls Reizungen hervorrufen. Außerdem können durch ein unausgeglichenes Verhältnis der Zahnhöcker zueinander Speiseteilchen in das Zahnfleisch gedrückt werden. Wenn weiches Gewebe wie Zahnfleisch solchen Reizungen ausgesetzt ist, führt dies zu einer Entzündung, die auch den darunterliegenden Knochen in Mitleidenschaft ziehen kann. Auf diese Weise verliert der Zahn an Halt, da der Knochen, in dem sich die Zahnwurzel befindet, zerstört wird.
Zahnfleischentzündung wird mit dem Fachausdruck Gingivitis bezeichnet. Periodontitis ist eine Infektion, die sowohl Zahnfleisch als auch Knochen angreift. Zahnfleischerkrankungen sind bei Erwachsenen über 21 Jahren die Hauptursache von Zahnausfall, sie können jedoch auch schon im Kindesalter auftreten. Eine recht verbreitete Erkrankung ist die Gingivitis necroticans ulcerosa, auch bekannt als Angina Plaut-Vincenti. Bleibt sie unbehandelt, werden die Interdentalpapillen (das Zahnfleisch zwischen zwei nebeneinanderliegenden Zähnen) zerstört, und es kommt zu Zahnausfall. Häufig steht diese Krankheit mit einer ausgedehnten Infektion in Zusammenhang. Ebenso häufig sind Soor, eine Hefepilzinfektion, und virale Infekte im Mundbereich.
In den Bereich der periodontalen Behandlung fällt auch die Zahnsteinentfernung mit Hilfe von Küretten (schlaufenförmigen Schabinstrumenten), Scalern (Zahnreinigern) und die äußerliche Anwendung von Medikamenten zur Behandlung weichen Gewebes. Gelockerte Zähne lassen sich zur Verbesserung des Haltes während des Heilungsprozesses schienen. Infiziertes oder abgestorbenes Zahnfleischgewebe wird entfernt. Malokklusionen werden durch Schleifen der Zähne korrigiert, so dass ein guter Zahnreihenschluss erzielt wird.
| 5. | Endodontie |
Die Endodontie befasst sich mit chirurgischen und konventionellen Behandlungsmethoden zum Schutz der Pulpa (des durchbluteten Weichgewebes innerhalb des Zahnes), insbesondere des Zahnnerves, oder – bei Erkrankung oder Verletzung – deren Entfernen aus Pulpahöhle und Wurzelkanälen. Auch das Bleichen der vorderen Schneidezähne fällt in diesen zahnmedizinischen Bereich.
| 6. | Pädodontie |
Die Pädodontie oder Kinderzahnheilkunde beschäftigt sich mit der allgemeinen Zahnmedizin für junge Patienten, die noch ein vollständiges Milchgebiss oder sowohl Milchzähne als auch bleibende Zähne besitzen. In der pädodontischen Praxis werden Apparaturen wie Zahnspangen und Beißstäbchen zur Vorbeugung oder Behandlung von Malokklusion eingesetzt. Eine weitere typische Behandlung in der Kinderzahnheilkunde ist die Versiegelung von Zähnen. Damit sollen die Kauflächen der Backenzähne vor Bakterien geschützt werden. Dabei werden die Zähne zunächst mit einer Lösung behandelt, die sie poröser und aufnahmefähiger für den Kunstharzüberzug macht, der dann vor Zahnfäule schützt.
| 7. | Oralpathologie |
Die Oralpathologie befasst sich mit Ursachen, Vorgängen und Auswirkungen von Erkrankungen des Mundbereichs und mit den dadurch hervorgerufenen Funktions- und Strukturveränderungen. Die Diagnose oraler Erkrankungen erfolgt über Laboruntersuchungen von Schleim, Blut und anderen Körperflüssigkeiten sowie durch Gewebeuntersuchungen unter dem Mikroskop. Der Pathologe arbeitet in der Regel im klinischen Labor und dient dem Patienten indirekt durch die Beratung des behandelnden Zahnarztes.
| 8. | Zahnmedizin im öffentlichen Gesundheitswesen |
Im öffentlichen Gesundheitswesen ist das Ziel der Zahnheilkunde die Vorbeugung und Kontrolle von Zahnerkrankungen sowie die Förderung der allgemeinen Zahngesundheit mit Hilfe organisierter Aktionen. Sie umfasst drei zahnmedizinische Bereiche: öffentliche Zahngesundheitsversorgung, Forschung und klinische Zahnheilkunde. Jeder dieser Zweige kann Praxis, Lehrtätigkeit und Verwaltungsaufgaben beinhalten.