Benzin
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Benzin
2. Ausgewählte Herstellungsverfahren

(1) Benzin lässt sich direkt aus Erdöl destillieren. Dabei wird das Erdöl durch Erhitzen verdampft und in einen Destillationsturm geleitet. Der Turm ist im Inneren durch teilweise offene Böden in mehrere Abschnitte unterteilt. Dort kühlen sich die verdampften Bestandteile ab und werden flüssig. Weil die unterschiedlichen Bestandteile im Erdöl bei unterschiedlichen Temperaturen kondensieren, verflüssigen sich manche Anteile auf den wärmeren, tiefer gelegenen Böden und andere wiederum auf den höher gelegenen. Auf diese Weise kann Erdöl in grobe Teile (Fraktionen) zerlegt werden. Bei der Benzingewinnung werden insbesondere die Fraktionen mit dem Siedebereichen 30 bis 180°C (Petrolether, Leichtbenzin, Ligroin) und 100 bis 210°C (Schwerbenzin) aufgefangen. Ein Teil dieses Destillatbenzins wird als Rohbenzin (Naphtha) der petrochemischen Industrie zur Weiterverarbeitung zugeführt. Ein anderer Teil wird als so genanntes Straight-run-Benzin mit weiteren Komponenten (z. B. höherwertigem Benzin) zu Motorenbenzin ausreichender Qualität vermischt. Schließlich führt man den letzten Teil des Destillatbenzins Veredelungsprozessen zu (siehe unten).

(2) Der Großteil des heute hergestellten Benzins wird durch Crackverfahren gewonnen, wobei die höher siedenden Erdölfraktionen (über 210 °C) als Ausgangsprodukt dienen. Beim Cracken (englisch to crack: spalten) handelt es sich um die thermische oder katalytische Zerlegung der im Ausgangsprodukt enthaltenen Kohlenwasserstoffmoleküle in kleinere Bruchstücke, die sich in Benzinmoleküle umwandeln können. Katalytisches Cracken wird bei höher siedenden Erdölfraktionen eingesetzt, thermisches Cracken bei den Rückständen, die nach der Destillation übrig bleiben. Das gewonnene Crackbenzin ist qualitativ so wertvoll, dass es durch Mischen mit Komponenten wie BTX-Aromaten und anderen Zusätzen zu hochwertigem Motorenkraftstoff oder sogar noch höherwertigem Flugbenzin verarbeitet werden kann. Gegebenenfalls muss Crackbenzin noch von unerwünschten Nebenprodukten (z. B. Schwefelverbindungen) befreit werden (siehe unten).

(3) Auch Erdgas lässt sich durch Crackverfahren in Benzin umwandeln; meist kommen katalytische Verfahren zum Einsatz. Dabei werden die im Gas enthaltenen Kohlenwasserstoffe in Bruchstücke gespalten, die sich dann zu Benzinmolekülen zusammenfügen. Auch dieses Crackbenzin muss gegebenenfalls noch nachbehandelt werden.

(4) Erdgas, das zusammen mit Erdöl in einer Lagerstätte vorkommt, enthält häufig neben dem Hauptbestandteil Methan noch einen kleinen Anteil an Benzin. Die Moleküle des Benzins kann man dem Gas durch Adsorption an Aktivkohle oder Kieselgel (siehe Kieselsäuren) entziehen. Dieses Naturalgasbenzin enthält niedriger siedende Kohlenwasserstoffe (bis 135 °C) und wird insbesondere als Zusatz für Benzin verwendet, das zu wenige niedriger siedende Kohlenwasserstoffe enthält.

(5) Aus Kohle kann man Benzin durch trockene Destillation gewinnen. Bei diesem Vorgang wird die Kohle thermisch in Benzin und andere Stoffe zerlegt. Dieses Herstellungsverfahren spielt heute jedoch keine Rolle mehr.

(6) Wenn man Kohle bei hohen Temperaturen mit Wasserdampf umsetzt, entsteht eine Mischung aus Kohlenmonoxid und Wasserstoff, die in der Verfahrenstechnik auch als Synthesegas bezeichnet wird (siehe Brenngas). Leitet man diese Mischung unter hohem Druck an Katalysatoren entlang, bilden sich u. a. Benzin und andere Kohlenwasserstoffe. Nach diesem Verfahren gewinnt man im erdölarmen, aber kohlereichen Südafrika synthetisches Benzin, das anschließend zu hochwertigem Kraftstoff weiterverarbeitet wird.