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| 3. | Theorien über die Begrenzung des Lebens |
Biologen sind sich weitgehend darüber einig, dass die Lebenserwartung eines Organismus im Wesentlichen von der natürlichen Selektion bestimmt und begrenzt wird. Es gibt aber bisher keine allgemein anerkannte Theorie darüber, auf welchem Weg das geschieht und nach welchen Mechanismen eine Generation verschwindet und der nächsten Platz macht. Nach der so genannten Fehlertheorie kommt es während der Vermehrung der Körperzellen zur Alterung, weil sich dabei in der genetischen Information, die zwischen den Zellen weitergegeben wird, immer mehr kleine Fehler einschleichen. Eine wichtige Rolle spielen offensichtlich Telomere, die Endabschnitte der Chromosomen, die bei jeder Zellteilung kürzer werden, wodurch die Teilungsfähigkeit der Chromosomen herabgesetzt wird. Es besteht ein Zusammenhang zwischen der Länge der Telomere und der Lebenserwartung: Über 60-Jährige, deren Telomere noch relativ lang waren, lebten nicht nur durchschnittlich vier bis fünf Jahre länger als Menschen mit kürzeren Telomeren, sie hatten auch ein geringeres Risiko, eine tödliche Herz- oder Infektionskrankheit zu erleiden.
Einer anderen Theorie zufolge ist das Altern in den Zellen eines Lebewesens programmiert. Bei Zellen aus Menschen und anderen Säugetieren, die man im Labor weiterzüchtet, beobachtet man die Alterung und dann das Absterben nach weniger als 50 Zellteilungen.
Nach der Immuntheorie des Alterns (siehe Immunsystem) verliert der Organismus nach und nach die Fähigkeit, sich gegen eingedrungene Krankheitserreger und Anomalien der Zellen im Körperinneren zu schützen. Beim Menschen schrumpft die Thymusdrüse, die Antikörper produziert und deshalb im Immunsystem eine entscheidende Aufgabe erfüllt, etwa vom 50. Lebensjahr an auf einen Bruchteil ihrer ursprünglichen Größe zusammen, und auch ihre Aktivität nimmt ab. Die Vertreter der Immuntheorie nehmen an, dass das gesamte Immunsystem die Fähigkeit verliert, Freund und Feind zu unterscheiden, so dass es körpereigenes Gewebe angreift; auf diese Weise entstehen auch Autoimmunkrankheiten.