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| 4. | Phonologie |
Im deutschen Sprachraum wird eindeutig zwischen Phonetik und Phonologie unterschieden. Nach einer älteren Kategorisierung wird die Phonologie auch als funktionale Phonetik bezeichnet. Darunter wird die Erforschung des Phonemsystems einer Sprache verstanden. Ein Phonem ist die kleinste bedeutungsunterscheidende Einheit einer Sprache. Die Phonologie untersucht den Phonembestand einer Sprache durch die Bildung distinktiver Merkmale. So ist der Laut r im Deutschen ein Phonem, weil er als kleinste Lauteinheit unterschiedliche Wortbedeutungen bewirken kann (unabhängig davon, dass das Phonem r von unterschiedlichen Sprechern ganz verschieden ausgesprochen werden kann).
Als erster Laut des Wortes Rille dient das Phonem r zur Unterscheidung vom Wort Pille. Der Vokal i in Rille ist ebenfalls ein Phonem, da sich durch ihn das Wort Rille mit seiner Bedeutung lautlich von dem Wort Rolle mit einer anderen Bedeutung unterscheidet. Zwei verschiedene Laute mit unterschiedlichem Artikulationsort können in einer Sprache zwei Phoneme, in einer anderen jedoch nur eines sein. So sind die Laute [r] und [l] im Deutschen zwei bedeutungsunterscheidende Phoneme, wogegen sie im Japanischen lautliche Varianten eines einzigen Phonems darstellen. Die Laute [ph] und [p] wie in Pille und Spiegel sind im Deutschen nur ein Phonem, obwohl sie sich phonetisch unterscheiden.
Phoneme beziehen sich auf die Laute einer gesprochenen Äußerung. So bestehen beispielsweise Graph und Graf aus den gleichen vier Phonemen. Auch soll und Soll sind unabhängig von ihrer unterschiedlichen Bedeutung auf der Phonemebene gleich. Jede Sprache verfügt über ein ihr eigenes Phoneminventar. Eigentlich ist die Gesamtzahl der Phoneme einer Sprache die kleinste Zahl der notwendigen graphischen Zeichen, mit denen diese Sprache unzweideutig schriftlich dargestellt werden kann. Entspricht jedem graphischen Zeichen ein Lautwert, kann ein Muttersprachler damit seine Sprache lesen. Auch ein Nichtmuttersprachler kann damit die Sprache richtig aussprechen, vorausgesetzt er kennt die zusätzlichen Informationen über die nicht bedeutungsunterscheidenden phonetischen Varianten, die ein Muttersprachler automatisch berücksichtigt. Idealerweise besteht eine Eins-zu-eins-Entsprechung zwischen den Phonem und den Schriftzeichen einer Sprache. Es gibt jedoch Sprachen, bei denen sich Lautung und Schreibweise sehr stark auseinanderentwickelt haben (z. B. das Englische und das Französische). Zur Vereinfachung und zur genauen Notation kann man jedes Phonem einer Sprache anhand einer internationalen Lautschrift mit einem eigenen Schriftzeichen darstellen.