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Oswald Spengler
1. Einleitung

Oswald Spengler (1880-1936), deutscher Kultur- und Geschichtsphilosoph. Mit seinem mehrdeutigen kulturphilosophischen Buch Der Untergang des Abendlandes (1918-1922) wurde er in den zwanziger Jahren einer der einflussreichsten Vertreter der konservativen Revolution.

Spengler wurde am 25. September 1880 in Blankenburg (Harz) geboren. Er studierte Mathematik, Kunst, Geschichte und Philosophie in München und Berlin. Seine Dissertation beschäftigte sich mit der Naturauffassung Heraklits. Zwischen 1908 und 1911 war er zunächst als Gymnasiallehrer in Hamburg, ab 1911 dann als Privatgelehrter und freier Schriftsteller in München tätig. Spengler starb am 8. Mai 1936 in München.

2. Werk

Seine Untersuchungen auf den Gebieten der Mathematik, Naturwissenschaft, Geschichte, Kunst und Philosophie bildeten die Grundlage für Spenglers System, das die gesamte Kulturgeschichte zu erklären suchte. Dabei bediente sich der Philosoph der Auffassung des italienischen Philosophen Giovanni Battista Vico, der vom Kreislauf geschichtlicher Prozesse ausging. Weitere Vorbilder waren Friedrich Nietzsche (vor allem dessen Gedanke einer „ewigen Wiederkehr des Gleichen”) und Johann Wolfgang von Goethe, dessen Morphologie Spengler unter teleologischen Gesichtspunkten umzudeuten verstand.

In seinem Hauptwerk Der Untergang des Abendlandes (1918-1922, 2 Bde.) versuchte er zu beweisen, dass jede Kultur eine „Seele” besitze, die in ihrem Stil und ihrer Denkweise zum Ausdruck komme. Nach seiner Theorie durchlaufen die verschiedenen, voneinander unabhängigen Kulturen einen dreiteiligen Lebenszyklus, der dem biologischen Kreislauf lebender Organismen gleicht. Am Ende dieser Entwicklung von Jugend und Reife steht dieser Theorie zufolge unweigerlich ihr Verfall – und damit ihre Ablösung durch eine neue kulturelle Entwicklung.

Durch seine Analyse der Geschichte kam Spengler zu dem Ergebnis, dass die abendländische Kultur mit der Ära der technologischen und politischen Expansion ihre letzte Stufe erreicht habe. Das letzte Stadium ist dabei der Cäsarismus, der durch eine diktatorische, imperialistische Staatsform gekennzeichnet ist. Kulturell ist mit der politischen Machtentfaltung und -ausdehnung ein Abstieg verbunden, klassische Hochkulturelemente weichen hellenistischen Verfallselementen. Großstädtische Zivilisation und kulturelles Ende sind für Spengler synonym, was er am Untergang Babylons, Roms und Thebens sowie in der Gegenwart an der „Dekadenz” von Metropolen wie Paris, New York und London zu illustrieren sucht. Der Imperialismus erscheint Spengler jedoch als das letzte Mittel, um die Verfallserscheinungen der Moderne noch aufhalten und die Vorrangstellung des Abendlandes erhalten zu können. Notwendig erscheint ihm dazu eine Abwendung von der dekadent verfeinerten „Vergeistigung” der Kultur hin zu einer machtorientierten „Politik der Tat”.

Für viele Menschen der Weimarer Republik erschien diese Verfallstheorie der abendländischen Kultur, die mit dem kritischen Begriff des Kulturpessimismus belegt wurde, plausibel und weckte den Wunsch nach kultureller Erneuerung – eine Entwicklung, die sich vor allem die politische Rechte ideologisch zu Nutze machte. Den bei Spengler auch in Werken wie Neubau des deutschen Reiches (1924), Der Mensch und die Technik (1931) sowie Jahre der Entscheidung (1933) vorgedachten Sozialdarwinismus und hierarchisch organisierten Führerstaat sah man besonders in den „Tugenden” des deutschen Volkes verkörpert, das Spengler zum Retter Europas hochstilisiert.

Auf der Basis seiner völkisch-nationalen Gesinnung sympathisierte Spengler zunächst mit dem Nationalsozialismus, distanzierte sich jedoch noch im Jahr der Machtergreifung aufgrund weitgehender Differenzen. Zudem hielt er Adolf Hitler nicht für die Persönlichkeit, die seinen politischen Entwurf zu realisieren vermocht hätte. Spengler war nicht an einer völkisch organisierten Massenbewegung, sondern an der Herrschaft einer Elite nach dem Vorbild des preußischen Offizierscorps interessiert.