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| 3. | Kultur |
Auf der Höhe ihrer Macht hatten die Inka ein Staats- und Verwaltungssystem geschaffen, das unter den indianischen Nationen seinesgleichen suchte. Das Inka-Reich basierte auf der Landwirtschaft, war straff nach sozialistisch anmutenden Richtlinien organisiert und wurde von dem allmächtigen, als Gott verehrten Inka beherrscht. Der Staat war hierarchisch strukturiert: an der Spitze stand der Inka, danach kamen die königliche Familie und der Hochadel, dann die Staatsbeamten und der niedere Adel und, an der Basis, die große Masse der Handwerker und Bauern.
Das Reich war in vier große Verwaltungseinheiten eingeteilt (die Quechua-Bezeichnung des Reiches war Tahuantinsuyu, „Land der Vier Viertel”). Diese Regionen waren wiederum in Provinzen und noch kleinere sozioökonomische Einheiten gegliedert. Kleinste Einheit war der Familienverband, der Ayllu. Die Kultivierung des Landes erfolgte unter strenger behördlicher Kontrolle: Regierungsbeamte überwachten Auswahl und Saat von Feldfrüchten und brachten den Bauern Techniken zur Be- und Entwässerung, zur Düngung, und zum Bau von Steinterrassen bei. Ein Teil jeder Ernte musste an den Staat abgeführt und in staatlichen Lagerhäusern eingelagert werden, aus denen auch die Bevölkerung Not leidender Gebiete versorgt wurde.
Angebaut wurden vor allem Kartoffeln und Mais, das Lama diente als Lasttier, und wegen ihrer hochwertigen Wolle züchtete man Alpakas. Als Haustiere wurden außerdem Hunde, Meerschweinchen und Enten gehalten. Haupterzeugnisse der Inka waren Keramik, Textilien, Metallschmuck, Werkzeuge und Waffen mit herrlichen Verzierungen.
Es gab weder Pferde oder andere schnelle Transportmittel, noch ein Schriftsystem; trotzdem waren die Behörden in Cuzco mit Hilfe eines ausgeklügelten Kommunikationssystems immer auf dem Laufenden über Entwicklungen und Vorgänge in ihrem Reich. Das Straßensystem war hervorragend ausgebaut, und trainierte Stafettenläufer konnten auf diesen Straßen bis zu 400 Kilometer am Tag zurücklegen. Informationen über Truppenbewegungen, Warenaustausch, Bevölkerungszahlen und sonstige Bestände wurden mit Hilfe der Quipus aufgezeichnet. Quipus waren Bündel verschiedenfarbiger Schnüre, die nach einem bestimmten Codesystem miteinander verknotet wurden. Die straffe Verwaltung, die manchmal so weit ging, dass ganze Eingeborenenstämme aus politischen oder wirtschaftlichen Gründen umgesiedelt wurden, war hauptsächlich durch dieses äußerst effektive Kommunikationssystem ermöglicht worden.
Zu den eindrucksvollsten Hinterlassenschaften der Inka-Kultur gehören die prachtvollen Tempel und Paläste und die Festungen an strategisch wichtigen Stellen, wie etwa Machu Picchu. Gewaltige Bauwerke aus präzise zusammengefügtem Mauerwerk, z. B. der große Sonnentempel von Cuzco, wurden fast völlig ohne technische Hilfsmittel errichtet. Weitere bemerkenswerte Errungenschaften waren aus Seilen konstruierte Hängebrücken (bis zu 100 Meter lang), Bewässerungskanäle und Aquädukte. Werkzeuge und Schmuck wurden in der Regel aus Bronze gefertigt.
Wie der Staat war auch die Religion der Inka streng geordnet. Der oberste Gott der Inka war Viracocha, Schöpfer und Beherrscher aller Lebewesen. Weitere wichtige Gottheiten waren der Sonnen-, der Sterne- und der Wettergott sowie die Mond-, die Erd- und die Meeresgöttin. Die Inka hielten zahlreiche, teilweise sehr komplizierte religiöse Zeremonien und Rituale ab, die in erster Linie in Zusammenhang mit Aussaat und Ernte sowie der Gesundheit standen. Bei wichtigen Zeremonien opferte man lebende Tiere; manchmal wurden den Göttern sogar Menschenopfer dargebracht.