Sturm und Drang
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Sturm und Drang
1. Einleitung

Sturm und Drang, auch Geniezeit oder Genieperiode, geistige Strömung in der deutschen Literatur von etwa 1765 bis 1790, deren junge Vertreter die Autonomie und Freiheit der Phantasie und die Leidenschaft des Einzelnen im schöpferischen Schreiben höher bewerteten als die traditionelle, als überkommen betrachtete Regelpoetik. Die Inspiration des „Genies” setzt sich über die überlieferte Ordnung hinweg.

Die Bezeichnung „Sturm und Drang” geht auf ein gleichnamiges Drama Friedrich Maximilian Klingers von 1776 zurück, das ursprünglich Wirrwarr heißen sollte. Philosophisch grenzte sich der Sturm und Drang gegen das rationale Erkenntnisprinzip der Aufklärung ab und war dabei beeinflusst vom pietistisch-religiös geprägten Umfeld Johann Georg Hamanns. Gesellschaftspolitisch richtete er sich – orientiert an der Gesellschaftstheorie Jean-Jacques Rousseaus und ihrer Idee eines „natürlichen” und guten Urzustands der Menschheit – gegen die herrschende Ständeordnung und die erstarrten sozialen Konventionen. Vor allem bei der Betonung von Gefühl und Ausdruck wurden Tendenzen der Empfindsamkeit fortgeführt; Vorbild war zudem Friedrich Gottlieb Klopstock, der in der stark nach Regeln ausgerichteten Lyrik den Weg hin zu freien Rhythmen und Versen bahnte. Maßgeblichen Einfluss hatten die Geschichts- und Sprachtheorien Johann Gottfried Herders, die eine Beziehung zwischen Sprache und menschlicher Natur herzuleiten suchen und Sprache als entscheidendes Charakteristikum zur kulturellen Identität einer Nation begreifen. Die Kritik an den gesellschaftlichen und politischen Ideen einer Generation der Väter ging einher mit der Suche nach neuen Möglichkeiten in der Literatur.