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Urban II.

Urban II., zuvor Odo von Châtillon oder Odo von Lagery, (um 1035 bis 1099), Papst (1088-1099); er rief 1095 zum ersten Kreuzzug auf.

Odo wurde um 1035 in Châtillon-sur-Marne in der Nähe von Reims (Frankreich) geboren. Er studierte in Reims und war dort Kanoniker und Archidiakon. Um 1070 trat er in das Benediktinerkloster Cluny ein, wo er wenige Jahre später Prior wurde. Um 1080 wurde er von Papst Gregor VII. zum Kardinalbischof von Ostia ernannt, und 1084/85 wirkte er als päpstlicher Legat in Deutschland. 1088 wurde er in Terracina (etwa 100 Kilometer südöstlich von Rom) unter normannischem Schutz zum Papst gewählt; sowohl Gregor VII. als auch dessen Nachfolger Viktor III. hatten ihn für dieses Amt empfohlen.

Urbans Einzug in Rom wurde in den ersten Jahren seines Pontifikats durch den Gegenpapst Klemens III. verhindert, dessen Einsetzung Kaiser Heinrich IV. veranlasst hatte. Trotz der Schwierigkeiten, die ihm Gegenpapst und Kaiser bescherten, verhalf Urban der von Gregor VII. eingeleiteten Reform, der so genannten Gregorianischen Reform, zum Durchbruch, und auch im Investiturstreit setzte er Gregors Linie fort, verschärfte das Investiturverbot sogar noch durch das Verbot des Lehenseides für Geistliche gegenüber den Laien, zeichnete sich im Vergleich zu Gregor aber durch größere Flexibilität und Diplomatie aus.

Die Beziehungen zum gebannten Kaiser Heinrich IV. blieben feindlich. So arrangierte er die Ehe zwischen seiner Verbündeten Mathilde von Tuszien und Welf V., dem Sohn des von Heinrich abgesetzten bayerischen Herzogs Welf IV., und erkannte Heinrichs Sohn Konrad, der sich gegen den Vater erhoben hatte und auf die Seite Urbans gewechselt war, als König an. Auch das Verhältnis zum englischen König Wilhelm II. war gespannt, vor allem aufgrund der Auseinandersetzung um die Investitur Anselms von Canterbury. Den französischen König Philipp I. exkommunizierte Urban 1095, weil der seine Frau verstoßen hatte, nahm ihn aber schon im darauf folgenden Jahr wieder in die Kirche auf und bahnte den künftigen Bund mit dem französischen Königtum an. Auf der Iberischen Halbinsel unterstützte Urban die Reconquista und löste die spanische Kirche aus der Abhängigkeit von der gallischen. In Süditalien und Sizilien bereitete er mit dem Legationsprivileg für Graf Roger I. (1098) die Verselbständigung zum päpstlichen Lehenskönigreich vor.

Gegenüber dem Byzantinischen Reich suchte Urban II. das Schisma zwischen abendländischer und morgenländischer Kirche zu überwinden und die beiden Kirchen (unter päpstlichem Primat) wieder zu vereinigen; die Unionsverhandlungen scheiterten jedoch 1089. Dennoch rief Urban am 27. November 1095 in einer Predigt während der Synode von Clermont zum Kreuzzug auf. Vordergründiges Ziel war tatsächlich die Militärhilfe für die morgenländischen Christen gegen die „ungläubigen” muslimischen Seldschuken, um die Kaiser Alexios I. den Westen gebeten hatten. Daneben aber spielte bei Urban – wie auch bei seinen Nachfolgern während der Kreuzzugszeit – die Absicht eine große Rolle, durch die Hilfe des Westens für die Christen des Ostens eine Wiedervereinigung der Ost- mit der Westkirche herbeizuführen. Außerdem etablierte Urban durch den Kreuzzugsaufruf – zumindest zeitweise – Papsttum und Kirche als übergeordnete, wegweisende Macht in dem zunehmend in kleine, einander bekriegende Staatengebilde zerfallenden Europa. Urban starb am 29. Juli 1099 in Rom – ehe ihn die Nachricht von der Eroberung Jerusalems zwei Wochen zuvor durch die Kreuzritter erreichen konnte.