| Roman | Artikelansicht | ||||
| Klicken Sie im Menü Datei auf Drucken, um die Informationen zu drucken. | |||||
| 1. | Einleitung |
Roman, nach heutigem Verständnis ein erzählender, im Vergleich zu Kurzgeschichte und Novelle relativ umfangreicher Prosatext. Neben Epos und Sage stellt der Roman eine Großform der Epik dar. Untergattungen lassen sich nach Aussageart bzw. Wirkungsabsicht (didaktisch, erbaulich, satirisch, idealistisch, empfindsam, realistisch etc.), nach Form bzw. Erzählperspektive (Briefroman, Tagebuchroman, Ich-Roman, auktorialer Roman, personaler Roman etc.) sowie nach inhaltlich-stofflichen Aspekten bestimmen (Bildungsroman, Abenteuerroman, Ritterroman, Schelmenroman, Schauerroman, Kriminalroman, Künstlerroman, Reiseroman, Heimatroman, Staatsroman, Großstadtroman, Kriegsroman, Liebes- oder Eheroman, Familienroman, historischer Roman, philosophischer Roman etc.). Grenzen sind allerdings zumeist nur schwer zu ziehen; eine reine Untergattung existiert nirgends.
Der Begriff Roman entwickelte sich im 12. Jahrhundert in Frankreich (aus altfranzösisch: romanz, zu lateinisch romanicus: römisch) und bezeichnete zunächst jede Schrift in der lingua romana, also der Volkssprache – im Gegensatz zur lingua latina, dem lateinischen gelehrten Schrifttum. Im ausgehenden 13. Jahrhundert fand er dann ausschließlich für Prosaliteratur Verwendung. Im Deutschen existiert das Wort Roman in der heutigen Bedeutung erst seit dem 17. Jahrhundert.
Der Roman profilierte sich erst zu Beginn der Neuzeit als eigenständige Gattung, gewann aber seit seiner Akzeptanz als „hohe” Literatur im 18. Jahrhundert zunehmend an Bedeutung und entwickelte bis heute eine gewaltige Vielfalt des Erscheinungsbildes. Mit dem Beginn der industriellen Buchproduktion um 1800 und der Formierung einer modernen, d. h. extensiv konsumierenden Literaturgesellschaft avancierte er zur populärsten Prosa- und Literaturgattung überhaupt. Einerseits als triviales „Lesefutter” in Fülle verbreitet (siehe Trivialliteratur), demonstriert er andererseits als Sprachkunstwerk beständig seinen experimentellen Charakter, wobei in der Moderne und der Postmoderne die Handlung als strukturbildendes Element zunehmend in den Hintergrund tritt zugunsten multiperspektiver, häufig am Film orientierter Darstellungsweisen (Montage, Simultantechnik etc.).