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| 1. | Einleitung |
Java, kleinste, aber bedeutendste der Großen Sundainseln im Süden Indonesiens, wird im Norden von der Javasee, im Osten von der Balistraße, im Süden vom Indischen Ozean und im Westen von der Sundastraße begrenzt.
Java liegt zwischen dem 5. und 10. südlichen Breitengrad. Die Insel misst von Westen nach Osten etwa 1 050 Kilometer und ist stellenweise bis zu 204 Kilometer breit. Jakarta ist die größte Stadt auf Java und die Hauptstadt Indonesiens. Andere bedeutende Städte sind Yogyakarta, Bandung, Semarang, Surabaya, Cirebon, Pekalongan, Sukabumi, Malang, Kediri und Surakarta. Java hat eine Fläche von etwa 134 045 Quadratkilometern und wird von 107 Millionen Menschen bewohnt (einschließlich der Bewohner der Nachbarinsel Madura).
| 2. | Land |
| 1. | Physische Geographie |
Eine Bergkette vulkanischen Ursprungs durchzieht die Insel von West nach Ost, in der es etwa 110 Vulkanzentren, darunter 35 aktive Vulkane gibt. Der Semeru (3 676 Meter) im Ostteil der Insel ist der höchste und einer der aktivsten, gefolgt vom Bromo, Kawah Ijen und Tangkubanperahu. In der Vergangenheit hat es auf Java verheerende Vulkanausbrüche gegeben, vor allem 1686, als beim Ausbruch des Mount Ringgit etwa 10 000 Menschen den Tod fanden, und 1772, als beim Ausbruch des Papandayan etwa 3 000 Menschen umkamen. Am 27. Mai 2006 ereignete sich ein Erdbeben der Stärke 6,2 auf der Richterskala, dessen Epizentrum etwa 20 Kilometer südlich von Yogyakarta lag. Bei dem Beben starben etwa 5 800 Menschen, mehrere Hunderttausend verloren ihr Obdach. Auch von Seebeben ausgelöste Tsunamis sind eine Gefahr für die Insel: Am 17. Juli 2006 fielen einem von einem Seebeben der Stärke 7,7 verursachten Tsunami an der Südküste mehr als 600 Menschen zum Opfer.
Im Norden, wo sich die schönsten Naturhäfen befinden, grenzt eine bis zu 64 Kilometer breite, flache Küstenebene an das zentrale Bergland. Der südliche Teil der Insel umfasst eine Reihe von Kalksteinhügeln, die zur Küste hin steil abfallen. Die Flüsse auf Java überwinden große Höhenunterscheide und haben entsprechend hohe Fließgeschwindigkeiten. Der Lasolo ist mit einer Länge von etwa 540 Kilometern der längste Fluss der Insel.
| 2. | Klima |
An der Küste und in den Niederungen steigen die Temperaturen am Mittag bis auf 37 °C. Die relative Luftfeuchtigkeit liegt häufig über 80 Prozent. In der Regenzeit von November bis April bringen Meeresbrisen und häufige Gewitter etwas Abkühlung. In Höhen über 600 Metern ist das Klima meistens gemäßigt. In extremen Höhenlagen sinken die Temperaturen sogar bis -2 °C. Der jährliche Niederschlag beträgt durchschnittlich 2 030 Millimeter; allerdings gibt es große regionale Unterschiede.
| 3. | Flora und Fauna |
Vor allem an den unteren Hängen des zentralen Berglandes und in der Küstenebene besteht eine üppige Vegetation. Hier gedeihen Bambus, Palmen, Akazien, Gummibäume und Teakholzbäume. Der ursprüngliche Regenwald ist allerdings weitgend zerstört und in Grasfluren umgewandelt. Die ausgedehnten Teakholzbestände sind größtenteils angepflanzt. An den höhergelegenen Hängen der zentralen Bergkette wachsen vor allem Magnolienbäume, Rasamalabäume, Eichen, Ulmen, Lorbeer, Ahorn und Kastanien. Der Baumbestand der Insel macht nur noch 23 Prozent ihrer Gesamtfläche aus.
Auch die Fauna Javas weist eine große Vielfalt auf. Man findet hier z. B. Nashörner, Tiger, Leoparden, Bantengs (Wildrinder), Wildschweine, Lemuren und andere Affenarten. Ferner ist die Insel die Heimat von mehr als 400 Vogelarten, darunter Bankivahühner, Pfauen, zwei Papageienarten, Salanganen (siehe Segler), zehn Taubenarten, zwei Kuckucksarten und elf Reiherarten. Zu den Reptilien zählen Netzpythons, Kobras und bis zu neun Meter lange Krokodile. Die Gewässer an der Küste und im Innern der Insel sind reich an Fischen, zudem gibt es zahlreiche Krebstiere wie Krabben, Langusten und Hummer.
| 3. | Bevölkerung |
Die Bevölkerung Javas besteht überwiegend aus Malaien, die verschiedene malaiische Sprachen sprechen. Die Mehrheit der Bevölkerung gehört der sundanesischen, der javanischen und der maduresischen Sprachgruppe an. Die Sundanesen wohnen vor allem im äußersten Westen der Insel, die Javaner im zentralen Teil und die Maduresen im Osten. Die große Mehrheit der Bevölkerung sind Muslime.
| 4. | Wirtschaft |
Java ist reich an Bodenschätzen. Ergiebige Erdölfelder gibt es im Nordosten der Insel (Rembangfelder); sie werden seit 1896 ausgebeutet, sind inzwischen aber fast erschöpft. Darüber hinaus werden auch Gold, Kohle, Schwefel sowie Silber-, Zinn-, Mangan- und Kupfererz abgebaut.
Zwei Drittel der Bevölkerung in Java leben von der Landwirtschaft. Der überwiegende Anteil an Zuckerrohr und Kopra in Indonesien wird auf der Insel Java produziert. In den mittelgroßen Plantagen des Hochlands der Insel werden Kautschuk und Tee (Westjava), Kaffee (Ostjava) sowie Tabak und Kakao (Mitteljava) angebaut. Die im 17. Jahrhundert begründete Plantagenwirtschaft wurde seit 1870 sehr stark ausgeweitet. Die Kleinbauern der Inseln haben sich überwiegend auf den Reisanbau konzentriert, der vor allem in den Schwemmlandebenen und Flusstälern betrieben wird. Im Osten der Insel gibt es auch eine beträchtliche Viehzucht von Wasserbüffeln (1,1 Millionen Tiere) und Rindern. Weniger als ein Viertel der Inselfläche (23 Prozent) sind noch bewaldet. Im Osten der Insel wird intensiv Teakholz gewonnen. Die Fischerei zählt zu den zentralen Wirtschaftszweigen der Inseln, sowohl als Hochseefischerei (in der Madurastraße und der Javasee) als auch als Binnenfischerei; Fischteiche und Fischzucht in abgeernteten Reisfeldern spielen eine Rolle.
Zahlreiche Javaner sind in der Industrie und in Firmen des Handwerks beschäftigt: Die wichtigsten Produktionszweige sind die Nahrungs- und Genussmittel- (besonders in Jakarta) sowie Textilindustrie (besonders in Bandung). Im Handwerksbereich arbeiten zahlreiche Silberschmiede, Batikanbieter und Holzschnitzer. Großindustrielle Anlagen gibt es besonders im Norden der Insel (Raffinerien Wonokromo und Cepu) und im Raum Jakarta. Java besitzt eine ausgezeichnete Verkehrsinfrastruktur mit einem dichten Straßennetz, drei Hochseehäfen (Tanjung Priok in Jakarta, Surabaya und Semarang) und einem internationalen Flughafen.
| 5. | Geschichte |
Auf Java wurden mehrere Fossilien früher Formen des Menschen gefunden, darunter 1891 die einer frühen Art des Homo erectus, des so genannten Javamenschen, der vor 1,8 Millionen bis 800 000 Jahren lebte. 50 000 bis 10 000 Jahre alte Überreste sind ein Hinweis darauf, dass hier direkte Vorfahren des Menschen gelebt haben, die sowohl mit dem nördlichen Pekingmenschen (Homo erectus, früher Sinanthropus pekinensis) und einer östlichen Gruppe, deren Fossilien in Australien gefunden wurden, verwandt sind. Aus dieser Zeit wurden auch einige Steinwerkzeuge gefunden.
Große Bedeutung für die sozio-ökonomische Grundlage der javanischen Kultur war der Anbau von Reis auf bewässerten Feldern. Das Arbeits- und Gesellschaftsleben war in kleinen Dörfern (desas) verwurzelt, denen Häuptlinge vorstanden. Frauen spielten in der Entwicklung der javanischen Sozialstruktur eine wichtige Rolle. Noch heute sind diese matrilinealen Elemente teilweise erhalten. Technische Entwicklungen brachten die Zähmung des Rindes und des Büffels sowie die Benutzung von Auslegerbooten mit sich – ein Beweis dafür, dass schon früh Seeverbindungen bis nach Madagaskar im Westen und zur Osterinsel im Osten bestanden haben. Andere kulturelle Ausdrucksformen, die bis heute erhalten sind, stammen vermutlich ebenfalls aus dieser Zeit: das Wayang (Marionettenschattentheater), das Gamelan (Orchester vorwiegend mit Schlaginstrumenten) und Batik (eine Technik, mit der Stoffe mit Hilfe von Wachs gefärbt werden).
| 1. | Indische Einflüsse |
In den ersten Jahrhunderten des christlichen Zeitalters nahmen die kulturellen Einflüsse aus Indien immer mehr zu. Indische Gewürzhändler brachten Elemente des Hinduismus und des Buddhismus, der indischen Literatur und Gesetzbücher, des Sanskrits und der indischen Schriftzeichen (vor allem aus Südindien) mit. Diese verbreiteten sich zunächst unter der javanischen Aristokratie und später auch in anderen Teilen der Bevölkerung. Der Synkretismus der neuen hinduistisch-buddhistisch-javanischen Kultur zeigt sich vor allem im buddhistischen Tempel von Borobudur in Mitteljava aus dem 9. Jahrhundert. Er wurde von den Shailendra („Herren der Berge”) erbaut, die im 8. Jahrhundert in Mitteljava und in Teilen Westjavas die Macht übernahmen. Im 9. Jahrhundert wurde das sumatrische Reich von Srivijaya durch eheliche Verbindungen zwischen den beiden Machtzentren von Shailendra-Fürsten beherrscht. Die interessanteste Persönlichkeit aus dem 11. Jahrhundert war Airlangga, der zum legendären Helden der hindu-javanischen Geschichte wurde. Nach Airlanggas Tod wurde das Reich aufgeteilt. Der westliche Teil, das Reich von Kediri, erlangte die Vorherrschaft und herrschte bis 1222. Es folgte das Reich von Singosari, das bis etwa 1292 andauerte. Die Mongolen des Kublai Khan überfielen die Insel 1293, aber ohne großen Erfolg. Das letzte große hindu-javanische Reich war das Reich von Majapahit, das bis ins 14. Jahrhundert bestand. Sein Gründer, Gajah Mada, ist eine der berühmtesten Persönlichkeiten in der indonesischen Geschichte. Einige Historiker sind der Meinung, dass er für das heutige Indonesien die Weichen gestellt hat.
| 2. | Islamisierung |
Die Kulturmischung auf Java wurde durch die Ausbreitung des Islams im 15. und 16. Jahrhundert noch vielfältiger. Die Bevölkerung an der Küste und die Aristokratie wurden als erste von der neuen Kultur beeinflusst. Bis zum 16. Jahrhundert hatte das muslimische Reich von Mataram auf der gesamten Insel die Herrschaft übernommen.
Portugiesische Kaufleute entdeckten die Insel im 16. Jahrhundert. Aber schon gegen Ende jenes Jahrhunderts beendeten die Niederländer den wirtschaftlichen Einfluss der Portugiesen auf Java. Die Gründung von Batavia 1619, dem heutigen Jakarta, war der Beginn der neuen niederländischen Herrschaft. Die Holländer weiteten ihren Einflussbereich schnell aus. 1755 kontrollierten sie bereits einen großen Teil der Insel. In den Napoleonischen Kriegen wurde die niederländische Verwaltung auf Java dann von den Franzosen beeinträchtigt, die zu jener Zeit die Niederlande besetzt hielten. 1811 übernahmen die Briten die Insel und beherrschten sie bis 1816. Dann hatten die Niederländer wieder die Macht. Zwischen 1825 und 1830 kam es auf Java zu einem Aufstand gegen die niederländische Verwaltung, der jedoch erfolglos verlief. Danach blieb die Insel so lange unter der Herrschaft der Niederländer, bis sie im März 1942, während des 2. Weltkrieges, von den Japanern besetzt wurde.
Zur Geschichte ab 1945 siehe Republik Indonesien