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| 3. | Baltischer Bernstein |
Baltischer Bernstein findet sich ausschließlich in Feinsanden und Tongesteinen marinen Ursprungs und ist, freigespült, sehr häufig als Strandgeröll an der Ostsee anzutreffen. Das größte Vorkommen baltischen Bernsteins, der vor allem zu Schmuck verarbeitet wird, befindet sich an der Ostseeküste bei Kaliningrad (Königsberg) und Danzig. Andere Fundstellen liegen an der Nordseeküste, in Jütland und Südschweden. Außerdem wurde baltischer Bernstein auch weiter südlich an mehreren Orten gefunden, u. a. in Bitterfeld, wo er im Tagebau gewonnen wird.
Baltischer Bernstein entstand vor 50 bis 40 Millionen Jahren im Eozän, einer Epoche des Alttertiärs, in der die globalen Temperaturen deutlich höher lagen als in der späteren Erdgeschichte. Im heutigen Ostseeraum herrschte damals ein tropisch-subtropisches Klima, in dem der so genannte baltische Bernsteinwald mit einer überaus artenreichen Flora und Fauna gedieh. Nachdem das Harz von den Bäumen getropft war, muss es sehr schnell durch Fließgewässer in marine Sedimentationsräume transportiert und dort eingebettet worden sein (primäre Lagerstätte). Später, während der Eiszeit, wurden diese eozänen Schichten erodiert, der Bernstein erneut transportiert und in neuen, eiszeitlichen Sedimenten abgelagert (sekundäre Lagerstätte).
Ein solches eiszeitliches Sediment liegt heute als die „Blaue Erde” im Samland bei Königsberg vor. Dabei handelt es sich um eine tonige Feinsandschicht von zehn Meter Mächtigkeit, die durch das Mineral Glaukonit bläulich gefärbt ist. Diese Lagerstätte enthält durchschnittlich 2,5 Kilogramm Bernstein pro Kubikmeter Sediment. Seit dem 19. Jahrhundert wird der Bernstein hier bergmännisch im Tagebau gewonnen. Auch die anderen Vorkommen im Ost- und Nordseeraum sowie das Vorkommen bei Bitterfeld gehen auf eiszeitliche Umlagerungen aus der eozänen Primärlagerstätte zurück.
Es sind besonders die zahlreichen Einschlüsse von Tieren, die so genannten Inklusen, die den baltischen Bernstein berühmt gemacht haben. Der starke Duft und die helle, glänzende Farbe des frischen Harzes lockte vor allem Fluginsekten an, für die das klebrige, dünnflüssige Harz zur Todesfalle wurde. Durch den luftdichten Einschluss blieben die Tiere als Fossilien über Jahrmillionen erhalten.
Diese Einschlüsse sind ein überaus interessantes Studienobjekt für die Paläontologie. Insgesamt etwa 10 000 Pflanzen- und Tierarten wurden im baltischen Bernstein identifiziert, vor allem Insekten und Spinnentiere. Fluginsekten wie Fliegen, Mücken und geflügelte Ameisen stellen den größten Anteil der identifizierten Arten, gefolgt von den Spinnentieren. Außerdem fand man neben Pflanzenteilen auch Krebstiere, Tausendfüßer, Vogelfedern und Säugetierhaare sowie Teile von Eidechsen.