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Stefan George

Stefan George, auch Edmund Lorm und Ruchus Herz, (1868-1933), deutscher Lyriker. Er wurde am 12. Juli 1868 in Büdesheim bei Bingen geboren und besuchte das Gymnasium in Darmstadt. Danach studierte er Romanistik, Philosophie und Kunstgeschichte in Berlin, München und Paris. In Paris geriet er durch Begegnungen mit Stéphane Mallarmé und Paul Verlaine in Berührung mit dem Symbolismus (außerdem wurde er mit Rodin bekannt) und erhielt während eines Aufenthalts in England Impulse durch die Präraffaeliten. Nach ausgedehnten Reisen durch Europa, bei denen er u. a. mit Hugo von Hofmannsthal Bekanntschaft schloss, kehrte er nach Deutschland zurück. Der Kontakt mit den französischen Symbolisten hatte ihn zu einer elitären Kunstauffassung des L’art pour l’art (Kunst um der Kunst willen) geführt, die auch eine Gruppe von Dichtern, Malern und Gelehrten vertrat, die sich um ihn geschart hatte. Durch kultisch inszenierte Lesungen erweiterte sich diese „auserwählte schar” des so genannten George-Kreises um Karl Wolfskehl, Leopold von Andrian-Werburg, Hugo von Hofmannsthal und Max Dauthendey zunehmend, auch um Wissenschaftler und Germanisten. Ihr Anliegen war es, dem Epigonentum der Vertreter des literarischen Realismus und des Naturalismus entgegenzuwirken und die deutsche Dichtung im Hinblick auf Sprache, Form und Ästhetik grundsätzlich zu reformieren.

Das Publikationsorgan, in dem George und die Mitglieder seines Kreises ihre Kunstauffassung propagierten, waren die unregelmäßig erscheinenden Blätter für die Kunst, deren zwölf Hefte von 1892 bis 1919 herausgegeben wurden. Natur, Kunst und Freundschaft waren die Hauptthemen von Georges lyrischem Werk, das wesentlich von Mallarmé beeinflusst war und sich durch starken Individualitätsanspruch auszeichnete, der sich in ausgesuchten sprachlichen und formalen Mitteln manifestierte, so unter anderem in einer ästhetisch anspruchsvollen Typographie und in einer konsequenten Kleinschreibung. Georges Frühwerk umfasst Gedichtzyklen wie Hymnen (1890), Pilgerfahrten (1891), Algabal (1892) und Die Bücher der Hirten- und Preisgedichte, der Sagen und Sänge und der hängenden Gärten (1895), in denen der Dichter Orient, Antike und Mittelalter als die großen „Bildungswelten” beschreibt und einen ästhetischen Amoralismus kultiviert, sowie den dreiteiligen Zyklus Das Jahr der Seele (1897, erweitert 1899), der von einer starken Tendenz zur Verinnerlichung gekennzeichnet ist. Nach 1900 wandte sich George vom Ästhetizismus ab und erschloss in seinen Werken eine neue Welt, in der der Dichter zum Seher im Kreise gehorsamer Jünger auserkoren ist. Diesen Wendepunkt markiert der Gedichtzyklus Der Teppich des Lebens und die Lieder von Traum und Tod (1900), dessen starkes ideologisches Engagement jedoch bereits latente Züge des Faschistoiden in sich trägt. Die Gedichte der beiden Zyklen Der siebente Ring (1907) und Der Stern des Bundes (1914) sind von prophetischen und apokalyptischen Elementen durchsetzt, wobei sich mystische Einsicht und Zeitkritik durchdringen. Zu seinem letzten Gedichtband Das neue Reich (1928) wurde George durch Friedrich Hölderlins Werke, aber auch durch die Kulturphilosophie Friedrich Nietzsches inspiriert. Der Dichter schildert darin seine Vision eines nach klassisch-aristokratischen Idealen gestalteten neuen Deutschland. Durch diese Züge sahen die Nationalsozialisten in George einen Geistesverwandten, dessen Werk sie zu Propagandazwecken zu missbrauchen versuchten. Der Dichter entzog sich dieser Vereinnahmung, indem er 1933 in die Schweiz emigrierte. Georges Werke, die ursprünglich in großen Teilen privat gedruckt und vertrieben worden waren, erschienen zwischen 1927 und 1934 als 18-bändige Gesamtausgabe. Einen Namen machte sich George auch als Übersetzer von Dichtern wie Dante, Swinburne, Verlaine, Mallarmé, Rimbaud und Baudelaire. Der Dichter starb am 4. Dezember 1933 in Minusio bei Locarno. Zu seinen Bewunderern gehörten neben Rainer Maria Rilke (der ihn 1897 kennen lernte) auch Georg Simmel und Wilhelm Dilthey.