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Gesundbeten
1. Einleitung

Gesundbeten, volkstümliche Ausdrucksweise für eine Heilungspraxis, die davon ausgeht, dass eine göttliche Kraft die Heilung einer Krankheit bewirkt.

Es gibt zwei grundsätzlich verschiedene Betrachtungsweisen von Krankheit. Die wissenschaftliche Medizin geht davon aus, dass Krankheiten – einschließlich Geisteskrankheiten – das Ergebnis von Funktionsstörungen sind, die in erster Linie körperliche Ursachen haben. Demgegenüber wird von religiösen und spirituellen Bewegungen die Ansicht vertreten, dass Krankheiten auf seelische und geistige Ursachen zurückzuführen sind. Diese letztgenannte Ansicht wird in zwei recht unterschiedlichen Ausdrucksformen durch die Christian Science und die Heilbewegung repräsentiert, die das Gesundbeten wieder in ihre kirchliche Praxis aufgenommen hat. Die Christian Science vertritt die Ansicht, dass der Ursprung aller Übel, einschließlich körperlicher Krankheiten, in der geistigen Unwissenheit zu suchen ist. Einige Strömungen innerhalb der Heilbewegung betrachten die Krankheit vom biblischen Standpunkt aus – d. h. als durch Dämonen verursacht – und wenden Heiltechniken an, mit denen der göttliche Geist über den bösen Geist siegen soll.

Daneben gibt es noch andere Sichtweisen, die dem Gebet bei der Heilung eine bedeutende Rolle beimessen. So wenden sich z. B. Menschen häufig dem Gebet als letztem Ausweg zu, wenn wissenschaftliche Behandlungsmethoden versagt haben. Außerdem gibt es Richtungen in der Medizin, die Gesundheit als Zusammenspiel von körperlichen, emotionalen und geistigen Faktoren ansehen und glauben, dass der wirksamste Weg zur Heilung darin besteht, alle verfügbaren Behandlungsmethoden, einschließlich Gebete, einzusetzen.

2. Geschichte des Gesundbetens

Auch die Griechen und Römern kannten das Gesundbeten. In Griechenland brachte man die Kranken in einen Tempel, der Asklepios, dem griechischen Gott der Heilkunst, geweiht war. Man glaubte, während die Kranken schliefen, erscheine Asklepios in ihren Träumen, um sie zu heilen oder ihnen Ratschläge zur Behandlung ihrer Krankheit zu geben. Im Gegensatz dazu wird im Alten Testament das Gesundbeten kaum erwähnt. Einer der wenigen Hinweise findet sich in 2. Könige 5, 1-14, wo Elisa den Naëman von seinem Aussatz durch eine rituelle Waschung im Jordan heilt. Im Neuen Testament befinden sich viele Beispiele für das Gesundbeten. In den Geschichten über die Wunderheilungen Jesu wird Krankheit als Zeichen für die Anwesenheit böser Geister angesehen, und die Heilkraft Jesu gilt als Beweis dafür, dass das Reich Gottes in seiner Person angebrochen ist.

Der Apostel Paulus hielt das Heilen für eine besondere Gabe des Geistes (siehe 1. Korinther 12, 9). Der Glaube an die heilenden Kräfte geweihter Reliquien war in der Geschichte der christlichen Kirche weit verbreitet.

3. Die Rolle des Glaubens

Obwohl der Glaube des Kranken allgemein als das angesehen wird, wodurch die Heilung bewirkt wird, beharrt die christliche Theologie darauf, dass das eigentliche Werkzeug der Heilung der göttliche Geist ist. Demzufolge bildet der Glaube im Sinn von Vertrauen und Hoffnung die Voraussetzung für das Heilen. Dieses Verständnis findet sich in der kirchlichen Praxis wieder, wo das Sündenbekenntnis der Krankensalbung, dem Handauflegen und den Gebeten vorangeht.