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| 3. | Struktur und Entwicklung des Welthandels im 20. Jahrhundert |
| 1. | Die Welthandelsordnung |
Durch die multilateralen Verhandlungsrunden des GATT konnte der Welthandel seit dem 2. Weltkrieg deutlich liberalisiert werden: Die durchschnittlichen Meistbegünstigungszölle wurden von rund 40 Prozent auf rund 4 Prozent reduziert. In der achten, so genannten Uruguay-Runde (1986-1993) beschlossen die Mitgliedsländer des GATT die Ablösung dieses völkerrechtlichen Vertrags durch eine internationale Organisation mit stärkeren Kompetenzen und erweiterten Zuständigkeiten. Seit ihrer Gründung im Jahr 1995 ist die WTO für den weiteren Abbau von Handelshemmnissen, die Überwachung der Handelspolitik ihrer 146 Mitgliedsstaaten und die Schlichtung von Handelsstreitigkeiten zuständig. Das Themenspektrum der multilateralen Welthandelsordnung wurde vom reinen Güterhandel auf den Handel mit Dienstleistungen, geistige Eigentumsrechte und den Handel betreffende Direktinvestitionen ausgeweitet.
| 2. | Rahmenbedingungen des Welthandels |
In der Entwicklung des Welthandels im 20. Jahrhundert können näherungsweise fünf Phasen unterschieden werden, in denen sich Liberalisierungs- und Protektionismustendenzen abwechselten.
Bis zur Weltwirtschaftskrise 1929 waren die internationalen Wirtschaftsbeziehungen von einem intensiven und relativ unbeschränkten Warenaustausch gekennzeichnet. Auf diese Liberalisierungsphase folgte eine bis Ende des 2. Weltkrieges dauernde Phase des Protektionismus, in der sich viele Länder durch Zölle, Einfuhrbeschränkungen und Währungsabwertungen zu schützen versuchten.
Nach Kriegsende kam es zu einer Wiederbelebung der Freihandelsidee, nicht zuletzt aufgrund der schlechten Erfahrungen mit dem Protektionismus, der eine Ursache für die Reduzierung des Welthandelsvolumens zwischen 1929 und 1933 von drei auf eine Milliarde US-Dollar war. Diese Entwicklung manifestierte sich 1947 in der Gründung des GATT und den ersten Verhandlungsrunden, in denen weit reichende Zollsenkungen vereinbart wurden. Im Zuge der ersten Ölkrise, die zu einer dramatischen Verschlechterung der wirtschaftlichen Situation der Erdöl importierenden Staaten führte, kam es Mitte der siebziger Jahre zu einer erneuten Protektionismuswelle. Dieser so genannte Neue Protektionismus war durch den verstärkten Einsatz nichttarifärer Handelshemmnisse, insbesondere der Industrieländer gegenüber Importen aus den wettbewerbsfähiger werdenden Schwellenländern, z. B. den ostasiatischen Tigerstaaten, gekennzeichnet und erreichte in den achtziger Jahren seinen Höhepunkt.
Anfang der neunziger Jahre schufen die zunehmende Globalisierung und die nach Ende des Kalten Krieges weltweit dominierende Konzeption der Marktwirtschaft die Bedingungen für eine neue Liberalisierungsphase, die u. a. zur Gründung der WTO führte.